Kartätschgeschütze  (Allgemeines;  Gatling).

70  g.  Außerdem  werden  auch  aus  den
8und  9  em  gezogenen  und  glatten  9  und
12  cm  Kanonen  der  Festungsartillerie
Kartätschen  geschossen,  wo  diese  Geschütze
als  Flankengeschütze  zur  Bestreichung  der
Gräben  aufgestellt  sind.  Bei  den  Feldkartätschen
  C/73  hat  die  äußere  Büchse  eine
Auftreibung,  welche  beim  Einsetzen  in  das
Rohr  an  den  übergangskonus  stößt  und
so  das  Vorschieben  der  K.  begrengt  die
Naht  ist  verlötet  und  mit  vier  Messingnieten
  vernietet;  der  Rand  oben  und  unten
  ist  eingefedert  und  umgelegt.  Zur  Bildun
  odens  ist  eine  kupferne  Treibscheibe
  mit  Stricköse  zur  Handhabung
eingelegt,  auf  welche  in  12  Lagen  die  Kugeln
  und  auf  diese  die  Schlußscheibe  aus
Kupfer  kommen;  durch  Umbiegen  der
Federn  der  äußern  Büchse  wird  die  Büchse
eschlossen.  Ahulich  sind  auch  die  Kartätsben
  für  die  übrigen  gezogenen  Kanonen
konstruiert,  doch  sind  deren  Treibscheibe
und  Treibspiegel  von  Zink.  Erstere  soll  zu
einem  gleichmäßigen  Austritt  aller  Kartätschkugeln
  aus  dem  Rohr  beitragen.
Seit  Einführung  der  Ringgranate  und
Entwickelung  des  Shrapnelfeuers  hat
die  K.  an  Bedeutung  sehr  verloren,  und
wird  mancherseits  ihr  gänzliches  Ausscheiden
  verlangt.  —  Die  rühen  gebräuchlichen
  Beutelkartätschen  hatten  statt
der  Blechbüchse  einen  Zwilchbeutel;  bei
den  Traubenkartätschen  war  der
Beutel  noch  mit  starkem  Bindfaden  verschnürt.
  Beutelkartätschen  kamen  Ende
des  16.,  Büchsenkartätschen  Aufang  des
17.  Jabrh.  in  Gebrauch.
Kartätschgeschütze  (Revolverkanonen,
  Repetiergeschütze,  Kugelspritzen,
  Mitrailleusen,  canons  à
balles)  greifen  mit  ihren  Vorlänfern,  den
Orgelgeschützen  (s.  d.),  bis  in  das  Mittelalter
  zurück.  Der  heutigen  Zeit  war  es
jedoch  vorbehalten,  sie  mit  den  ihr  zu  Gebote
  stehenden  Hülfsmitteln  der  Technik
zu  einer  kriegsbrauchbaren  Waffe  auszubilden.
  Ihr  Zweck,  eine  möglichst  große
Anzahl  von  Geschossen  kleinen  Kalibers
in  möglichst  kurzer  Zeit  zu  verfeuern,
wird  bei  den  Kartätschgeschützen,  je  nach
ihrer  Konstruktion,  auf  zweierlei  Weise  erreicht:
  entweder  werden  die  Schüsse  ein-205



zeln,  aber  rasch  und  ununterbrochen  aufeinander
  folgend,  oder  in  Salven  abgegeben,
  zwischen  denen  Pausen  von  gemsse
Dauer  liegen.

Zur  erstgenannten  Klasse  Krbört  das
älteste  der  modernen  K.,  das  Gatling-Geschütz,
  1861  von  R.  J.  Gatling,  Mechaniker
  zu  Indianapolis  im  Staat  Judiana,
  erfunden;  der  französischen  Regierung
  1863  erfolglos  angeboten,  wurde
es  1865  für  die  Vereinigten  Staaten  patentiert,
  seit  1867  von  den  meisten  Staaten
  geprüst  und  von  mehreren  eingeführt.
Die  (in  der  Regel)  zehn  Läufe  sind  durch
zwei  parallele  Platten  zu  einem  Bündel
vereinigt  und  mit  einer  drehbar  gelagerten
  Welle,  in  deren  Schneckenrad  eine
Kurbel  mit  Schnecke  greift,  sest  verbunden.
Jeder  Lauf  hat  hinten  seinen  mit  ihm  fest
verbundenen  Schloßmechauismus  und
eine  Ladeöffnung,  durch  welche  die  Patronen
  in  den  Lauf  fallen.  Die  Zuführung
derselben  geschieht  von  oben  seitwärts
durch  einen  Ladetrichter  mit  Leitrinne.
  Alle  mit  den  Läufen  verbundenen
Teile  drehen  sich  infolge  der  Kurbelbewegung,
  während  der  die  Schlößchen  umgebende
  Lade=  oder  Spannring  feststeht.
In  seine  eine  spiralförmige  Keilfläche  bildenden
  Führungen  greifen  die  Schlößchen
mit  ihren  an  den  hintern  Enden  befindlichen
  Nasen  ein  und  sind  dadurch  bei  der
Drehung  der  Läufe  gezwungen,  in  der
Richtung  der  Laufachse  sch  vor  und  zurück
zu  bewegen,  wobei  sie  selbstthätig  die  Patrone
  in  den  Laufschieben,  diesen  schließen,
abfeuern,  die  leere  Hülse  herausziehen  und
auswersen.  Das  Abfeuern  jedes  Laufs
g#dicht,  sobald  er  sich  in  seiner  tiessien

tellung  befindet.  Die  Feuergeschwindigkeit
  beträgt,  je  nach  der  Schnelligkeit  des
Drehens,  bis  zu  1000  Schuß  in  einer  Minute.
  Früher  war  nur  der  Mechanismus,
jetzt  sind  auch  noch  die  Läufe  ihrer  ganzen
Länge  nach  von  einem  gußeisernen  Gehäuse
  umgeben.  Die  Gatling-Kompanie  in
Hartford,  Connecticut,  fertigt  das  Geschütz
in  acht  Kalibern  von  O#,  O,43,  O,45,  O,50,
0,55,  0,65,  0,75  und  1  Zoll  engl.  Die  Patroneu
  haben  Metallhülsen  mit  Centralzündung.
  Die  auf  den  Ladetrichter  zu  setzenden
Ladetrommeln  enthalten  320  Patronen.