Rechte  d.  Vaters  am  regulären  Abventizgute  d.  Hauskindes.  71

Glück's  Kommentar  Band  XIV  Seite  369.)  Was  er
vermag,  muß  er  daher  zunächst  selbst  leisten.  Vermag
er  aber  nicht  Alles,  was  vernünftiger  Weise  als  nöthig
erachtet  werden  muß,  so  ist  es  keineswegs  an  dem,  daß
der  Erhaltung  des  adventizischen  Kapitalstockes  jede  andere
Rücksicht  weichen  müsse.

Was  zunächst  die  Erziehung  des  Kindes  anlangt,
so  lautet  freilich  der  nüchterne  Bescheid,  welchen  Doktrin
und  Praxis  geben,  in  der  Regel  dahin,  daß  die  Erziehung
sich  nach  den  Mitteln,  nicht  die  Mittel  nach  den  Wünschen
richten  müssen.  (Vgl.  Seuffert's  Pand.  8  499  mit
Seuff.  Archiv  Bd.  IX  S.  190,  306;  Bd.  XII  S.  46,  169.)
Wie  aber,  wenn  der  Vater  anfänglich  wohlhabend  war  und
plötzlich,  ehe  die  mit  seinen  ursprünglichen  Mitteln  völlig
im  Einklange  stehende  wissenschaftliche  oder  künstlerische
Ausbildung  des  Kindes  gänzlich  vollendet  ist,  verarmt
und  außer  Stand  gesetzt  wird,  die  Erziehungsausgaben
aus  den  bloßen  Renten  des  Adventizvermögens  des
Kindes  zu  bestreiten?  Soll  das  Kind  in  einem  solchen
Falle  die  betretene  Laufbahn  verlassen  und  einen  Beruf
niederer  Art  ergreifen,  der  es  weder  befriedigt,  noch  auch
so  gewinnbringend  wäre,  wie  der  erstere?  Das  würde
aller  Vernunft  widerstreiten.

Wie  aber  auch  dann,  wenn  der  Vater  nicht  vom
Anfang  an  vermöglich  war,  vielmehr  nur  ein  angefallenes
Adventizgut  seines  talentvollen  und  lernbegierigen  Kindes
ihn  in  den  Stand  setzen  würde,  diesem  eine  bessere  Erziehung
  angedeihen  zu  lassen?  Soll  hier  unter  allen  Umständen
  die  Substanz  des  adventizischen  Vermögens  erhalten.
  und  dem  zufolge  auf  bessere  Erziehung,  sowie
auf  eine  künftige  bessere,  zugleich  aber  sogar  gewinnreichere
  Lebensstellung  des  Kindes  verzichtet  werden?
Man  wird  sicher  auch  dieß  verneinen  müssen.  Suprema
lex  utilitas  pupillorum!  Darum  wird  überall  eine  billige
Erwägung  aller  Umstände  Platz  greifen  und  schließlich