zosen  veranlaßt  hat  Truppen  aus  Slandern  wegzuziehen,  mag
dahingestellt  bleiben.  Tatsache  ist  jedenfalls,  daß  die  Erstürmung
des  Kemmel  am  25.  April  über  Erwarten  gut  gelang.  7100  Gefangene
  und  53  Geschütze  waren  die  Beute  des  Tages.  Der  Erfolg
wäre  sogar  noch  weiter  ausgedehnt  worden,  wenn  nicht  auch  jetzt
die  Franzosen  ihren  bedrängten  Bundesgenossen  zu  Hilfe  gekommen
wären.  Schon  am  26.  April  setzte  der  Gegenangriff  ein,  bei  dem
ausgeruh#te  französische  Divisionen  sich  unter  die  Engländer  mischten,
und  entriß  den  Deutschen  wieder  das  Gelände  von  Coker.  Da  auch
auf  der  übrigen  Front  feindliche  Gegenangriffe  einsetzten,  kam  der
deutsche  Angriff  Ende  April  endgültig  zum  Stehen.  Immerhin  war
auch  im  NWorden  Großes  erreicht  worden.

Ein  Gebiet  von  475  qkm  war  in  neun  Tagen  erobert  worden,
während  die  Engländer  im  Jahre  1917  fünfeinhalb  Monate  bedurft
hatten,  um  einen  Raum  von  nur  165  qkm  zu  besetzen.  Sie  hatten
mit  vorschreitendem  deutschen  Angriff  immer  mehr  und  mehr  den
Upernbogen  geräumt.  Als  der  Kemmel  gefallen  war,  behaupteten
sie  nur  noch  die  Stadt  Upern  und  zwar  mehr  aus  politischen
als  militärischen  Rücksichten;  im  übrigen  gaben  sie  fast  kampflos
das  Gelände  preis,  das  sie  im  Jahre  1917  mit  Strömen  Blutes  mühsam
  erkämpft  hatten.  Die  Cinie  Dixmuiden—LCangemarck—Sillebeke
  —St.  Sloi  bis  zum  Kemmel  bildete  die  nunmehrige  deutsche
Stellung.  Nur  Birschoote  blieb  noch  von  den  Engländern  besetzt.
Die  Deutschen  hatten  sich  im  allgemeinen  gut,  wenn  auch  nicht  wie
früher  geschlagen,  die  Keinde  dagegen  hatten  alle  ihre  Kräfte  daransetzen
  müssen,  um  sich  in  den  entscheidenden  Linien  zu  behaupten.  Don
den  50  englischen  Divisionen,  die  unseres  Wissens  überhaupt  vorhanden
  waren,  wurden  55  eingesetzt,  davon  25  mehrere  Male.  Die
Franzosen  hatten  fast  mit  der  Hälfte  ihrer  Kräfte  an  den  Kämpfen
teilnehmen  müssen.  Jtalienische  Divisionen  wurden  nach  Frankreich
versctzt,  während  die  englischen  und  französischen,  die  im  Berbst  1012
nach  Italien  gegangen  waren,  dort  verbleiben  mußten,  um  der  italienischen
  Armee  Halt  zu  geben.  Auch  aus  Mazedonien  wurden
englische  Truppen  herangezogen  und  dort  durch  griechische  ersetzt.

Unter  dem  Eindruck  des  großen  deutschen  Schlachterfolges  war
General  Foch  am  3.  April  zum  Generalissimus  aller  Ententeheere
ernannt  worden.  Das  stolze  England  hatte  sich  in  der  Not  des
Augenblicks  dem  französischen  Heerbefehl  untergeordnet.

Foch  zog  die  Hauptreserve  im  wesentlichen  bei  Abbeville  zusammen,
  um  von  dort  aus  sowohl  in  Flandern  als  auch  bei  Amiens
eingreifen  zu  können,  nachdem  vorher  die  englischen  Reserven  vor
der  17.  und  2.  Armee  zusammengefahren  worden  waren,  französische
Divisionen  aber  von  der  Aisne—Derdun-Front  sich  der  18.  Armee  vorgelegt
  hatten.  Im  übrigen  flackerten  die  Kämpfe,  die  durch  die
deutschen  Angriffe  ausgelöst  waren,  noch  bis  in  den  Mai  fort;  im
Norden  waren  der  Kemmel  und  Bailleul  die  Brennpunkte  des  Ge-