kann,  gröblich  verringern.  Sein  größtes  Lob  aber  bleibt,
daß  man  ihn  beten  kann  mit  Kranken  und  Sterbenden,
die  Auslegung  des  2.  Artikels,  der  5.  Bitte,  bis  in  der
letzten  Stunde  das  „mit  Gnaden  aus  diesem  Jammertal
zu  dir  in  den  Himmel!“  die  müde  Seele  heimwärts  geleitet,
  welche  Er  zum  Frieden  erlöst  hat.  Ein  Lehrbuch,
das  man  beten,  ein  Betbuch,  das  man  lernen,  ein  Volksbuch,
  das  man  nie  ausgründen  kann  von  Geistlichem  und
Weltlichem,  von  Geschichte  und  Dichtung  erläutert  —  das
ist  Luthers  kleiner  Katechismus.  „Selig  die  Hände,  die
dieses  Buch  geschrieben  haben.“

Darum  haben  wir  Luther  lieb,  weil  er  so  viel  in
die  Kirche  gestiftet  und  das  Gotteshaus  heimlich  gemacht
hat,  weil  er  die  Ochule  weihte  und  das  Haus  schmüchte,
das  Vaterland  lieb  und  sein  Gesetz  und  Brauch  wert
machte.  Er  hat  seinem  Volk  in  Jahrzehnten  gegeben,
was  Jahrhunderte  ihm  versagt  hatten,  hat  es  beichten
gelehrt  und  zur  Gnade  geführt,  die  Sünde  ernst,  aber  die
Gnade  viel  größer  und  trauter  gepredigt,  das  liebe  heilige
Kreuz  ihm  als  köstliche  Reliquie  verehrt  und  die  Hoffarbe
des  Kreuzes  in  lichte  Freude  vertklärt.

Wo  die  Sonne  so  reich  und  herrlich  leuchtet,  muß  der
Schatten  sein,  um  ihren  Glanz  erst  recht  erkennen  zu  lassen,
Heroen  der  Gnaden  müssen  Schwächen  haben,  damit  sie
sich  nicht  überheben.  Wir  kennen  Beinen  heiligen  Luther,
keinen  fünfzehnten  Nothelfer,  obgleich  erzuns,  mit  Dürer
zu  reden,  aus  großer  Not  geholfen  hat  und  sein  Leben
größer,  edler,  frömmer  war,  als  das  „manches  stolzen
Heiligen.“  Wir  wissen  von  seiner  ungestümen  Heftigheit  —
und  doch  hatte  er  keinen  persönlichen  Feind  —,  wir  wenden
uns  mit  Unlust  von  mancher  derben,  ja  unzarten  Wendung,
aber  zweideutige  Schlüpfrigkeiten  und  eindeutige  Zoten,
wie  bei  Enea  Silvio,  dem  späteren  Pius  ll.,  finden  wir
nicht  bei  ihm.  Er  ist  manchmal  zu  gewaltig,  ja  vermessen.
Aber  er  ist  nie  hochfärtig,  sondern  von  Herzen  demütig.

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