50  Ueber  die  vertragsmäßig  bedungenen  Folgen  des  Verzugs.

tor  numeraret  et  hortos  acciperet.  Quaeritur,
  cum  ante  calendas  Apriles  non  omne
retium  cum  usuris  a  Lucio  Titio  Sejae  soutum
  sit,  interposito  tamen  modico  tempore
  reliquum  pretium  cum  usuris  Sejae
itius  solvere  paratus  fuerit,  neque  Seja  accipere
  voluit  et  usque  in  hodiernum  ben  Titium
  non  stet,  quominus  reliquum  solveret:
an,  si  nibilominus  Licius  Titius  Sejae  universam
  pecuniam  solvere  paratus  sit,  ex  sti-Pulatu
  agere  possit?  Respondit  posse,  si
non  multo  post  obtulisset  nec  mulieris  quicqduam
  propter  eam  moram  interesset:  quod
Oomne  ad  judicis  cognitionem  remittendum  est.
Diese  Stelle  hat  in  der  Literatur  eine  verschiedene
  Auslegung  gefunden.  Madai  (die  Lehre
von  der  Mora  S.  118  u.  145)  erblickte  hierin  nur
eine  Anwendung  der  Grundsätze  über  die  gesetzlichen
Folgen  der  Mora.  Mommsen  (a.  a.  O.  S.  86)
war  dagegen  der  Ansicht,  es  handle  sich  in  dieser
Stelle  um  die  Beurtheilung  der  Wirkungen  eines
bedingten  Vertrages.  Der  letzteren  Auslegung
steht  jedoch  der  Wortlaut  der  Stelle  geradezu  entgegen.
  Seja  hatte  hienach  im  Auftrage  des  Titius
Gärten  gekauft  und  solche  demselben  noch  nicht  herausgegeben,
  —  wahrscheinlich,  um  sich  durch  deren
Zurückbehaltung  den  Anspruch  auf  Ersatz  des  Kaufpreises
  zu  sichern.  Sie  schloß  nun  mit  dem  Titius
einen  Vertrag,  worin  sie  sich  verbindlich  machte,  ihm
das  Eigenthum  an  den  Gärten  gegen  Zahlung  des
ganzen  Kaufpreises  sammt  Zinsen  zu  übertragen.
Diese  Verbindlichkeit  der  Seja  ist  aber  nicht  von
der  Zahlung  des  Preises  und  der  Zinsen  als  Bedingung
  abhängig  gemacht.  Denn  es  heißt  nicht:
si,  sondern:  cum  pretium  omne  cum  usuris
ab  eo  recepisset.  Der  Empfang  des  Kaufpreises
und  der  Zinsen  hatte  also  für  die  Tradition  der
Gärten  nur  die  Bedeutung  einer  Zeitbestimmung.