der  musica  sacra  auf  den  Plan  gebracht.  Zu  Prätorius
und  Haßler,  zu  Johann  Senffl  und  Krüger  kommen  die
hohen,  gewaltigen  Helden,  Händel  und  Bach,  Mendelssohn-Bartholdy
  und  Brahms.  Um  den  lutherischen  Choral
ranken  sich  ihre  Kantaten  und  Oratorien,  ihre  Klänge
und  Rhythmen  steigen  wie  Fülle  und  Kraft  von  Blättern
und  Blüten  an  dem  Stamme  des  Chorals  empor.  Das
„Tochter  Zion,  freue  dich"  am  Advent,  das  „Mein
gläubiges  Herze  frohloche,“  Weihnachtslied  und  Passionsmusik,
  Osterfreude  und  Pfingstjubel,  das  Lied  „Herzlich
lieb  hab'  ich  dich"  —  in  der  Johannespassion  Bach's,
das:  „Nun  laßt  uns  den  Leib  begraben“  —  im  deutschen
Requiem  —  Totenklage  und  Auferstehungspreis:  „Gott,
ich  will  dir  ein  feines  Lied  singen,  ich  will'—s  wohl  machen
auf  der  Harfe  mit  Schalle."“

Wenn  aber  der  Choral  ehrfürchtig  schweigt,  tut  die
Kirche  Luthers  das  Bibelbuch  aufs,  dessen  Verdeutschung
dreizehn  Jahre  seines  teueren  Lebens  gefordert  hat.
Wie  baut  er  den  Heiligen  Alten  Bundes,  daß  man  ihnen
durch  den  Psalter  ins  Herz  sehe  (Vorw.  zum  Psalter),
den  lieben  Propheten  allen  eine  Hütte  auf  deutscher  Erde,
die  hehrste  aber  und  herrlichste  ihrem  und  seinem  Herrn!
(Matth.  17,  4).  Und  zum  Dank  heben  sie  an,  deutsch
zu  denken,  deutsch  zu  reden.  In  seiner  Schrift  vom
Dolmetschen  hat  es  uns  Luther  an  etlichen  Beispielen
verraten,  wie  er  die  liebe  Biblia  in  deutsche  Klänge  goß.
„Du  liebe  (Kecharitoméne  Luk.  1,  25)  Maria“  —  voll
der  Gnaden  sei  undeutsch  —  du  „Holdselige,“  reich
an  Huld  (sal:  in  Salbuch,  das  Verzeichnis  der  Landgüter),
  gnadenreich.  —  das  Bauerndeutsch,  die  Volkssprache,
  der  Ton,  der  vom  Herzen  her  das  Herz  trifft,
das  Öprichwort,  die  bräuchliche  Redensart,  der  Feierklang,
  der  Betspruch,  der  Kindervers  —  sie  alle  müssen
beitragen,  damit  aus  den  ewigen  Hütten  unfre  Sprache
ertöne.

42