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Nachdem  die  Schifse  durch  die  Dampfkraft
  wieder  eine  Eigenbewegung,  wie  zur
Zeit  der  Ruderschisse,  erhalten,  ging  man
auf  die  Seetaktik  des  Altertums,  die  im
wesentlichen  eine  Rammtaktik  war,  zurück
und  versah  den  Bug  der  Schiffe  anfänglich
mit  einem  Sporn,  in  neuerer  Zeit  mit
einem  über  den  Vordersteven  hervorragenden
  Rammbug,  gab  ihnen  eine  möglichst
große  Manövrierfähigkeit  und  erhielt  so
die  Ramm  oder  Widderschiffe.  Jetzt
erhalten  alle  Schiffe  einen  Rammbug  und
werden,  nachdem  das  Ablassen  der  Fischtorpedos
  von  Deck  möglich  geworden,  auch
alle  mit  Torpedos  ausgerüstet,  so  daß  sie
die  drei  Wassen  des  Scekriegs,  Ramme,
Artillerie  und  Torpedo,  in  sich  vereinigen.
Außerdem  aber  hat  man  kleine  Schiffe
von  großer  Geschwindigkeit  gebaut,  welche
als  einzige  Waffe  Torpedos  führen  (Torpedoschiffe).
  Innerhalb  dieser  Typen
gibt  es  eine  große  Zahl  specieller  Formen,
die  sich  immerfort  noch  vermehrt.  Die
originellste  wird  durch  die  russischen  Popowkas,
  kreisrunde  Schifse  mit  sechs
Schrauben  und  einem  Panzerturm,  vertreten,
  die  aber  noch  keine  weitere  Nachahmung
  gefunden  haben  und  nach  ihrem
Verhalten  auch  kaum  finden  werden.

Nächst  den  Panzerschiffen  sind  die  Kreuzer
  von  hervorragender  Wichtigkeit  in  der
Marine.  Früher  aus  Holz,  werden  sie
in  neuester  Zeit  meist  aus  Eisen  gebaut
und  zur  Verhütung  ihres  Bewachsens  mit
Schaltieren  und  der  dadurch  verminderten
  Fahrgeschwindigkeit  auf  einer  Plaukenlage
  unter  Wasser  mit  Kupfer=  oder
Zinkplatten  beschlagen.  Es  sind  schnelle
Schraubenfregatten  oder  Korretten  mit
Kroßen  Kohlenvorräten,  großer  Vollschiffstakelage
  und  mittelschwerer  Armierung.
Im  Frieden  dienen  sie  als  Stationsschisse
in  fremden  Meeren  zum  Schutz  des
Handels  wie  zu  ssenschafuiichen  Expeditionen,
  im  Krieg  zum  Kundschaftsund
  Sicherungsd  ienst  wie  zur  Blockade  2c.
Eine  kleine  Art  Kreuzer  bilden  die  Kanonenbootc,
  welche  in  ihrer  Gesechtsstärke
  von  den  kleinsien  Kampffahrzeugen
bis  zu  den  Kreuzern  und  Panzerkorvetten
hinüberspielen;  die  kleinern  haben  drei,
die  größern  fünf  Geschütze,  meist  lange

Kriegsschulen  —  Kriegswissenschaften.

15  cm  oder  17  cm  Ringkanonen.  In
neuerer  Zeit  sind  noch  Panzerkanonenbootc
inzugetreten,  die  nur  ein  sehr  schweres
30,5  cm)  Geschütz  in  Mittelpivotlassete
führen,  um  nach  allen  Seiten  feuern  zu
können.  Alle  Kanonenboote  sind  vermöge
ihres  geringen  Tiefgangs  vorzugsweise
zum  Küstendienst  geeignet,  werden  aber
auch  wie  die  Kreuzer  verwendet.  Außerdem
  sind  zu  den  Kriegsschiffen  noch  die
zu  Schulzwecken  dienenden  Segel=  und
Artillerieschulschisse  sowie  die  Kasernenschiffe,
  Minenleger  und  sonstigen  Hafenfahrzeuge
  zu  sehnen.

Kriegsschulen  haben  die  Aufgabe  der
kriegswissenschaftlichen  Ausbildung  der
Offizieraspiranten  aller  Waffen,  welche
vor  Zulassung  zur  Offizierprüfung  zum
Besuch  derselben  verpflichtet  sind.  Kurfus.
9—10  Monate.  Es  bestehen  K.  zu:  Potsdam,
  Erfurt,  Neiße,  Engers,  Kassel,
Hannover,  Anklam,  Metz,  welche  der  -Inspektion
  der  K.«  unterstellt  sind  (29.  Dez.
1874);  val.  Divisionsschulen.  Bayern
hat  eine  Kriegsschule  in  München.

Kriegsspiel,  die  Durchführung  einer
taktischen  Idee  auf  einem  Plan  in  großem
Maßstab  (in  der  Regel  1  1i0000  mittelst
  Truppenzeichen  in  gleichem  Maßstab
zwischen  zwei  Parteien.  Die  Truppenzeichen
  aller  Formationen  gestatten  die  Zusammensetzungbeliebiger
  Abteilungen.  Es
wurde  aus  dem  Kriegsschachspiel  des
vorigen  Jahrhunderts  durch  den  preußischen
  Hofkriegsrat  v.  Reißwitz  1824  umgebildet.
  Mit  den  bis  in  die  neneste  Zeit
geltenden  vielen  erstarrenden  Regeln  für
das  K.  ist  durch  v.  Verdy,  Meckel  u.  a.
gebrochen  worden,  welche  durch  freie  Leitung
  nachtaktischen  Grundsätzen  den  Charakter
  des  Gesechts  getreu  darstellen  wollen,
  so  daß  es  als  taktische  Uübung  gelten
kann.  —  Durch  Anregung  des  Ministers
v.  Stosch  ist  1876  ein  Seekriegsspiel
entstanden,  das  aber  noch  im  Anfangsstadium
  seiner  Entwickelung  sich  besindet.

Kriegstelegraphie,  s.  Feldtelegraphie.


Kriegswissenschaften,  alle  diejenigen
wissenschaftlichen  Fächer,  welche  sich  mit
Krieg  und  Kriegführung  beschäftigen.
Hauptkriegswissenschaften  sind:  Kriegsge-