wohl  darauf  achten  muß,  die  Einfachheit  nicht  zur  Unwürdigkeit
  herabsinken  zu  lassen:  Domum  Domini  decet
decorari:  „dem  Gebäu  Gottes  gebühret  Geschmuck.“
Aber  der  beste  Schmuchk  bleiben  unsere  Lieder  und
die  Ubung  des  Bibelwortes.  So  lange  diese  höchste
Zier  und  Kleinodien  erhalten  bleiben,  ist  unser  Gottesdienst
  rein  und  reich.  Luther  ist  der  Vater  des  evangelischen
  Thorals,  seines  Textes  und  seiner  Weise.  Was
aus  dem  Mittelalter  und  seinen  Sequenzen,  seinen  Texten
und  Volksgesängen  ihm  im  Herzen  und  Kopfe  ruhte,  hat
er  dankbar  benützt.  Aber  die  Originalität  seines  Liedes
hat  doch  erst  das  deutsche  Kirchenlied  geboren,  von
dem  jener  Spanier  urteilt,  es  habe  die  Reformation  besser
gefördert  als  viele  Predigten  es  vermochten.  Aus  der
Angst  der  Sünde  und  der  Furcht  des  Todes,  da  hier
und  dort  die  Tiefen  sich  auftaten,  auf  Höhen  der  Gnade
machtvoll  hindurchgerettet,  hat  Luther  alles,  was  das
Herz  erschüttert,  bewegt,  erquickt,  Höllentiefen  und  Himmelsfreuden,
  Feindesschrechen  und  Siegesfreude  im  Lied  ausklingen
  lassen,  das  gebetet  werden  kann,  erlebt  werden
muß,  gesungen  werden  will,  bis  man  sein  nimmer  vergessen
  kann.  Der  verlorene  Sohn  in  der  Fremde,  als
welcher  der  Deutsche  so  oft  in  fernen  Landen  sich  zeigt,
weiß  kein  Gebet,  keinen  ÖSpruch,  keinen  Klang  der
Heimatskirche  mehr,  da  trifft  ihn  die  mächtige  Melodie:
„Ein  feste  Burg  ist  unser  Gott“  —  ja,  die  kennt  er  noch,
vom  Erbe  ist  noch  etwas  ihm  geblieben.  Ich  habe  vor
Jahren  in  der  Domkirche  zu  Upsala  das  „Jesajas,  dem
Propheten  das  geschah“  vom  Stochholmer  Kirchenchor
mit  Zinken  und  Posaunen,  und  dann  das  „Verzage  nicht
du  Häuflein  klein,“  das  Schwedenlied  von  Lützen  von  ihm
und  der  ganzen  Festgemeinde  singen  hören.  Das  waren
Klänge  aus  der  Ewigkeit,  fast  zu  gewaltig  für  die  Zeit,
aber  wahr  und  treu  genug,  um  sie  vergessen  zu  machen.  Von
Luther  bis  zu  Paulus  Gerhardt  welch  eine  edle  Schar  von

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