Geschütze  (Konstruktionen  der  Jetztzeit).  161
Tabelle  VI.  Eindringungstiefen#  verschiedener  Geschosse  in  Schmiedeelsen.

Seelen-  Nohrgeich  Eindringungstiefe

Fabrit  Geschilb  Syslem  durhmesser  Vemalnz  —
em  Tonn.  em
Elswick  (Armstrong))  100  Tons  Vorderlader  ..  43,2  101,o6  94.1
Krupo  40  Cim.Hinterlader  400  720  81,3
Woolwich  80  Tons  Vorderlader  40.0  81.2  76.1
Krunon  35,5  Cim.  Hinterlader  35.6  520  68.6
Elswick  35  Tons  Vorderlader  W,as  8B.s  55,0
Woolwich  ,  38  Tons  1  Vorderlader  31,.785  38.6  53.4
Krunpnpooo  24  Cim.  Hinterlader  24,0  18,0  506
Woolwich38  Tons?  BVorderlader  ..  S1,75  38,6  40,

1  Mit  erweitertem  Kartuschraum  ?  Mit  nicht  erweitertem  Kartuschraum.

des  Verschlusses  besteht  aus  einer  Schrandenspindel,
  deren  Gänge  in  drei  Sertanten
  unterbrochen  sind.  Eine  gleiche
Einrichtung  hat  die  Seele  zunächst  der
Bodenfläche;  die  Gewindeteile  der  Spindel
  gleiten  bei  ihrem  Hineinschieben  in  das
Rohr  in  den  glatten  Sextanten  desselben,
durch  eine  Drehung  der  Spindel  um  600
treten  die  Gewindeteile  ineinander,  und
das  Rohr  wird  geschlossen.

Die  Verwendung  des  Gußeisens  zur
Herstellung  von  Geschützrohren  kommt
immer  mehr  außer  Gebrauch,  weil  dasselbe
  für  die  relativ  großen  Ladungen,  die
man  jetzt  bei  allen  Kalibern  anwenden
muß,  nicht  die  erforderliche  Widerstandsfähigtein
  besitzt.  Für  die  Bronze  hat  sich
infolge  der  in  Osterreich  zuerst  gemachten
Verwendung  verdichteter  Bronze,  sogen.
Stahlbronze  (OÖsterreich)  oder  Hartbronze
  (Deutschland),  die  dem  Gußstahl
  in  den  kleinern  und  mittlern  Kalibern
  mit  Erfolg  Konkurrenz  macht,  ein
weites  Feld  eröffnet  (vgl.  Bronze).  In
Deutschland  werden  in  der  Geschützgießerei
zu  Spandau  ausschließlich  Hartbronzerohre
  gefertigt.  Alle  Gußstahlrohre  der
Feld-,  Küsten=  und  Schiffsartillerie  werden
  von  Krupp  bezogen.  Die  Zusammensevzung
  des  Gußstahls  wie  der  Schmelztiegel
  ist  Fabrikgeheimnis.  Die  Güte  des
Materials  soll  aber  auch  erheblich  durch
die  ausgezeichnete  Bearbeitung  aller  Rohrblöcke
  unter  dem  Dampfhammer  gewinnen.
  Den  Engländern  ist  die  Herstellung

Militär-Lexikon.

des  Kruppschen  Geschützstahls  bisher  nicht
gelungen.  Man  fertigt  deshalb  die  Rohre
noch  immer  aus  einer  Innenröhre  von
Firthstahl,  über  welche  eine  (nach  dem
jetzt  in  Woolwich  beobachteten  System
Fer  nur  wenige,  nach  Armstrong  eine
ehr  große)  Anzahl  Ringe  ansgeschrink
werden,  die  aus  spiralförmig  ansgewickelten
  schmiedeeisernen  Stäben  zusammengeschweißt
  sind.  Ein  ähnliches  Verfahren
wird  in  Frankreich  beobachtet.  Das  in
Amerika  von  Rodman  augegebene  Gußverfahren
  mit  energischer  Abkühlung  von
innen  beim  Guß  von  Eisenrohren,  nach
welchem  eine  große  Anzahl  von  glatten
15-  und  20zölligen  Kolumbiaden  (s.  d.)
für  die  Küstenwerke  gegossen  wurden,  hat
man  in  Ameerika  erst  vor  einigen  Jahren
als  den  zeitgemäßen  Forderungen  nicht
mehr  entsprechend  verlassen.  Auch  die  hiernach
  gefertigten  Parrot-Kanonen  (Vorderlader),
  welche  noch  einen  Verstärkungsring
  über  dem  Ladungsraum  erhielten,
sind  als  ungenügend  bezeichnet;  es  ist  bis
jetzt  nicht  gelungen,  einen  Expansionsring
am  Geschoßboden  herzustellen,  der  seinen
Zweck,  das  Geschoß  zu  führen,  wirklich
erfüllt.  Die  von  vielen  heimischen  Fabrikanten
  angegebenen  zahllosen  Geschütkonstruktionen
  haben,  außer  in  Amerika,
noch  keine  Nachahmung  gefunden.  Im
Geschützwesen  herrscht  dort  Anarchie,
und  auf  diesen  Wegen  dürfte  Amerika.
schwerlich  zu  einer  zeitgemäßen  Artillerie
gelangen.  1