150  Gerichtsherr

mittel  und  Verpflegungseinrichtungen  der
Armee  zunahmen.  Vongroßer  Bedeutung
ist  auch  die  Tragweise  des  Gepäcks,  insofern
  dadurch  die  freie  Bewegung  des
Mannes  möglichst  wenig  beschränkt  werden
  darf.  2c.  In  Deutschland  und  Osterreich
  ist  der  an  zwei  Riemen  auf  der  Schulter
  getragene  Tornister  im  Gebrauch,
in  England  eine  Art  Mantelsack,  der
tiefer  auf  dem  Rücken  sitzt  und  die  Last
auf  diesen  verteilt.  Versuche  hierüber  sind
noch  nicht  abeeschloffen.  Gegenwärtig
trägt  der  Soldat  in  Deutschland  einschließlich
  Gewehr  und  Munition  (7,5kg)
25kg.  —  Bei  den  berittenen  Truppen
kommen  zu  obigem  G.  noch  ein  gewisser
Futtervorrat  für  das  Pferd  (in  Deutschland
  nur  Körnerfutter,  in  Osterreich  auch
Heu),  Hufeisen  mit  Nägeln  und  Stollen
sowie  Putzzeug  für  das  Pferd  hinzu.  Das
G.  wird  auf  dem  Sattel  befestigt.  Bei  der
Artillerie  haben  die  berittenen  Mannschaften
  das  G.  der  Kavallerie,  welches
aber  bei  den  Fahrern  vom  Handpferd
getragen  wird.  Die  Jußmannschaften
haben  das  G.  der  Infanterie,  doch  wird
der  Tornister  an  der  Protze  befestigt;
s.  Feld  kessel.
erichtsherr,  s.  Militärgerichtswesen.

Gerüstminen,  s.  Torpedos  (S.351).
Geschirre,  das  zur  Bekleidung  der  Zugpferde
  dienende  Lederzeug.  Die  G.  sind
entweder  Sielen-oder  Kumtgeschirre.
Die  erstern,  früher  bei  den  Kolonnen  gebräuchlich,
  sind  jetzt  durch  Kumtgeschirre
ersetzt.  Das  um  den  Hals  des  Pferdes  gelegte
  Kumt  erhält  seine  Form  durch  die
eisernen  Kumtfedern,  an  denen  das
Polster  (Kumtkissen)  befestigt  ist,  das
sich  beim  Ziehen  gegen  die  Schultermuskeln
und  die  Seitenflächen  des  Halses  legt,  ohne
die  Brust  zu  pressen.  Das  Kumt  erfordert
zur  Vermeidungdes  Durchziehensein  sorgfältiges
  Anpassen  an  Hals  und  Schultern
des  Pferdes,  zu  welchem  Zweck  in  der
deutschen  Armee  drei  Kumte  verschiedener
  Weite  im  Gebrauch  sind.  Geringe
Anderungen  können  mittelst  Schnallriemen
  bewirkt  werden.  Zur  Vermeidung  des
Anpassens  neuer  Kumte  bei  eintretender
Abmagerung  der  Pferde  wird  unter  jenes

—  Geschoß.

ein  Unterkumt,  ein  flaches  Polster  (mancherorts
  auch  Krause  genannt),  gelegt.
Die  zu  beiden  Seiten  des  Kumtes  in  die
Blatthaken  der  Federn  eingehakten  Zugtaue
  werden  durch  Rück-,  Schwebe=  und
Bauchriemen  getragen  und  sind  Hanftaue,
in  neuerer  Zeit  versuchsweise  aus  Draht
efertigt.  Zum  Einhaken  der  Steuerketten
ben  die  Kumte  der  Stangenpferde  ein
P  kurzes  Koppel.  mit  dreieckigem  Ring,
welches  auf  dem  Brustriemen  hängt,  der
in  die  Osen  der  Kumtfedern  eingehakt  ist.
An  den  Stangenkumten  ist  auch  der  Umgangbefestigt,
  ein  breiter  Ledergurt,  welcher
  um  das  Hinterteil  des  Pferdes  herumgeht
  und  zum  Aufhalten  des  Fahrzeugs
dient.  Die  Hintertaue  sind  in  die  Ortscheite
  der  Hinterbracke  die  Mitteltaue  in
die  Vorderbracke,  die  innern  Taue  sich
kreuzend  eingehakt.  Die  Vordertaue  sind
in  die  Mitteltaue  eingehakt  und  gehen
durch  Strangschlaufen  an  den  Mittelkumten.
  Die  Zugtaue,  müssen  so  lang
sein,  daß  die  Pferde  in  allen  Gangarten
die  nötige  Sprungfreiheit  haben,  aber
nicht  zu  lang,  um  das  übertreten  bei
Wendungen  möglichst  zu  vermeiden.  Hintertaue
  sind  1,93,  Mitteltaue  1,96,  Vordertaue
  2,43  m  lang.

Geschmolzenzeug,  aus  Schwefel,  Salpeter
  u.  Mehlpulver  warm  (durch  Schmelzen
  des  Schwefels)  angesetzter  Satz,  das
Warmgeschmolzenzeug.  Die  nach
dem  Erkalten  in  Stücke  zerschlagenen  Kuchen
  wurden  augefeuert  und  der  Sprengladung
  der  Bomben  (s.  d.hals-Brandzeugzugesetzt.
  Kaltgeschmolzenzeug,  aus
Salpeter,  Schwefel,  Mehlpulver  u.  Schwefelantimon
  bestehend,  wurde,  mit  Spiritus
  angefeuchtet,  in  Cylinder  oder  Kugeln
gepreßt,  die  zur  Versetzung  der  Signalraketen
  und  Bombenröhren  dienten.

Geschoß  (Projektil),  ein  aus  Fernwassen
  fortgetriebener  Körper.  Die  Geschosse
  der  Feuerwassen  bilden  nach  diesen
zwei  Hauptarten:  die  der  Handfeuerwaffen
  und  die  der  Geschütze  oder  Artilleriegeschosse.
  Aus  der  Schleuder
und  den  Ballisten  wurden  rundliche  Körper
aus  Metall  oder  Stein,  Gefäße  mit  Brandoder
  Zündsatz  2c.  geworfen,  von  dem  Bogen,
den  Katapulten,  der  Armbrust  Pfeile,  Bol-