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Geschoßwirkung,  die  Leistung  eines
Geschosses,  welche  es  infolge  seines  Verschießens
  hervorbringt.  Sie  kann  eine  zufällige
  oder  beabsichtigte  sein;  erstere
wird  vom  Geschoß  bervorgebracht,  obgleich
  es  das  Ziel  fehlte;  z.  B.  27.  Dez.
1870  wurde  von  den  deutschen  Batterien
auf  der  Höhe  von  Raincy  gegen  die  am
Höhenrand  des  Avron  etablierten  franzöischen
  Batterien  das  Feuer  eröffnet.  Die
Geschosse  trafen  diese  nicht,  gingen  100—
600  m  weiter  und  richteten  so  große  Verwüstungen
  im  französischen  Lager  an,  daß
der  Avron  geräumt  wurde.

Die  G.  äußert  sich  durch  Eindrinen
  des  Geschosses  in  das  Ziel  oder  als
Gpreng=  und  Zündwirkung.  Häufig
werden  mehrere  dieser  Zwecke  zugleich  beabsichtigt;
  so  soll  z.  B.  das  Geschoß  in
das  Ziel  eindringen,  dann  durch  seine
Sprengkraft  wirken,  zuweilen  auch  noch
entzünden.  Die  Geschosse  der  Handseuerwassen
  sollen  nur  Menschen  oder  Pferde
außer  Gefecht  setzen,  wozu  ihre  Perkuskunskraft
  im  allgemeinen  bis  gegen
2000  m  noch  hinreicht.  Jede  andre  Wirkung
  dieser  Geschosse  ist  durch  die  Petersburger
  Kouvention  von  1868  ausgeschlossen.
  —  Für  das  Eindringen  der  Artilleriegeschosse
  in  seste  Körper  ist  zunächst  die
dem  Geschoß  innewohnende  lebendigec
Kraft  (s.  d.)  entscheidend,  nächstdem  aber
der  Geschoßdurchmesser,  die  Form  des  Kopfes,
  der  Winkel,  unter  dem  es  das  Ziel
trifftAuftreffwinkel),  wie  die  Festigkeit
  des  Geschosses  und  des  Ziels  selbst.
Bei  gleicher  lebendiger  Kraft  werden  die
Geschosse  mit  kleinerm  Durchmesser  tiefer
eindringen,  weil  sie  hierbei  eine  geriugere
Masse  des  Ziels  aus  seiner  Lage  zu  verdrängen,
  ein  kleineres  Loch  zu  machen  haben
  als  die  größern  Kalibers.  Aus  diesem
  Grund  macht  man  die  Geschosse  so
lang  als  möglich,  weil  bei  gleichem  Durchmester
  ihr  Gewicht  entsprechend  ihrer
Länge  wächst.  Die  günstigste  Kopfform
ist  die  ogivale  oder  für  Panzergeschosse
die  konoidische:  je  schlanker  die  Spitze,  desto
leichter  bricht  sie  ab,  je  siumpfer,  desto
schwieriger  das  Eindringen,  weil  es  dann
mehr  ein  Ausstanzen  der  Masse  aus  dem
Zielwird,  und  desto  leichter  gleiten  die  Ge-Geschoßwirkung.



schosse  bei  schrägem  Auftreffen  ab.  Je
kleiner  der  Auftreffwinkel  wird,  desto  geringer
  ist  die  Eindringungstiefe  (senkrecht
von  der  Oberfläche  an  gemessen);  bei  6C
wisser  Grenze  prallen  die  Geschosse  an  festen
  Zielen  ab,  ohne  einzudringen.  Für
das  Durchschlagen  von  Panzerzielen  ist
auch  das  Führungsmittel  der  Geschosse
von  Einfluß;  die  Granaten  mit  dickem
Bleimantel  sind  hierzu  ungeeignet,  weil
ein  Teil  der  lebendigen  Kraft  in  dem  Abstreifen
  oder  Abschmelzen  des  Bleimantels
verloren  geht.  Am  günstigsten  hat  sich
die  Kupserringführung  erwiesen.  Die
früher  aufgestellte  Norm,  daß  die  preußischen
  Panzergeschütze  auf  500  m  Panzerungen
  von  der  Stärke  des  Geschoßdurchmessers
  durchschießen,  ist  nicht  mehr  gülig
  da  diese  Leistung  inzwischen  erheblich
überholt  ist.  Bei  der  noch  immer  fortschreitenden
  Entwickelung  der  Geschütze
in  Bezug  auf  Durchschlagskraft  der  Geschosse
  lassen  sich  zur  Zeit  (Mitte  1880)
keine  allgemein  gültigen  Sätze  aufstellen.
Die  deutsche  30,5  cm  Ringkanone  durchschlug
  mit  Hartgußgranaten  von  304  kg.
und  60  kg  Ladung  auf  200  m  ein  Panerziel,
  welches  zusammengesetzt  war  aus
54  mm  Platte,  200  mm  Teakholz,  152
mm  Platte,  200  mm  Teakbolz,  19  mm
Innenhaut  bei  90°  Auftreffwinkel.  Dagegen
  wurde  von  Krupp  bei  den  Schießversuchen
  5.—  8.  Aug.  1879  mit  der
24  cm  Ringkanone  mit  Hartgußgranaten.
von  160  kg  und  75  kg  Ladung  ein  Panzerziel
  durchschossen,  welches  aus  einer
Platte  von  30,,  em,  d  em  Holzhinterlage
und  20,5em  Platte  =  51  em  Eisenplatten
bestand.  Das  Geschoß  ging  glatt  hindurch
bis  auf  2200  m  hinter  dem  Ziel.  Hiernach
  ist  anzunehmen,  daß  das  Geschoß
eine  Panzerplatte  von  fast  der  zweieinhalbfachen
  Stärke  des  Geschoßdurchmessers
durchschlagen  würde;  s.  Geschütze,  Tabelle
  II—VI.  *
Eine  erhebliche  Steigerung  der  G.  ist
durch  das  Konzentrationsschießen
möglich,  d.  h.  durch  das  gleichzeitige  Abseuern
  mehrerer  nach  demselben  Zielpunkt
  gerichteten  Geschütze  mittelst  Elektricität.
  Der  gleichzeitige  Anprall  der
Geschosse  zerstört  Panzerungen,  gegen