Geschütze  (Liderung,  Mantel=  und  Ringrohre).

Dam  stehen  die  Ladeöffnungen  der  Keile
genau  in  der  Seele,  14  daß  das  Geschoß
in  das  Rohr  Lingesett  werden  kann.  Die
während  der  Belagerungen  1870/71  vielfach
  eingetretenen  Lurcn  un  en  dieses
Doppxelkeilverschlusses  waren  U#sache,  den
von  Krupp  bei  den  Panzergeschützen  bereits
  angewendeten  Einheitskeilverschluß
  auch  für  alle  übrigen  G.  anzunehmen.
  Er  ist  ein  ungeteilter  prismatischer
Körper  aus  Stahl,  dessen  vordere  Fläche
senkrecht,  dessen  hintere  cylindrische  aber
schräg  zur  Rohrachse  steht.  Eine  gleiche
Form  hat  das  Keilloch.  Der  Keil  erhält
  seine  Führung  durch  Führungsleisten
und  Nuten  auf  der  obern  und  untern
Keil=  und  Keillochfläche,  die  parallel  der
hintern  schrägen  Keillochfläche  laufen,
wodurch  es  möglich  wird,  nach  geringer
Lockerung  den  Verschluß  aus  dem  Rohr
zu  ziehen.  Das  Bewegen  und  Festsiellen

es  Keils  geschieht  durch  eine  Kurbel,  die
eine  Schraubenvorrichtung  von  eigentümlicher
  Konstruktion  in  Bewegung  setzt.
Seiner  Schwere  wegen  (der  28  cm  Verschluß
  wiegt  650  kg)  wird  der  Verschluß
bei  den  Panzergeschützen  durch  das  Drehen
  einer  Transportschranbe  bewegt.  Bei
den  15  cm  Kanonen,  welche  nachträglich
den  Einheitskeilverschluß  erhielten,  ist  die
hintere  Keilfläche  flach  gemacht  worden,
daher  chier  Flachkeilverschluß  zum
Unterschied  von  dem  Rundkeilverschluß
  der  andern  G.  genannt.

Um  die  Seele  gasdicht  abzuschließen,  bedarf
  man  eines  Liderungsmittels.  Beim
Kolbenverschluß  dient  hierzu  der  Preßspauboden
  (eiverungs  welcher,  iuter
  den  Boden  der  Kurtuc  gelegt,  durch
die  Pulvergase  gegen  den  Kolbenkopf  u.  die
Seelemwand  gepreßt  wird.  Beim  Doppelkeilverschluß
  ist  n  die  vordere  Keilfläche
eine  Stahlplatte  gesetzt,  welche  den  Seelenboden
  bildet  und  nach  ihrer  Abnutzung
erneuert  werden  kann;  sie  enthält  in  einer
Ausdrehung  eine  Kupferliderung  von
dreieckigem  Querschnitt.  Sie  setzt  eine
immer  gleiche  Lage  des  Vorderkeils  im
Rohr  voraus,  die  bei  Verschmutzungen
nicht  immer  erreichbar  ist;  bei  der  Weichheit
  des  Kupfers  ist  sie  leicht  Beschädigungen
  ausgesetzt.  Ihre  Nachteile  werden

157

pucch  den  Broadwell-Ring,  nochbesser
durch  den  Liderungsring  vermieden.
Beide  sind  an  der  Mündungskante  der
Seele  im  Keilloch  in  das  Rohr  eingesetzt
und  werden  durch  die  Pulvergase  gegen
die  Liderungssfläche  des  Keils  gedrückt.
Mit  dem  Einheitskeil  ist  auch  der  Liderungsring
  eingeführt.
Konstruktisnen  der  Jestzeit.

Als  man  1868  zur  Erreichung  einer
größern  Durchschlagskraft  der  Geschosse  gezwungen
  war,  größere  Ladungen  anzuwenden,
  mußte  auch  den  Geschützrohren  eine
größere  Widerstandsfähigkeit  gepen  den
stärkern  Gasdruck  gegeben  werden.  Dies
wurde  von  Krupp,  indem  er  die  in  England
  gemachten  Erfahrungen  auf  seine
Gußstahlrohre  übertrug,  durch  die  Konstruktion
  eines  21  em  Ringrohrs  erreicht.
  Üüber  ein  außerhalb  genan  abgedrehtes
  Innenrohr  schob  er  in  warmem  Zustand
  genau  ausgedrehte  Ringe,  welche  bei
ihrem  Abkühlen  sich  zusammenzogen  un
mit  gewissem  Druck  das  Innenrohr  umschlocer
  Dieses  Verfahren,  die  künstliche
  Metallkonstruktion  genannt,
gründet  sichauftheoretischellntersuchungen
und  bewährte  sich  so,  daß  damit  eine  neue
Epoche  des  Geschützwesens,  die  der  großen
Aufangsgeschwindigkeit  der  Geschosse,  anebahnt

  wurde.  Jene  Untersuchungen
gatten  erwiesen,  daß  der  Widerstand,  den
die  Schichten  des  Rohrkörpers  dem  Gasdruck
  beim  Schießen  entgegensetzen,  nach
außen  hin  abnimmt.  Zur  gleichmäßigen
Beteiligung  aller  Rohrschichten  an  diesem
Widerskand  würde  man  das  Rohr  aus
einer  möglichst  großen  Anzahl  konzentrischer
  Röhren,  deren  jede  auf  die  innern
mit  einem  gewissen  Druck  preßt,  zusammensetzen
  müssen.  Aus  technischen  und
praktischen  Gründen  empfiehlt  es  sich
aber,  die  Anzahl  dieser  Ringlagen  zu  beschränken.
  Hieraus  entstanden  zwei  Arten
des  Zusammenbaus:  die  Mantel=  und
die  Ringrohrez  bei  letztern  bildet  die
Kernröhre  den  Hauptteil,  auf  der  eine
Anzahl  Ringe  in  1—3  Lagen  aufgeschrinkt
  sind;  der  Verschluß  sitzt  in  der
Kernröhre.  Die  Mantelrohre  dagegen
bestehen  aus  einer  verhältuismäßig  nur
schwachen  Kernröhre,  welche  vor  dem