Tucher'sche  Stiftung  in  St.  Lorenz  zu  Nürnberg  —  als
Mahnung  an  Joh.  8,  12  und  12,  35  gefaßt  werden  will,
warum  sollten  sie  an  heiliger  Stätte  nicht  bleiben  dürfen?
Thrist,  unser  Meister  heiligt  die  Geister:  die  Reformation
schlägt  die  Kunst  nicht  nieder,  so  wenig  Rauchs  betender
Moses  bei  der  Friedenskirche  zu  Sansouci  und  Rietschels
Pieta,  die  Reliefs  und  Apostelgestalten  und  der  ladende
Thristus  in  der  Frauendkirche  zu  Kopenhagen  den  reformatorischen
  Geist  verleugnen.  Gerade  ein  Vergleich
zwischen  dem  Friedensengel  Tenerelli's  über  den  Gräbern
Friedrich  Wilhelms  IV.  und  der  Königin  Elisabeth  mit
Rauchs  Moses  ist  lehrreich.  —  Hat  die  Reformation
nicht  die  Machtgestalt  Pauli  geschaffen,  „nicht  die
dürres  und  mageres  Leibes,  so  eine  kleine,  geringe  Person“
  —  und  gegenüber  der  leichtfertigen  Doré'schen  Kunst
die  heilig  ernsten,  herben  und  doch  trauten  Gestalten  der
Schnorr'schen  Bilderbibel?

Und  wenn  jemand  die  Einfachheit  des  Kultus  und  der
gottesdienstlichen  Feier  beanstanden  wollte,  denke  er  daran,
daß  die  oft  ändernde  und  helfende  Zeit  an  Nebensächlichem
nur  sich  versucht  hat.  Wollten  wir  die  Pracht  der  gottesdienstlichen
  Gewänder  wieder  zurüchführen,  wie  sie
Schweden  in  seinem  Meßkleid  jetzt  noch  hat,  und  einmal
im  Jahre  in  Deutschland  etwa  der  Abt  von  Lokkum  (in
Hannover)  anlegt?  Luther  würde  nichts  dagegen  einzuwenden
  haben,  da  er  launig  erklärt,  seinetwegen  könne
einer  drei  Gewänder  übereinander  anziehen,  wenn  es  ihm
gefalle.  —  In  fränkischen  Landen  hatten  die  Geistlichen,
wie  es  in  Altwürttemberg  noch  heutigen  Tages  gilt,  über
dem  schwarzen  Talar  das  weiße  Chorhemd,  bis  diese
Lande  dem  sparsamen  Preußen  zufielen,  das  1797  wegen
der  Wäscheunkosten  die  Alben  kurzerhand  abschaffte,  nachdem
  Friedrich  Wilhelm  l.  sie  schon  sechzig  Jahre  vorher
in  Berlin  verboten  hatte.  Freilich  ist  Gewand  und  Außeres
unserer  Gottesdienste  bescheiden  und  einfach,  so  daß  man

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