Wesen  entsprungen;  Friedrich  V.  war  Calvinist  und  Jo—
hann  Friedrich  von  reformierter  Seite  beraten!

So  hat  Luther  den  Sinn  rechter  Loyalität  gepflegt,
für  den  Kaiser,  das  „junge  deutsche  Blut“  (das  freilich  arg
verdünnt  war),  das  Beste  gedacht  und  von  ihm  erwartet,
auch  nach  1522  und  1530,  hat  für  den  Kaiser  beten  heißen.
Ihm  sollte  der  Türkenpfennig  willig  gezahlt  und  sein
Sohn  Paul  zu  Gebot  gestellt  werden,  daß  er  wider  die
Türken  ziehe.  Die  Beichtväter  in  der  Nähe  Karls  V.,
welche,  lutherischer  Reigung  verdächtig,  der  Ingquisition
verfielen,  mögen  es  ihm  bezeugt  und  der  Bayernherzog
Wilhelm  IV.,  nach  anderen  sein  eigener  Bruder  Ferdinand,
bewiesen  haben,  daß  die  Evangelischen  „den  Artikel  von
weltlicher  Obrigkeit“  hochhalten,  wie  es  der  15.  Artikel
ihres  Grundbekenntnisses  und  die  Auslegung  beider,  des
4.  Gebots  und  der  4.  Bitte,  ausweisen.  Aber  die  Loyalität
ward  nicht  zum  Byzantinismus.  Ein  Byzantiner  schreibt
nicht  davon,  daß  er  den  Kurfürsten  mehr  schützen  khönme,
denn  dieser  ihn  und  daß  dieser  nichts  gesehen  habe,  weil
er  nichts  glaubte,  ein  Byzantiner  buhlt  um  Fürstengunst
und  trachtet  in  ihre  wärmende  Nähe  zu  hommen.  Einmal
  wollte  und  sollte  Luther  seinem  fürstlichen  Gönner
nahen:  es  war  der  Weg  zum  SÖSterbenden.  Noch  ehe  er
hinkam,  war  Friedrich  der  Weise  entschlafen.  Wenn  man
aber  die  beiden  Leichenpredigten  (Parentationen)  zu  Ehren
seines  treuesten  Schutzherrn,  Johann  des  Beständigen
(k  16.  Aug.  1532)  liest,  die  Luther  wiederholt  weinend
wie  ein  Kind  am  18.  und  21.  (°)  August  gehalten  hat,
staunt  man  über  die  Freimütigkeit,  mit  der  „unser  liebes
Haupt“  beurteilt,  aber  auch  über  die  Ruhe  und  Unbe-Kümmertheit,
  mit  der  des  Kommenden  und  Johann  Friedrichs
  gedacht  wird.  „Unter  seinem  Schutz  und  Schirm
haben  wir  bisher  in  gutem  Frieden  gesessen  und  aus  seinen
Händen  das  liebe  Brot  gegessen.  Nun  wird  hinfort  ein
anderes  Regiment,  und  niemand  weiß,  wie  es  ge-25

