raten  soll.  Unser  lieber  Herr  ist  ein  sehr  frommer,
freundlicher  Mann  gewesen,  ohne  alles  Falsch,  in  dem  ich
noch  nie  einigen  Stolz,  Zorn  noch  Neid  gespüret  habe,
der  alles  leichtlich  tragen  und  vergeben  konnte  und  mehr
denn  viel  zu  milde  gewesen  ist.  Ob  er  im  Regiment
auch  gefehlt  hat,  wie  sollte  man  ihm  tun?  Ein  Fürst  ist
auch  ein  Mensch  und  hat  allenthalben  zehn  Teufel  um  sich
her,  wo  sonst  ein  Mensch  nur  einen  hat.“  Aus  dieser
Loyalität  heraus,  die  um  Gottes  willen  die  Obrigkeit  ehrt,
warnt  er  vor  unreifer  und  leichtsinniger  Kritik  ihrer  Maßregeln.
  Wenn  wir  sehen,  daß  Regenten  straucheln,  sind
wir  bald  da,  meinen:  „Ei,  so  wollte  ichs  machen  und  so,
und  sollten  wohl  den  Karren  recht  in  den  Kot  hineinführen
  oder  gar  über  und  über  werfen,  wenn  wir  regieren
sollten.  Daß  uns  niemand  hann  recht  tun,  und  sind  doch
selbst  nie  recht  worden.“  Und  mit  heiligem  Ernste  mahnt
er:  „So  wir  mehr  für  die  Obrigkeit  zu  Gott  redeten  als
wider  sie  zu  Menschen,  wäre  es  ihr  und  uns  nütze.“  Die
Anhänglichkeit  an  das  Vaterland  ist  dem  Manne,  der
doch  so  gerne  des  jüngsten  Tages  gedacht  und  die  Herberge
nicht  ungerne  verlassen  wollte  —  „wir  wollten  gerne  los
sein  und  heimfahren,  wenn's  Gott  will.  Amen.  Amen.
Amen"  —,  doch  ein  süßes  Ding  und  eine  angeborene
Pflicht.  Wie  rühmt  er  sein  deutsches  Vaterland  und  dessen
Sprache,  in  deren  Schätze  er  mit  wachsender  Lust  sich  vertieft,
  wie  tritt  in  der  Erinnerung  späterer  Tage  Welschland
  und  seine  Schönheit  hinter  deutschem  Wald  und  Berg
und  Tal  zurück.  Nürnberg,  „Auge  und  Ohr  Deutschlands",
Augsburg  und  seine  freundlichen  Straßen  und  Häuser,
selbst  Wittenbergs  Sand  und  Heide,  ein  „rechtes  Schindleich“
  verklären  sich  ihm  in  der  Heimatsliebe.  Eben  aber
weil  er  sein  Vaterland  liebt  mit  echtem  und  heiligem
Ernste,  schreibt  er  an  Hartmut  von  Kronberg  (1522):
„Gott  ist  mein  Zeuge,  daß  ich  in  meinem  Herzen  eine
Angst  und  Lorge  habe,  wo  der  jüngste  Tag  nicht  das  Spiel
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