470

„Justicia“;  wenn  auch  die  deutschen  Hilfskreuzer  Unglaubliches  leisteten,
  den  englischen  Handel  schwer  schädigten  und  den  Feind  an  verwegener
  Kühnheit  vielfach  überboten,  —  wie  seinerzeit  die  „Möve“,
so  der  jetzt  nach  15  monatiger  Kreuzerfahrt  heimgekehrte  Rilfskreuzer
„Wolf“  und  der  „Seeadler“  des  Grafen  Luckner,  der  am  21.  Dezember
  1016  ausgelaufen  war,  und,  obgleich  Segelschiff,  zahlreiche  Hrisen
zur  Strecke  brachte  und  schließlich  im  Stillen  Ozean  infolge  eines
untersceischen  Dulkanausbruchs  scheiterte,  —  so  waren  doch  die  feindlichen
  Abwehrmaßregeln  zum  Schutze  gegen  die  U-Boote  und  zu  deren
Bekämpfung  so  bedeutend  gewackhsen,  daß  man  in  absehbarer  Seit
auf  einen  Erfolg  des  U-Boot-Krieges  nicht  mehr  mit  Bestimmtheit
rechnen  konnte,  wenn  die  bisherigen  Derhältnisse  bestehen  blieben.
Das  sah  auch  Admiral  Scheer  vollkommen  ein.  Während  der
Admiralstab  bisher  nur  eine  Behörde  gewesen  war,  die  dem  Kaiser
als  dem  obersten  Befehlshaber  der  Flotte  beratend  zur  Seite  stand,
schuf  er  ihn  jetzt  zu  einer  obersten  Kommandobehörde,  der  Seekriegsleitung,
  um,  der  alle  Teile  der  Flotte  wirklich  unterstanden,  und
verlegte  seinen  Sitz  dauernd  in  das  Große  HBauptquartier,  um  mit
Bindenburg  in  fortgesetztem  persönlichen  Verkehr  bleiben  zu  können.
In  Gemeinschaft  mit  diesem  wurde  festgestellt,  daß  nunmehr  die
einzige  Koffnung,  den  Krieg  siegreich  zu  beenden,  durch  den  U-BZoot-Krieg
  gegeben  sei.  Zu  Lande  habe  man  sich  auf  völlige  Abwehr
einstellen  müssen;  um  so  mehr  sei  es  geboten,  zur  See  die  Offensive
aufrechtzuerhalten,  die  —  da  die  englische  Flotte  einem  Kampfe
geflissentlich  auswich  —  lediglich  durch  den  U-Boot-Krieg  zu  ermöglichen
  sei.  Dazu  aber  müsse  die  Sahl  der  U-Boote  wesentlich  erhöht,
die  ganze  Industrie  auf  den  Bau  von  U-Booten  eingestellt,  jeder
andere  Bau  von  Kriegsschiffen  unterlassen  werden.  Zu  diesem  Swecke
wurden  denn  auch  alle  nötigen  Schritte  getan.  Der  Staatssekretär
des  Marineamts,  Admiral  von  Capelle,  trat  zurück  und  wurde  durch
den  Dizeadmiral  von  Mann--iechler  ersetzt,  der  bisher  das  U-Boot=Amt
  innegehabt  hatte.  Admiral  Bipper  wurde  zum  FHlottenchef
ernannt.  Die  Oberste  Beeresleitung  stellte  die  nötigen  Facharbeiter,
obgleich  sie  selbst  mit  der  Ersatzgestellung  schwer  zu  kämpfen  hatte.
So  geschak  jetzt  endlich  das,  was  schon  lange  hätte  geschehen  müssen,
weil  ein  Mann  die  Sügel  ergriffen  hatte,  der  die  Verhältnisse  ebenso
klar  übersah  wie  Hindenburg,  und  danach  handelte.  Ceider  war  es,
wie  gesagt,  zu  spät.  Wie  in  die  Armee  der  Geist  der  heimatlichen
Massen  eingedrungen  war  und  deren  Widerstandsfähigkeit  vielfach
untergraben  hatte,  so  hatte  sich  auch  in  der  Schlachtflotte  die  Stimmung
  sehr  wesentlich  verschlechtert.  Das  Gift  der  öffentlichen  Meinung
  war  in  ihre  Reihen  gedrungen.  Allerdings  ist  dabei  zu  bedenken,
  daß  die  besten  Elemente  für  den  U-Boot-Krieg  herausgezogen
waren,  und  der  Geist  der  Heimat  demoralisierend  auf  die  Mannschaften
wirkte,  wenn  sie  oft  monatelang  tatenlos  im  Hafen  lagen;  das  ändert
aber  nichts  an  der  Tatsache,  daß  es  zunächst  die  Klottenmannschaften