Geschütze  (Geschichtliches).

das  heruntersinkende  Gewicht  in  die  Höhe
geschnellt  und  fortgeschleudert.

Die  vielen  Angaben  über  den  Gebrauch
von  Feuergeschützen  schon  vom  12.  Jahrh.
an,  ja  sogar  im  Jahr  690  vor  Mekka,  beruhen
  vermutlich  auf  einem  Irrtum.  Daß
dem  Pulversatz
gen,  wie  das  griechische  Feuer  2c.,  schon  im
Altertum  Verwendung  fanden  und  sich
von  da  bis  in  das  Mittelalter  in  stetem
Gebrauch  erhielten,  ist  bekannt;  aber  es  ist
nicht  erwiesen,  daß  die  bei  ihrer  Verbrennung,
  entstehenden  Gase  zum  Forttreiben
von  Körpern  aus  Rohren  benutzt  wurden.
Hierin  aber  würde  erst  das  das  Schießpulver
  als  solches  und  die  Fesheichüße
Charakterisierende  zu  suchen  sein.  Diese
pulverähnlichen  Mischungen  wurden,  in
Gefäße  gefüllt,  mit  den  Ballisten  oder
Bliden  geworfen,  nachdem  man  sie  vor
dem  Wurf  entzündet.  Daß  diese  Geschosse
oftmals  mit  großem  Geräusch  das  Wurfzeug
  verließen  und  so  durch  die  Luft  flogen,
ist  erklärlich.  Wenn  aber  von  Feuerrohren

esprochen  wird,  die  z.  B.  1241  von  den
Päloren  bei  Wahlstatt  gebraucht  wurden,
so  werden  hierunter  Raketen  zu  verstehen
  sein,  die  von  den  Chinesen  schon
im  10.  Johch  zu  Kriegszwecken  und
Lustfseuerwerken  verwendet  wurden.  Der
erste  Gebrauch  der  Feuerwaffen  wird
in  daserste  Viertel  des  14.  Jahrh.  zu  setzen
sein.  In  den  Annalen  von  Gent  heißt
es  vom  Jahr  1313,  daß  in  diesem  Jahr
in  Deutschland  der  Gebrauch  der  Byssen
(Büchsen)  von  einem  Mönch  erfunden
worden.  1326  wurden  in  Florenz  metallene
Kanonen  und  schmiedeeiserne  Kugeln  gefertigt.
  In  den  Bombarden  (s.  d.)  mit

dem  konischen  Wurfkessel  werden  wir  den  halbe

Urtypus  der  G.  zu  erblicken  haben,  aus
denen  noch  im  14.  Jahrh.  längere  G.,  oft
von  sehr  großem  Kaliber,  wie  die  »tolle
Grete=  von  64  cm  Seelendurchmesser,  sich
entwickelten,  die  aber  noch  immer  etwas
konisch  waren,  weil  sie  aus  schmiedeeisernen
  Stäben  mit  darüber  getriebenen
Reifen,  wie  ein  Faß,  gefertigt  wurden.
Erst  als  gegen  Ende  des  14.  Jahrh.  die
Kunst  des  Metallgusses  immer  mehr
Fortschritte  machte,  goß  man  Bronzegeschütze
  aus  einem  Stück  nach  und  nach

anz  ähnliche  Mischun-163



mit  cylindrischer  Seele  und  brachte,  als
man  auch  von  gegossenen  Kugeln  immer
mehr  Gebrauch  machte,  die  Ladung  in  ein
bestimmtes  Verhältnis  zum  Geschoß.  Um
das  Laden  zu  erleichtern,  erhielten  die  G.
eine  bewegliche  Kammer,  die,  mit  Pulver
in  Staubsorm)  gefüllt  und  mit  einem
Papierpfropf  geschlossen,  hinter  das  Rohr
gesetzt  und  durch  einen  zwischen  den
Kammerboden  und  das  Prellstück  der
Lade  (Laffete)  eingetriebenen  Keil  gegen
den  Lauf  gepreßt  wurde.  Die  aus  Einem
Stück  gegossenen  G.  wurden  nun  Kanonen,
  Kartaunen,  die  längern  aber,
30—50  Kaliber  langen,  Schlangen,  Kolubrinen,
  die  kleinsten  aber,  die  sich
in  ihrem  Kaliber  unmittelbar  an  die
Harkseuerwassen  anschlossen  und  auch

leikugeln  verfeuerten,  Falken,  Falkonette,
  Bockbüchsen.  Die  zerrissenen  politischen
  Verhältnisse  des  14.—16.  Tsch
die  es  mit  sich  brachten,  daß  zahllose  Fürsten,
  Länder  und  Städte  als  selbständige
Kriegsterren  auftraten,  hatten  ebenso  wie
der  Einfluß  der  Artillerie  =  (Büchseumeister-)
  Zünfte  und  die  häufig  mißverstandenen
  Erfahrungen  zur  Folge,  daß  die  mannigfachsten
  Geschützgattungen  und  Kaliber
  unter  den  abenteuerlichsten  Namen
entstanden.  Unter  oft  wunderbaren  Annahmen
  über  Pulver=  und  Geschoßwirkung
suchte  jeder  für  sich  etwas  Besondres  zu
schaffen.  Fronsperger  klassifiziert  z.  B.
1555  in  seinem  Kriegsbuch  die  G.  wie
folgt:  Belagerungs=  und  Festungs--geschütze
  (Mauerbrecher):  Scharfe

etze,  Basilisk,  Nachtigall,  Singerin,
Quartane,  halbe  Quartane;  “  dgeschütze:
  Notschlange,  gemeine  Schlange,
Schlange,  Falke,  Falkonett;  außerdem:
  Feuerbüchse,  Böller  oder  Meertier,
Orgeln,  Totenorgeln,  Geschreigeschütz,
Kammerstücke,  Scharpfentinlein  2t.  In
den  größern  Staaten  war  aber  inzwischen
das  Bedürfnis  nach  Vereinfachung  durch
Seschrnkung  der  Anzahl  Kaliber  fühlbar
geworden.  So  wurde  durch  Karl  V.  auf
Grund  von  Schießversuchen,  die  er  1521—
1530  in  Brüssel  ausführen  ließ,  die  Rohrlänge
  für  48-,  36=  und  24  pfündige  Kanonen
  auf  18,  20  und  22  Kaliber  sestzefee
und  ging  später  für  die  Kartaunen  bis  auf

11-!W(——

