wahrnehmen  und  dessen  untrügliches  Urteil  von  Schatten
spricht,  wo  die  Welt  eitel  Licht  wahrnimmt  und  wähnt.

Es  ist  nachgerade  Brauch  und  zur  Unart  geworden,
jeden  auf  seine  Stellung  zu  Gott  und  den  höchsten  Fragen
nach  äußerlichen  Kriterien  zu  prüfen  und  etwa  mit  etlichen
religiösen  Außerungen,  die  obendrein  aus  dem  Zusammen—
hang  gerissen  sind,  Verteidigung  der  christlichen  Wahrheit
zu  treiben,  als  ob  diese  menschlicher  Stützen  bedürfte  und
Anleihen  bei  der  Anerkennung  der  Erde  zu  machen
hätte!  Das  Christliche  an  Goethe,  die  Religion  Schillers,
Alex.  von  Humboldts  Stellung  zum  Christentum  —  so
schießen  die  Schriften  empor,  und  so  wird  auch  Bismarchs
Stellung  zur  Kirche  behandelt.

Wir  sehen  nicht  in  das  Verborgene  und  was  vor
aller  Augen  lag,  sprach  nicht  für  Bismarchs  äußerliche
Kirchlichkeit,  für  deren  Mangel  er  Erklärung  wußte  und
Entschuldigung  suchte.  Daß  er  ein  Gebetsleben  führte
und  in  den  Losungen  der  Brüdergemeinde  Erbauung  fand,
die  reichen  Wirklichkeiten  der  Gnade  Christi  gläubig
erfaßte  und  von  der  Erbarmung  sich  getragen  bekannte,
der  Halbheit  Feind  und  der  Verflachung  und  Umdeutung
des  Gotteswortes  abhold  war,  darf  aus  dem  Leben
eines  Mannes  bezeugt  werden,  der  öffentlich  bekannte,
daß  an  dem  Felsen  Christi  das  Narrenschiff  der  Zeit
scheitern  werde  und  das  Leben  nicht  der  Rede  und  Mühe
wert  sei,  wenn  es  nicht  auf  Gott  angelegt  sei.  Von  der
Vergebung  getragen,  welche  die  Torheit  und  Missetat
bedeckt,  hat  der  Fürst  den  Einsegnungsspruch,  den  ihm
Schleiermacher  in  der  alten  Dreifaltigkheitskirche  aus
Col.  3,  23  mitgab,  innerlich  befolgt  und  dem  Herrn,  von
dem  er  sich  abhängig  wußte  und  bekannte,  dienen  wollen.  In
trinitate  robur,  „meine  Kraft  in  dem  dreieinigen  Gott“  war
ihm  nicht  nur  Wahrspruch  des  Wappens,  sondern  des  Lebens.

Und  ein  Wort  soll  ihm  in  diesen  Tagen,  da  der
Glaube  der  Christenheit  als  überaltet  und  seine  Bekenner

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