erkämpfen  wollen,  steht  er  gegen  die  „räuberischen  und
mörderischen  Rotten“  ernstlich  auf.  Er  spricht  gegen  Wucher
und  UÜbersatz,  aber  die  mittelalterliche  Theorie  von  Strafbarkeit
  des  Zinsnehmens  vertritt  er  nicht  immer.  —  Ein
geschworener  Doktor  heiliger  Schrift  und  als  solcher  in
Himmel  und  Hölle  wohl  bekannt,  schämt  er  sich  nicht,  mit
den  Edelsteinen  des  Rurfürstlichen  Schatzes  in  der  Hand
die  Goldschmiede  zu  befragen,  um  das  Gewand  des  Hohenpriesters
  und  die  Edelsteine  der  Offenbarung  recht  deuten
zu  können.  Und  mit  dem  Täfelein,  erzählt  Aurogallus,
geht  er  zu  den  Metzgern  durch  die  Fleischbänke,  daß  sie
ihm  die  alttestamentlichen  Opferstüche  wohl  auslegen.  Ihm
erscheint  es  als  gesündeste  Sozialpolitik,  wenn  jedem
Stand  und  Beruf  —  die  Dreiständetheorie  rührt  kaum
von  ihm  her,  geht  aber  auf  seine  Anschauungen  zurück  —
so  viel  Lebensunterlage  und  Bewegungsfreiheit  gegönnt
wird,  daß  er  seine  Eigenart  zu  gunsten  des  gemeinen
Wesens  entfalten  kann.  Die  Einzelpersönlichkeit  soll  nicht
in  der  Masse  untergehen,  diese  wiederum  nicht  bloß  in
Einzelne  auseinanderfallen,  sondern  der  Einzelne  für  die
Gemeinschaft  sich  ertüchtigen  und  diese  ihn  tragen,  fördern
und  halten.  So  betont  er  Rechte,  so  schärft  er  Pflichten,
greift  jedem  ins  Gewissen,  heißt  den  Fürsten,  den  ersten
Diener  des  Staates  und  den  ärmsten  Knecht,  in  Gott
fürstlicher  Art  sein,  so  heiligt  er  das  Irdische  durchs  Himmlische,
  vergeistigt  und  verflüchtigt  nicht  jenes,  noch  materialisiert
  und  vergröbert  er  dieses.

Der  Mann,  der  dem  päpstlichen  Legaten  guter  Treue
versichern  konnte,  er  würde  den  Papst  (Paul  III.),  wenn
er  nach  Wittenberg  käme,  mit  aller  Ehrerbietung  empfangen
und  ihm  Gehorsam  versprechen,  wenn  er  nur  das  Evangelium
  wollte  predigen  lassen,  in  allen  weltlichen  Dingen
wie  es  Melanchthon  in  seinem  Traktate  1537  weiter  ausführt,
  hat  uns  das  goldene  Wort  hinterlassen  (an  Brenz):
„Man  lasse  Gott  und  den  Kaiser  einen  jeglichen  sein  Reich

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