Handfeuerwaffen  (Rab-,  Schnapphahn-,  Steinschloß,  Büchse).

der  Wasse  durch  Absonderung  des  Pulverrückstands
  zu  erhöhen.  Inzwischen  war
durch  die  Verbesserung  der  H.  ihr  Gebrauch
  allgemeiner  geworden  und  waren
in  Frankreich  Gewehrfabriken  entstanden.
Auch  für  ihre  Erleichterung  war  viel  geschehen
  und  die  Arkebuse  mit  zweilötigen
Kugeln  eingeführt.  Ende  des  15.  Jahrh.
war  in  Drutschland  ½6,  in  Frankreich  ½10,
in  Spanien  ½  des  Fußvolks  mit  H.  versehen,
  obgleich  mitdem  Luntenschloßgewehr
nur  ein  Schuß  in  der  Minute,  mit  der
Armbrust  dagegen  2—3,  dem  Bogen  6  und
mehr  Schuß  abgegeben  werden  konnten.
Epochemachend  wurde  die  Erfindung
des  Radschlosses  durch  einen  Nürnberger
  Uhrmacher  1517.  In  die  Zündpfanne
  greift  von  unten  ein  auf  seinem
Umfang  gezahntes  Stahlrad;  durch  das
Drehen  desselben  mit  einem  Schlüssel
wird  eine  Feder  gespannt,  die  bei  ihrer
Aushebung  das  Rad  schnell  herumreißt,
wobei  die  Zähne  desselben  an  einem  Feuerstein,
  der,  in  einen  Hahn  geschraubt,  auf
dem  Rad  liegt,  Funken  schlagen,  die  das
Pulver  in  der  Pfanne  entzünden,  Da  das
Radschloß  oft  versagte,  blieb  das  Luntenschloß
  noch  bis  Ende  des  17.  Jahrh.  im  Gebrauch.
  Gegen  Ende  des  16.  Jahrh.  wurde
in  Spanien  (vielleicht  gleichzeitig  auch  in
Holland)  das  Schnapphahnschloß  erfunden,
  das  bereits  die  wesentlichen  Teile
des  Perkussionsschlosses:  den  Hammer
als  Hahn)  mit  Spanu=  und  Ruhrast,
tudel,  Schlagfeder,  Stange,  Stangenfeder
  und  Abzug,  enthält.  Der  Hahn  wird
durch  die  Schlagfeder  herumgeschnellt,
wobei  der  Feuerstein  gegen  den  rauh  gemachten
  aufrecht  stehenden  Teil  des  Pfanndeckels
  schlägt,  hierbei  Funken  erzeugt,
den  Pfanndeckel  zurückschlägt  und  so  das
Pulver  der  Pfanne  für  die  grkeugen
Funken  freilegt.  Gegen  Ende  des  16.Jahrh.,
nachdem  die  Panzer  zu  Fall  gebracht,
beginnt  eine  allgemeine  Erleichterung  der
O2  durch  Verringerung  des  Kalibers  auf
17—18  mm,  das  bei  diesen  Waffen  bis
in  unfre  Zeit  gebräuchlich  blieb.  Die  in
den  Niederlanden  eingefihrt.  Hakenbüchse
  wog  mit  Gabel  8,  die  Büchse  selbst
5  kg;  die  Schweizer  Muskete,  1,25  m
lang,  wog  7—7,5  kg,  die  schwedische

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Muskete  5  kg.  In  Deutschland  wurden
nur  noch  schwere  H.  zur  Bekämpfung  der
letzten  Brustharnische  beibehalten.  Die
Reiterei  war  mit  Pistole  und  Karabiner
bewaffnet,  der,  weil  er  umgehängt  wurde,
auch  Petrinal  oder  Poitrinal  hieß.
Gegen  Ende  des  16.  Jahrh.  wird  die
wichtige  Ersindung  der  gewundenen  Züge
bekannt,  welche  Augustin  Kutier  in
Nürnberg  (gestorben  1630),  von  andern
Wolf  Danner  zugeschrieben  wird.  Um
diese  Zeit  befinden  sich  in  Italien  vollständige
  Patronen,  Pulver  und  Geschoß
  enthaltend,  im  Gebrauch;  auch  eine
Revolverbüchse,  der  altdeutsche  Drehling,
  kommt  in  Gebrauch.  1635  wurde  in
rankreich  das  Batterie=  oder  Steinchloß
  erfunden  und,  mit  Verbesserung
von  1640  bei  den  Flinte  1.  d.)  in  Anwendung
  kommend,  volle  200  Jahre  auch
für  das  Perkussionsschloß  maßgebend.
  Ein  wesentlicher  Unterschied  zwischen
  diesem  und  dem  Schnapphahnschloß
war  der,  daß  die  sämtlichen  Schloßteile
innerhalb  der  Schloßplatte  angebracht
wurden  und  nur  der  Hahn  außerhalb  blieb.
Gleichzeitig  mit  dem  Batterieschloß  wurde
das  Bajonett  (s.  d.)  erfunden.  Größere
Schnelligkeit  des  Ladens  wurde  durch  die
eisernen,  1630  in  Preußen  auf  Vorschlag
des  Fürsten  Leopold  von  Dessau  eingeführten
  Ladestöcke  erreicht,  welche  noch  durch
die  bequemere  Krümmung  des  Schafts
unterstützt  wurde,  so  daß  unter  Friedrich
d.  Gr.  5  Schuß  in  der  Minute  abgegeben
wurden.  Diese  H.  schossen  Rundkugeln
von  26—32  g  mit  9—11  g  Ladung,
die  des  leichten  Ladens  wegen  mit  großem
Spielraum  in  den  Lauf  gehen  mußten,
weshalb  ihre  Trefssicherheit  und  Tragweite
  gering  waren.  Bei  den  Büchsen,
wie  man  schon  damals  die  gezogenen  Gewehre
  nannte,  wurde  der  Spielraum  dadurch
  beseitigt,  daß  man  das  Geschoß  in
ein  Talgpflaster  gehüllt  zu  Boden  keilte;
hierdurch  wurde  auch  eine  größere  Schußweite
  erreicht;  aber  die  Feuerschnelligkeit
war  dadurch  erheblich  vermindert  worden.
Dieser  Nachteil  kam  1828  bei  der  Kammerbüchse
  von  Delvigne  insofern  in
Fortfall,  als  er  das  mit  Spielraum  geladene
  Geschoß  auf  den  Rand  der  Kammer,