
40 Zu Theil I Abschn. 5 des RStGB. 
1. c. Bd. XII S. 245 enthaltenen Entscheidung 
des pr. Obertribnnals v. 4. Mai 1871, wornach 
die Lustdirne, welche für den Beischlaf wissentlich 
sich mit gestohlenem Gelde bezahlen ließ, nach §. 259 
und daneben selbstständig noch nach S. 361 Ziff. 6 
d. RStGB., sonach wegen zweier selbstständiger 
Delikte, verurtheilt wurde, obwohl dieselben nur durch 
Ein zusammenhängendes und in sich abgeschlossenes 
Handeln entstanden sind. — 
Anderer Meinung ist Oppenhoff: das StGB. 
f. d. d. Reich, III. Ausg. S. 164 Note 3, wäh- 
rend sich Schwarze zwar a. a. O. S. 296 dahin 
ausspricht, daß aus Einer Handlung nur Ein De- 
likt entspringe, (wobei es freilich immer noch dar- 
auf ankommt, was man unter „Einer“ Handlung 
im Sinne des Gesetzes zu verstehen habe,) jedoch 
auch einräumt, daß das Wort „selbstständig“ nicht 
als das Kennzeichen der äußeren Erscheinung, die 
zeitliche Trennung der verschiedenen Handlungen 
aufzufassen sei, ferner sowohl in seinem Kommentare 
S. 294 und S. 495 als auch in Goltd. A. Bd. 
VIII S. 348 sogar ausdrücklich zugibt, daß durch 
dieselbe Aeußerung, also aus Einer Thätigkeit, drei 
verschiedene Vergehen der Beleidigung entstehen kön- 
nen und dasselbe im gedachten Kommentare S. 294 
hinsichtlich der Körperverletzung wenigstens als zwei- 
felhaft erachtet. — 
Vgl. auch Rüdorff J. c. S. 220 und 221 
N. 6; dann Urtheile des preuß. Obertr. v. 16. Mai 
1860 (Goltd. A. VIII, 558), v. 23. Okt. 1872 
(Stengl. XII, 106), v. 20. März 1873 (Stengl. 
XII, 261), v. 29. März 1873 (Goltd. A. XXI, 
439), v. 17. Mai 1873 (Stengl. XIII, 59), v. 
22. Dez. 1873 (Stengl. XIII, 289), v. 29. April 
1875 (Goltd. A. XXIII, 321), Plenum d. pr. 
Obertr. v. 29. Okt. 1855 (Goltd. A. III, 753),