Exerzieren  —  Exerzierreglement.

Die  Ablenkung  des  Geschosses  ausder  Flugbahn
  erfolgt  nach  der  Seite,  auf  welcher
der  Schwerpunkt  beim  Abfeuern  des  Geschützes
  lag.  Um  nun  die  Abweichungen
in  die  Schußebene  zu  legen,  muß  auch  die
Schwerachse  des  Geschosses  in  dieselbe
fallen.  Zu  deren  Ermittelung  werden  die
Bomben  in  Quecksilber  gelegt  (gepolt),
wobei  sie  sich,  dem  Gesetz  der  Schwere  folgend,
  so  legen,  daß  die  Schwerachse  senkrecht,
  der  leichte  Pol  oben  steht.  Legt  man
uun  einen  um  90°  vom  Leichtpol  entfernten
  Punkt  des  Geschosses  in  die  Seelenachse
  und  den  Leichtpol  senkrecht  darüber,
so  erfolgt  eine  Ablenkung  nach  unten
(Verkü  czung  ,  senkrecht  darunter  gelegt,
  eine  Ablenkung  nach  oben  (Verlängerung)
  der  Schußweite.  Bei  Langgeschossen
  hat  die  E.,  wie  Versuche  erwichen.
keinen  Einfluß  auf  die  Trefffähigkeit.
Exerzieren,  das  Einüben  der  Truppen
im  Gebrauch  der  Waffen  u.  in  den  taktischen
Formen.  Es  beginnt  mit  der  Einzelausildung
  des  Mannes,  dem  sogen.  Detailererzieren,
  und  erst  nachdein  der  Mann
für  sich  allein  genügende  Sicherheit  im  Gebrauch
  der  Wasse  und  in  den  Bewegungen
erlangt  hat,  beginnt  das  E.  in  Trupps,
der  Kompanie  und  größern  Truppenkörpern.
  Die  größten  Truppenkörper,  in  denen
  gemeinsame  Formen  ererziert  werden,
sind  die  Brigaden,  bei  der  Artillerie  das
Regiment.  Das  C.  findet  auf  ebenem  Platz,
dem  Ererzierplatz,  oder  bei  schlechtem
Wetter  im  Exerzierhaus  ohne  Rücksicht
  auf  das  Terrain  statt;  es  bildet  die
Grundlage  für  die  Verwendung  der  Truppen
  im  Gefecht,  insofern  das  gründlich
und  energisch  durchgeführte,  strasse  E.
eine  Hauptstütze  für  die  Disciplin  bildet,
anderseits  dem  Mann  die  Ausübung  des
Waffengebrauchs  und  der  Bewegungen
zu  einer  gewohnbeitsgemäßen  Fertigkeit
macht,  die  er  auch  dann  noch  mehr  oder
weniger  mechanisch  ausführt,  wenn  das
Gesecht  die  Ruhe  der  überlegung  beschräukt
und  seine  Aufmerksamkeit  von  dem  Formellen,
  wie  von  einer  klar  bewußten
Auffassung  der  gegebenen  Kommandos,
abzieht.  Zu  allen  Zeiten  ist  von  den  größten
  Heerführern  großer  Wert  auf  strenge
Ausbildung  im  E.  gelegt  worden  so  von

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den  Spartanern  wie  den  Römern.  Im
Mittelalter  wurde  gar  nicht  ererziert,  es
begann  erst  wieder  mit  Einführung  der
Schenden  Soldheere;  die  ersten  Regenten,
die  das  C.  wieder  einführten,  waren  Karl
der  Kühne  von  Burgund  (um  1470)  und
bald  darauf  Ludwig  XI.  von  Frankreich;  in
späterer  Zeit  Gustav  Adolf,  Friedrich  d.  Gr.
und  Napoleon  I.  In  neuerer  Zeit  ist  das
E.,  d.  h.  das  Üben  taktischer  Formen  und
Bewegungen,  auf  beliebigem  Boden  (aeim
Terraiu«)  in  Aufnahme  gekommen,  wobei
den  Übungen  eine  Gefechtsidee  zu  Grunde
gelegt  wird;  hierbei  bleibt  die  Einübung
der  Formen  immer  Hauptzweck.  Werden
diese  Fertigkeiten  bnbonsgesee  und  bilden
sie  nur  die  Mittel  zum  Zweck,  den  Gegner
  zu  schlagen,  §“  werden  sie  Felddienstübungen
  oder  Manöver  (.  d.)
genannt.  Währeud  beim  E.  die  Übung
der  Truppen  Hauptzweck  ist,  tritt  beim
Mansorieren  die  Übung  der  Führer  in
der  Handhabung  der  Truppen  unter  Berächsehtigungm
  des  Terrains  und  der  gegebenen
  Kriegslage  in  den  Vordergrund;
den  Übergang  von  einem  zum  andern
bildet  das  E.  im  Terrain.
Exerzierlager,  Lager  zum  Zweck  des
Ererzierens.  Wo  Erxerzierplätze  für  die
Übungen  größerer  Truppenkörper  nicht
vorhanden  sind  (Italien)  oder  Regimenter
  in  vielen  kleinen  Orten  zerstreut  garnisonieren
  (Rußland),  werden  sie  in
Ererzierlagern  zusammengezogen.  Die
Übungslager  in  Deutschland  haben  einen
andern  Charakter,  obgleich  auch  in  ihnen
ererziert  wird;  s.  ba  ger.
Exerziermeister-Geschützkommandeur),
  s.  Artillerieschiff.
Exerzierpatrone  wird  in  manchen
Ländern  die  mit  Pulver  gefüllte  Patrone
ohne  Geschoß,  in  Deusschlan  Platzpatrone,
  genannt;  in  Deutschland  ist
die  E.  der  scharfen  Patrone  im  Außern
ähnlich,  aber  ohne  Ladung  und  Geschoß
und  wird  nur  bei  den  Ladeübungen  mit
dem  Gewehr  verwendet.
Exerzierplatz,  s.  Exerzieren.
Exerzierreglement  (spr.-mangh),  die  für
alles  Exerzieren  bindende  Vorschrift,  durch
welche  alle  Kommandos  und  die  daraufhin
  auszuführenden  Bewegungen,  vom