Obersten  Heeresleitung  voller  Hoffnung  die  Sitzung  verlassen  und  sich
wieder  zur  Armee  begeben.  Ein  Beschluß  wurde  leider  nicht  gefaßt.
Auch  hielt  die  mutige  Stimmung  in  Berlin  nicht  an,  und  die  Antwortnote
  an  Wilson  fiel  demnach  auch  ganz  anders  aus,  als  die  Oberste
Heeresleitung  erwartet  hatte.

Am  20.  Oktober  ging  sie  von  Berlin  ohne  weitere  Rückfrage  bei
Hindenburg  ab  und  gab  in  allen  Hunkten  dem  Willen  des
Dräsidenten  nach.  Zwar  wurde  nochmals  betont,  daß  nichts
geschehen  dürfe,  was  mit  der  Ehre  Deutschlands  und  einem  Frieden
der  Gerechtigkeit  im  Widerspruch  stehe,  doch  wurde  der  U-Boot-Krieg
  preisgegeben  und  die  gewünschten  Derfassungsänderungen  in
Aussicht  gestellt.  Mit  dieser  Antwort  wurde  der  letzte  Schritt  getan,
um  Deutschland  wehrlos  seinen  Feinden  auszuliefern.  Daran  vermochte
  es  nichts  zu  ändern,  daß  Hrinz  Max  am  22.  Oktober  im
Reichstage  ausführte:  „Wer  sich  ehrlich  auf  den  Boden  des  Rechtsfriedens
  stellt,  der  hat  zugleich  die  Oflicht  übernommen,  sich  nicht
kampflos  dem  Gewaltfrieden  zu  beugen.  Eine  Regierung,  die  hierfür
  keine  Empfindung  hat,  wäre  der  Derachtung  des  kämpfenden  und
arbeitenden  Dolks  preisgegeben.“  Auf  Taten  mußte  man  gefaßt  sein,
aber  der  Wille  zur  Tat  war  versiegt,  und  Ludendorff  hat  ganz  recht,
wenn  er  schreibt:  „Orinz  Max  hat  sich  und  seinen  Mitarbeitern“  mit
solchen  Worten  „das  Urteil  gesprochen“.  Es  gibt  allerdings  kaum
etwas  Deräcktlicheres  als  diese  Leute  der  großen  Worte  und  der
erbärmlichen  Taten.

Nichts  war  natürlicher,  als  daß  mit  der  NWachgiebigkeit  und
Schwäche  der  deutschen  Antworten  sich  die  rücksichtslosen  Forderungen
der  Ententestaaten  immer  mehr  steigerten.  Sie  erkannten  die  ehrlose
Schwäche  der  deutschen  Regierung  und  verlangten  daher  eine  volle
Kapitulation,  wie  das  nach  solchen  Beweisen  der  Kampfunfähigkeit
des  Dolkes  auch  kaum  anders  möglich  war.

Wilsons  Antwortnote,  die  am  25.  Oktober  eintraf,  trug  denn
auch  den  Stempel  solcher  Erwägungen.  Sie  sprach  es  in  dürren
Worten  aus,  daß  nur  dann  ein  Waffenstillstand  gewährt  werden
könne,  wenn  durch  seine  Bedingungen  Deutschland  die  Wiederaufnahme
  der  Feindseligkeiten  unmöglich  gemacht  würde.  Der  Hräsident
habe  daher  die  Bevollmächtigten  der  verbündeten  Mächte  aufgefordert,
  solche  Waffenstillstandsbedingungen  auszuarbeiten,  die  die  Interessen
  der  betreffenden  Staaten  wahren  und  die  Sicherung  des  Friedens
  gewährleisten  könnten.  Durch  die  Annahme  dieser  Bedingungen
würde  Deutschland  am  besten  beweisen,  daß  es  die  Forderungen  und
Grundsätze  des  zukünftigen  Friedens  annähme.

Ein  solcher  Vorschlag  kam  einer  Kapitulation  gleich,  und  Hindenburg
  entwarf  daher,  in  der  festen  Überzeugung,  daß  die  Regierung
gar  nicht  anders  könne,  als  nunmehr  den  Widerstand  aufs  äußerste
zu  organisieren,  folgenden  Befehl  an  die  Truppen: