alles,  nichts  aus  Büchern  lerne,  mit  freiem  Auge  die  Dinge
sich  ansehe  und  mit  klarem  Sinn  sehe  und  erfasse,  wie  sie
sind,  nicht  mit  gefärbten  Brillen  sich  etwas  vorzeichne,
was  nur  in  der  Phantasie  bestehe  und  nur  so  lange
währe,  als  diese  vorhält.  Es  ist  darum  auch  eines  Bismarchs
  Ehrentitel,  daß  er  „Bauernverstand“  gehabt  habe,
der  mit  gesundem  Mißtrauen  das  Neue  betrachtet  und
mit  sicherer  Hand  seine  Tauglichkeit  erprobt.  Aber  der
schönste  Zug  dieses  Bauernverstandes  ist  doch  das  „durch
Dich  und  Dünn“  für  einmal  Erprobtes  und  Liebgewordenes.

Bauern  sind  scharfe  Beobachter  und  Leute  von  wenig
Worten.  Aber  in  ihren  Worten  wohnt  die  Wahrheit  für
die  Wirtklichheit,  und  der  rechte  Ton  trifft  jeweils  die
Sache.  Wer  so  reden  kann,  daß  man  ihm  unwillhkürlich
beifällt  und  die  Begriffe  so  plastisch  darstellt,  daß  sie
Fleisch  und  Blut  erhalten  und  als  Persönlichkeiten  vor
uns  stehen,  der  hat  das  Ohr  und  Herz  des  Volkes.

Ob  nun  Bismarch  spricht  oder  schreibt,  im  Reichstage
Worte  prägt,  die  bald  zu  den  „geflügelten“  gehören  —
das  bekannte  „Wir  fürchten  Gott  und  sonst  nichts  in  der
Welt“  ist  von  ihm  an-,  nicht  eingeführt  —,  ob  er  in
seinen  Berichten  gegen  Zwangsenteignung  von  dem  Staate
spricht,  der  „bald  im  Schlafroch,  Pantoffeln  und  Schreibärmeln
  über  die  Felder  schleicht,  bald  als  Junker  Dampf
über  die  Täler  hinbraust,  der  seines  Vaters  Park  in
einen  See  und  das  Grab  der  seligen  Tante  in  einen
Aalsumpf  verwandeln  wolle",  ob  er  mit  unnachahmlicher
Feinheit  Gortschakoff,  den  russischen  Staatsmann  zeichnet,
den  die  Reichshunde  anfallen  —  und  „er  kam  doch  in
den  besten  Absichten!“  der  so  eitel  war,  daß  er  in  jeder
Regenlache  sein  Bild  besah  und  von  seinen  Sekretären
bewundernde  Blicke  verlangte,  dabei  so  gierig,  daß  „er
um  eine  goldene  Dose  mit  großen  guten  Steinen  bat“,
immer  steht  ihm  das  rechte  Wort  zu  Diensten,  das  kurz
und  schlagend,  oft  vielleicht  schonungslos  —  denn  zu  hassen
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