Und  Worte,  aller  Müden  Labe,

Die  fern  des  Heilands  Lippe  sprach,
Die  sprach  der  blonde  deutsche  Knabe
Im  Schoße  seiner  Mutter  nach  —

singt  Felix  Dahn  im  Lobe  der  deutschen  Sprache.  Andere
stammelten,  er  redete,  sprachbeherrschend,  sprachver—
neuend,  ein  König  der  Worte,  karg,  knapp,  kurz,  dann
wieder  überströmend,  auch  in  den  —  nachweislichen  —
Fehlern  der  Übersetzung  inspiriert,  wie  Löhe  einmal  sagt.
So  hat  er  uns  die  Bibel  in  die  Hand,  ans  Herz  gelegt.
Sie  ist  von  Gottes  Herzen  gegangen,  hat  Luther  das
Herz  gewonnen  und  gerührt.  Und  so  oft  wir  sie  aufschlagen
  und  von  ihrem  Wohllaut  der  Sprache  so  wenig
uns  trennen  hönnen  als  von  dem  heiligen  und  seligen
Gottesgeiste  in  ihr,  danken  wir  dem  Vater  aller  Geister
für  diese  Großtat  Martin  Luthers,  der  uns  das  Herz
weich  und  die  Sprache  so  froh  gemacht  hat.  Man  nehme
aus  dem  Sprachgut  der  Deutschen  den  Bibelschatz,  aus
seiner  Redeweise  das  Luthersalz  —  und  man  müßte  das
bekannte  Urteil  des  Abenteurers  in  Lessings  Minna  von
Barnhelm  über  sie  fällen!  „Luther,  deutscher  Sprachverbesserer"“
  heißt  es,  wenig  deutsch,  im  Katalog  der  Walhalla,
  in  die  er  spät  genug  seinen  Einzug  gehalten  hat.
Nein,  Neuschöpfer  der  deutschen  Sprache.  Pectus  facit
disertos,  sagt  der  alte  Lehrer.  Weil  sein  Herz  so  froh
der  Gnade  und  des  Reichtums  in  Lob  überging,  darum
hat  er  so  zu  uns  geredet  und  im  Glauben  redet  er  noch,
wiewohl  er  gestorben  ist  (Hebr.  11,  4).  Über  das  offene
Bibelbuch,  an  die  Seite  des  hehren  Gottesgartens,  „voll
Blust  und  Lieblichkeit“  stellt  er  die  „Laienbiblia,“  den
Garten  für  Kinder  und  Schüler,  den  kleinen  Katechismus,
dessen  Lob  nicht  nur  Theologen,  sondern  Meister  der  Geschichte
  und  des  Stils,  Ranke  und  Wachernagel,  Dichter
und  Denker  singen  und  nur  der  Unverstand,  der  nicht
denken  will  und  die  Uberklugheit,  die  nimmer  denken

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