Festung  (Entwickelung  der  verschiedenen  Systeme).

Art  Rondengang,  entstand.  Bei  Neubauten
  änderte  man  jedoch  Grundriß  wie
Profil.  Vor  den  9—11  m  hohen  Mauern
wurde  jetzt  grundsätzlich  ein  Graben  ausgehoben,
  der  sie  der  Sicht  aus  der  Ferne
zum  Teil  entzog  und  so  das  Breschieren
erschwerte;  die  Türme  wurden  zu  Rundellen
  erweitert  und,  den  Schußweiten
entsprechend,  mit  375—450  m  Abstand
angelegt  Aus  den  Rundellen  entstanden
Ende  15.  Jahrh.  die  eckigen  Bastione,
zuerst  von  Martini  au  FTihr:  wischen
je  zwei  Bastionen  tauchte,  zur  Deckung
des  Thoreingangs,  ein  kleines  Werk
Cmoineaue,  das  spätere  Ravelin)  auf.
Entwickelung  der  verschiedenen  Systeme.

Aus  diesen  Anfängen  entwickelte  sich  zu
Beginn  des  16.  Jahrh.  in  Oberitalien,
wo  fast  jede  Stadt  eine  F.  war,  das  eigentliche
  Bastionärtrace  durch  Micheli,  der
im  Jahr  1527  eckige  Bastione  baute,  Tartaglia,
  der  1538  in  Turin  den  gedeckten
We  (s.  d.)  hinzufügte,  Cataneo,  der  ihn
1570  mit  Waffenplätzen  versah.  Aus
diesem  System  mit  sehr  langen  Kurtinen,
kleinen  Bastionen,  kurzen,  zur  Kurtine
senkrech  stehenden  Flanken,  der  altitalienischen
  Manier,  entstand  nach  1550
die  neuitalienische  Manier  mit
spitzern  Bastionen,  deren  Feuer  sich  vor
den  Kurtinen  kreuzte,  und  deren  Facen
durch  Nebenflanken,  die  den  Flanken
unächst  liegenden  Teile  der  Kurtinen,
ankiert  wurden.  Vor  den  Bastionen
lagen  schon  Tenaillons  und  Kontregarden,
  vor  den  Kurtinen  das  »ravellino-.
  Hiernach  baute  1568—78  Chiara-=mella
  die  Citadelle  von  Spandau.  —  In
Deutschland  wurde  das  System  Dürers
für  die  spätern  Mauerbauten  von  großer
Bedeutung,  obgleich  seine  kreisrunden,
kasemattierten  Festungen  keine  zeitgenössische
  Nachfolge  fanden.  Größer  wurde  der
Einfluß  Speckles,  welcher  geräumige

Bastione  mit  zur  Defenslinie  senkrecht  K

stehenden  Flanken,  Stockwerksflanken  mit
Kasematten  und  kasemattierten  Gallerien
zur  niedern  Grabenbestreichung,  den  gedeckten
  Weg  en  crémaillere  mit  eingehenden
  Wassenplätzen,  Perpendikularkasematten
  mit  Rondengängen  konstruierte  und
halbe  Futtermauern  anwendete,  um  sie

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dem  direkten  Schuß  zu  entziehen.  Er  baute
Ingolstadt,  Basel,  Straßbing,  Lucenan,
Ulm:c.  —  Ein  eigenartiges  Befestigungsspstem
  entwickelte  sich  unter  den  drängenden
  Verhältnissen  des  Befreiungskriegs
pa  Anfang  des  17.  Jahrh.  in  den  Rieberanden
  unter  naturgemäßer  Benntzung
des  nahe  unter  der  Erdoberfläche  liegenden
Grundwasserlpiegels.  Es  mußee  schnell
und  billig  gebaut  werden.  So  entstand
die  ältere  niederländische  Befestigungsmanier
  von  Freytag,  durch
niedrigen  Hauptwall  mit  breitem  nassen
Graben,  zu  dessen  niederer  Bestreichung
die  Faussebraye  diente,  wie  durch  den
gänzlichen  Mangel  bombensichrer  Räume
charakterisiert.  Die  Lefestigengvon  Pillau
und  Knigeberg  wurde  1626,  die  von  Kolberg
  und  Minden  1650  hiernach  begonnen.
Von  1658  an  beginnt  Vaubans
Thätigkeit  als  Festungsbaumeister,  dessen
Prinzipien  in  Frankreich  bis  1870  als
maßgebend  für  den  Festungsbau  angesehen
  wurden,  obgleich  er  nichts  Neues  erfand,
  sondern  nur  das  Vorhandene  zweckmäßig
  zusammenstellte  und  in  genialer
Weise  die  Grundformen  dem  Terrain  anzupassen
  verstand,  wobei  er  das  Schematische
  gänzlich  verwarf.  Die  ihm  zugeschriebenen
  drei  Systeme  zeigen,  wie  er
vorhandene  Mängel  erkannte  und  zu  beseitigen
  suchte.  Den  Linien  der  Bastione
gab  er  zweckmäßige  Verhältnisse  zu  einander,
  so  daß  die  Aufstellung  einer  größern
Geschützzahl  jur  Frontal=  und  Fernverteidigung
  möglich  wurde;  die  Grabenflankierung
  fand  indes  vom  hohen  Wall
aus  statt.  Zur  Ermöglichung  einer  abschnittsweisen
  Verteidigung  trennte  er  die
Bastione  schließlich  vom  Hauptwall  und
erbaute  kasemattierte  Reduits  hinter  ihrer
Kehle,  welche  sich  aber  nicht  bewährten.
Mängel  blieben:  ungenügende  Deckung
der  Eskarpenmanern,  das  Fehlen  von
sematten,  bombensichern  Räumen  und
Abschnitten,  die  Beschränkung  des  Verteidigers
  in  Ausfällen.  —  Coehoorn  entwikkelteein
  starkes  Abschnittssystem  durch  Anlage
  vieler  Außenwerke,  Kontregarden,  innerer
  und  äußerer  Raveline,  Bastione  mit
Zwischengraben,  durch  doppelte  Flanken
und  Orillontürme  (Reduits),  deckte  das

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