Geschütze  (Kanonen,  Haubitzen,  Mörser,  gezogene  G.).

fehlt,  weil  er  das  Bucken  verstärkt.  Der

Teil  des  Geschützrohrs  vom  Kopf  bis  zum  de

Mittel-oder  Zapfenstück,  an  welchem
die  Schildzapfen  sitzen,  heißt  das  Langefeld.
  An  das  Mittelstück  schließt  sich  nach
hinten  das  Aodenstück  an,  welches  bei
Vorderladern  in  der  Traube  endigt,  die
zur  leichtern  Handhabung  des  Rohrs  dient.
Einen  gleichen  Zweck  haben  an  den  ältern
Rohren  die  Henkel  oder  Delphine
(nach  der  früher  üblichen  Gestalt  so  genannt),
  die  über  dem  Schwerpunkt  der
ältern  bronzenen  Rohre  stehen.  Es  entsprach
  dem  Geschmack  früherer  Zeiten,  G.
bildnerisch  zu  schmücken.  Dieser  Verzierungen
  wurden  nach  und  nach  immer
weniger,  und  sie  beschränkten  8  schließlich
  bei  den  letzten  glatten  Rohren  auf
Karniese,  Bänder  und  Rundstäbchen  zur
äußerlichen  Gliederung  der  Rohrteile.
Bei  den  gezogenen  Geschützen  sind  auch
diese,  weil  zwecklos  und  für  die  Haltbarkeit
  nicht  förderlich,  fortgeblieben;  sie  bestehen
  in  der  Regel  nur  aus  einem  konischen
  vordern  und  einem  cylindrischen
pintern  Teil.  Bei  den  Hinterladungsgechützen
  ist  im  Bodenstück  das  Keil=  oder
Quercylinderloch  eingeschnitten,  bestimmt,
  die  gleichnamigen  Berschlußteile
zum  Abschluß  der  Seele  aufzunehmen,
den  Seelenboden  herzustellen.  Bei  der
Oberzündung  führt  das  Zündloch  entweder
  senkrecht  oder  schräg  zur  Seelenachse
durch  das  Rohrmetall  in  den  Ladungsraum;
  bei  den  Feldgeschützen  und  15  cm
Ringkanonen  geht  das  Zündloch  durcheine
Zündlochschraube,  welche  schräg  nach  vorn
in  den  Keil  greift,  so  daß  die  gerade  Verlängerung
  des  Zündlochs  in  der  Rohrachse
  in  der  vordern  Keilfläche  mündet.
Wegen  ihrer  Neigung  zu  baldigem  Ausbrennen
  erhalten  bronzene  wie  Gußstahlgeschütze
  ein  Zündlochfutter  aus  geschmiedetem
  Kupfer.  Die  Küsten=  und
Schiffsgeschitze  haben  Centralzündung,
  bei  welcher  das  Zündloch  in  der  Seelenachse
  durch  den  Keil  geht.  Zum  Richten
  der  Geschützrohre  *#  entweder  auf
dem  Kopf,  dem  rechten  Schildzapfen,  oder
bei  den  Küsten=  und  Schiffsgeschüben  seitlich
  beider  Schildzapsen  auf  dem  Rohr  ein,
beziehentlich  zwei  Korne  (s.  d.)  ange-155



bracht;  dem  entsprechend  befinden  sich  auf
m  Bodenstück  die  Aufsatzplatte  oder
Leitich  der  Seele  ein,  beziehentlich  zwei
ussatzlöcher  für  den  Aufsat#  (s.  d.).
Eeschätarten.

Kanonen  werden  die  18—22  Kaliber
langen  G.  genannt,  die  in  Bezug  auf  das
Gewicht  des  Geschosses  mit  großen  Ladungen
  feuern  und  deshalb  eine  flache  Flugbahn
  (s.  d.)  haben.  Um  aber  auch  in  gekrümmterer
  Flugbahn,  wie  solche  für  den
indirekten  Schuß  verlangt  wird,  seuern
zu  können,  hat  man  kurze  Kanonen  für
kleinere  Ladungen  konstrunkert,  z.  B.  kurze
15  und  21  cm  Kanonen,  welche  unter
den  gezogenen  Geschützen  die  Stelle  der
Haubitzen  unter  den  glatten  einnehmen,
die,  6—8  Kaliber  lang,  Hohlgeschosse  mit
kleinen  Ladungen  warfen.  Um  diese  behufs
  centralen  Stoßes  auf  das  Geschoß
mehr  in  die  Rohrachse  zu  bringen,  hatte
man  die  Seele  hinten  zu  einer  cylindrischen
  oder,  wie  auch  bei  den  Bombenkanonen,
  zu  einer  konischen  Kammer  verengt.
  In  Bezug  auf  die  Seele  gleichen
die  glatten  Mörser  den  Haubitzen,  nur
sind  sie  noch  kürzer,  3—3  ½  Kaliber  lang.
Zur  Erreichung  großer  Höhenrichtungen
sind  ihre  Schildzapfen  am  Vodenstück  angebracht.
  Die  gezogenen  Mörser  sind
sehr  kurze  Kanonen,  deren  Eigentümlichkeit
  in  der  Laffetenkonstruktion  liegt.  Die
glatten  Haubitzen  und  Mörser  hießen
auch  Kammer=  oder  Wurfgeschütze.

Die  gezogenen  G.  der  deutschen  Artillerie
  sind  Hinterlader  mit  gepreßter  Gescheßführung.
  d.  h.  die  Geschosse,  mit
Ausnahme  der  Kartätschen,  haben  auf
dem  cylindrischen  Teil  ihrer  Oberfläche
eine  Ummantelung  von  Blei  oder  Hartblei,
  deren  ringförmige  Wülste  sich  in  die
Züge  des  Rohrs  derart  einpressen,  daß
der  Spielraum  zwischen  Geschoß  und  Seelenwand
  gänzlich  aufgehoben  wird,  Pulvergase
  also  nicht  vorbeischlagen  können.
Um  dies  zu  ermöglichen,  hat  der  hintere
Teil  der  Seele,  der  Ladungsraum,  in
welchen  das  Geschoß  und  sodann  die  Pulverladung
  eingesetzt  wird,  einen  größern
Durchmesser  alsder  gezogene  und  ist  bei  den
ältern  Rohren  glatt,  na  dem  vom  Hauptmann
  Bode  1874  gemachten  Vorschlag  bei