Festung  (preußische  Befestigungsmanieren).

größere  nr  befestigt.  Die  Hauptumwallung
  erhält  lange,  stumpf  zusammenstoßende,
  einfache  Linien  mit  geriugen
Brechungen,  die  sich  der  Umfassung  des
Angriffs  entziehen  und  die  frontale  Verteidigung
  begünstigen;  an  den  wichtigsten
Punkten  erhält  sie  Kavaliere  mit  Reduits,
die,  mit  außerordentlicher  Sorgfalt  konstruiert,
  vom  Major  Brese  für  den
stärksten  Teil  des  Ganzen  erklärt  wurden,
der  in  der  Negel  nur  mit  Minen  zu  erobern
  sein  würde.  Die  Grabenflankierung
geschieht  aus  mehreragigen  Mittelkaponnieren
  und  Flankenbatterien  für  Geschützverteidigung;
  die  Eskarpen  erhalten
freistehende,  krenelierte  Mauern,  die  Wallgänge
  zahlreiche  Hohltraversen;  das  Mauerwerk
  s  der  Sicht  entzogen,  aber  nur  gegen
kleine  Fallwinkel  gedeckt;  alles  Material
und  Personal  findet  bombensichere  Unterkunft.
  So  werden  für  jedes  Werk  drei
Verteidigumgslinien  geschaffen,  ein  Feec
ter  Weg,  Hauptwall  und  Reduit.  375—
600  m  vor  dem  Hauptwall  werden  auf
den  wichtigsten  Terrainpunkten  detachierte
Forts  mit  großen,  mehrtagigen.  Defensivkasernen
  angelegt;  die  Grabenbestreichung
geschieht  durch  Flankenbatterien  und  Kaponnieren
  an  den  Schulterpunkten  oder
in  den  eiinspringenden  Winkeln;  der  gedeckte
  Weg  erhält  Blockhäuser  und  ein
permanentes  Minensystem.  Diese  detachierten
  Forts,  welche  das  Ansammeln
großer  Truppenmassen  zu  Ausfällen  deckten,
  mußten  den  Angreifer  zum  Angriff
auf  drei  derselben  zwingen,  um  nach  ihrer
Eroberung  in  dem  Zwischenraum  eine
neue  Belagerung  gegen  den  Hauptwall
zu  unternehmen.  In  dieser  Weise  wurden
  Koblenz  und  Ehrenbreitstein  durch  den
Oberst  Aster  1817—30,  Posen  durch  den
Major  Brese  von  1828  an  erbaut.  Die

Befestigung  von  Köln  mit  5  Forts  wurde  1300

zu  gleicher  Zeit  begonnen,  1841—47  wurden
  noch  6  Forts  zugefügt.

Zu  der  Zeit,  als  Major  Brese  seine
epochemachenden  Entwürfe  ausstellte,  erhob
  sich  in  England  ein  Faktor,  aus
dem  in  weiterer  Folge  die  Veranlassung  zu
einer  einschneidenden  Anderung  des  Systems
  hervorgehen  sollte.  1824  wurde  zu
Woolwich  auf  Anregung  des  Herzogs  von

121

Wellington  ein  Schießversuch  zum  Zerstören
  einer  freistehenden  Mauer  mit  achtund
  zehnzölligen  Haubitzen  unter  10—21°
Erhöhung  ausgeführt,  welcher  mit  2100
Schüssen  die  Bresche  ergab  und  den  Beweis
  lieferte,  daß  die  genein  einer
Bresche  in  einer  verdeckt  liegenden  Mauer
durch  den  indirekten  Schuß,  also  auf
gröbern  Entfernungen,  möglich  ist.  Die
rbauung  der  Breschbatterien  braucht
daher  nicht  erst  in  der  Krönung  des  Glacis,
sondern  kann  schon  viel  früter  erfolgen.
Hieraus  ergab  sich  die  Notwendigkeit  eines
größern  Schutzes  des  Mauerwerks,  als
ihn  die  bisherigen  Grundrisse  und  Profilverhältnisse
  bedingten,  um  die  Sturmfreiheit
  gu  erhalten.  Bevor  man  jedoch  an
das  Andern  ging,  suchte  man  durch  Schießversucheund
  Untersuchungen  des  Festungswesens
  sich  Klarheit  darüber  zu  verschaffen,
was  wirklich  zu  thun  erforderlich  sein
würde;  denn  ein  weitschauender  Blick  ist
wohl  nirgends  Le  notwendig  als  auf
dem  Gebiet  des  Festungsbaus,  dessen
Werke  auf  lange  Zeit  hinans  ihre  Zwecke
erfüllen  sollen  und  müssen.  Keins  der
bekannten  Befestigungssysteme  entsprach
den  zu  stellenden  Forderungen  mehr
und  war  so  ausbildungsfähig  wie  die
sogen.  neupreußische  Befestigungsmanier.
  Ihre  Grundsätze  wurden
  deshalb,  außer  in  Frankreich,  in  anderu
  Staaten  anerkannt,  so  in  Österreich,
Rußland,  Belgien,  wo  sic  in  Brialmon
  ihren  hervorragendsten  Verteidiger
fanden.  Auch  er  legte  besondern  Wert  auf
die  Begünstigung  großer  Ausfälle.  Es
wurden  deshalb,  veranlaßt  durch  die
größern  Schußweiten  der  um  1880  eineführten
  schweren  Haubitzen  und  Bombenkanonen,
  die  Forts  immer  weiter  hinausgeschoben;
  in  Deutschland  hielt  man
300—1400  m  für  genügend.

Bald  indes  machten  auch  die  gezogenen
  Geschütze  ihren  Einfluß  geltend,  die
durch  ihre  Erfolge  im  Krieg  1870771  scharf
undeinschneidend  eine  neue  Epoche  begrenzten.
  Die  Zwecklosigkeit  kleiner  Festungen
ohne  Forts,  wenn  ihre  Haltbarkeit  nicht
durch  Lage  auf  Höhen  2c.  begründet  ist,  galt
ebenso  als  erwiesen  wie  die  Unentbehrlichkeit
  großer  Festungen  mit  weit  abliegennde