264  Oberstrichterliche  Entscheidungen.

verlautbart  worden,  nur  als  auf  die  Dauer  eines
Jahres  abgeschlossen  gelte.

Nach  den  gepflogenen  Verhandlungen  und  erlassenen
  Urtheilen  hat  sich  die  unter  den  Parteien
bestrittene  Frage  über  die  Beendigung  des  Pachtverhältnisses
  mit  Ablauf  eines  Jahres  wegen  Mangels
einer  öffentlichen  Urkunde  über  den  Abschluß  des
Pachtvertrages  zu  einer  Frage  darüber  erweitert,
ob  die  betreffende  Bestimmung  des  Landrechts  dermalen
  überhaupt  noch  in  Geltung  sei.

Die  angeführte  Gesetzesbestimmung,  welche  nach
Kreittmayrs  Annot.  hiezu  sub  lit,  e  dem  alten
bayer.  Landrechte  von  1616  entnommen  ist,  wurde
durch  früher  über  die  Begründung  des  dominium  utile
im  bäuerlichen  Verhältnisse  mehrfach  entstandene
Streitigkeiten  veranlaßt.  Letzteres  Landrecht  handelt
in  seinem  Titel  XXI  von  der  Grundherrngerechtigkeit
  zu  ihren  Gütern  und  der  Bauleut  Erbrecht  und
Leibgeding.

Baron  Schmidt  sagt  in  seinem  Komm.  zu  Art.  1
dieses  Titels.  „Juxta  inscriptionem  bujus  tituli
habemus  hic  materiam  subditorum,  id  est  de
juribus  emphyteuticis,  vitaliciis  et  alüs  speciebus,
  quae  magis  ex  consuetudine,  moribus  et
observantia  patriae,  quam  ex  jure  communi
addiscenda  et  interpretanda  sunt.  De  quibus
ad  singulos  articulos  ea  dicemus,  duae  quadragenario
  usu  observavimus.“  Zu  Art.  2  ib.
bemerkt  derselbe:  „in  hoc  et  sequentibus  articulis
  nulla  amplius  de  administratoribus  mentio
fit  sed  simplicilter  agitur  de  juribus  subditorum
et  colonorum,  Bauleut,  Mayr  oder  Unterthanen
Gerechtigkeiten  und  Befugnissen.“

Der  UArt.  3  des  Gesetzes  besagt  nun  Folgendes:
Welcher  Mayr  auf  einem  Gute  sitzt,  daß  er  einem
Herrn  verdienen  muß  und  vermeint  auf  dem  Gut
Erbrecht  oder  Leibgeding  zu  haben,  das  soll  der