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Fahnenflucht  veranlaßt.  Die  Fahnenflüchtigen  haben  wir  organisiert,
mit  falschen  Papieren  ausgerüstet,  mit  Geld  und  unterschriftslosen
Slugblãttern  versehen.  Wir  haben  diese  Leute  nach  allen  Himmelsrichtungen,
  hauptsächlich  wieder  an  die  Front,  geschickt,  damit  sie
die  Frontsoldaten  bearbeiten  und  die  Front  zermürben  sollten.  Diese
haben  die  Soldaten  bestimmt  überzulaufen,  und  so  hat  sich  der  Serfall
  allmählich,  aber  sicher  vollzogen.“  4

In  der  schamlosesten  Weise  wurde  zugleich  gegen  die  Offiziere
gehetzt.  Dor  allem  wurde  immer  wieder  lügenhafterweise  behauptet,
daß  sie  viel  besser  lebten  als  die  Mannschaften,  daß  sie  die  Kantinengelder
  zu  ihrem  Vorteil  ausnutzten,  daß  sie  sich  von  den  Leuten
abschlössen,  und  was  dergleichen  ungereimtes  Seug  mehr  ist.  Als
ob  überhaupt  eine  Armee  möglich  wäre,  in  der  die  Autorität  nicht
gewahrt  würde,  in  der  diese  nicht  auf  gesellschaftlichen  Unterschieden
beruhte,  und  in  der  das  Offizierkorps,  das  übrigens  genau  so  lebte
wie  die  Leute,  nicht  hoch  über  der  Masse  stände  und  nur  durch  die
Bande  der  Kameradschaft  mit  ihr  verbunden  wäre,  wie  das  in
unserem  alten  deutschen  Offizierskorps  der  Fall  war.  Was  dieses
vielgeschmähte  Offizierkorps  in  Wirklichkeit  geleistet  hat,  dürfte  wohl
am  ersten  aus  den  Derlusten  Bervorgehen.  Von  100  Offizieren  sind
nur  fünf  lebend  und  unverwundet  aus  dem  Kriege  zurückgekommen.
Gefallen  aber  sind  39,200,  während  von  den  Mannschaften  nur
10%  geblieben  sind.  Das  spricht  von  einem  Gpfermut,  wie  er
gewiß  nur  selten  vorkommt  und  den  Undank  des  Vaterlandes  gewiß
nicht  verdient.

Der  Reichstag  arbeitete  übrigens  genau  in  demselben  Geist  der
Gerstörung,  wie  die  Unabhängigen.  Seit  der  Friedensresolution
vom  10.  Juli  (Olt  war  von  ihm  keinerlei  Stärkung  des  Kriegsgedankens
  mehr  zu  erwarten.  Auch  er  wirkte  lediglich  darauf  hin,  die
Autorität  der  Regierung  zu  untergraben  und  den  Willen  der  GObersten
Beeresleitung  zu  brechen,  in  dem  törichten  Wahn,  daß  ein  Frieden,
wie  er  ihn  wünschte,  überhaupt  noch  möglich  sei.  Und  nun  die  Regierung!
  Sie  litt  nicht  nur  Herrn  Joffe  in  Berlin,  sie  unterstützte
auch  sonst  die  GOberste  Reeresleitung  in  keiner  Weise.  Sie  teilte
die  Ansichten  des  Reichstages  und  handelte  entsprechend.  Selbst  beim
Kriegsministerium  fand  die  Oberste  Heeresleitung  nicht  die  nötige
Unterstützung,  und  Staatssekretär  von  Kühlmann  sprach  sich  ganz
unverhohlen  dahin  aus,  daß  der  Krieg  durch  rein  militärische  Entscheidung
  allein  kaum  beendet  werden  könne.  Er  gab  zwar  Anfang
Juli  sein  Amt  auf  und  wurde  durch  den  Staatssekretär  von  Bintze
ersetzt,  dieser  aber  teilte  die  bolschewistische  Holitik  seines  Dorgängers,
duldete  in  Berlin  Berrn.  Joffe  und  seine  revolutionierende  Tätigkeit
und  tat  nichts  für  die  Stärkung  der  öffentlichen  Meinung.

So  stand  die  Oberste  Beeresleitung  ganz  allein  mit  ihrer  einzig
richtigen  Ansicht,  daß  der  Krieg  nur  durch  Waffengewalt  zu  gewinnen
  sei,  daß  daher  alles  darauf  ankäme,  die  Kampffähigkeit  der