Lager.

Lager  bezeichnet,  im  Gegensatz  zu
Quartieren,  die  Unterbringung  der
Truppen  außerhalb  bewohnter  Orte,  in
Freilagern  oder  Biwaks,  Hütten-,
SeltP  und  Barackenlagern.  —Zeltlager
  kommen  in  neuester  Zeit  in  den
europäischen  Kriegen  nicht  mehr  vor,  da.
die  Mitführung  der  Zelte  die  schnelle  Bewegung
  durch  Vermehrung  des  Trains
sehr  hemmt.  Die  in  der  französischen

Armee  gebränchlichen  zerlegbaren  Zelte
(tentes  d'abri,  s.  d.)  sind  1878  abgeschafst
worden.  Hüttenlager  werden  dann

eingerichtet,  wenn  größere  Truppenabteilungen
  zu  erwarten  haben,  daß  sielängere
Zeit  an  einem  Ort  konzentriert  bleiben.
Biwaks  werden  in  der  Nähe  des  Feindes,
wenn  man  jeden  Augenblick  in  ein  Gefecht
  verwickelt  werden  kann,  bezogen;
andernfalls  werden  stets  nach  Möglichkeit
Ortschaften  zur  Unterkunft  benutzt.  Das
Biwakieren  geschieht  möglichst  in  der  Ordre
  de  bataille,  und  ist  bei  der  Wahl  des
Platzes  auf  Gesundheit  und  Bequemlichkeit
  der  Truppen,  Schutz  gegen  Wind  und
Feuchtigkeit,  gutes  Wasser,  Tränken,  Verkehrswege
  2c.  Rücksicht  zu  nehmen.  Für
die  Anordnung  der  L.  in  sich  bestehen  genaue
  Vorschriften.  Beim  Jufanteriebataillon
  werden  die  Gewehre  zugweise
(zwölf  Halbzüge)  in  Pyramiden  zusammengestellt;
  rechts  derselben  liegt  die  zweite,
links  die  dritte,  in  der  ganzen  Breite  dahinter
  die  erste  und  vierte  Kompanie,  dahinter
  in  der  Mitte  der  Bataillonsstab;
zu  beiden  Seiten  liegen  Pferde  und  Fahrzeuge,
  im  Rücken  die  Kochlöcher.  Die  Kavallerie
  lagert  im  Regiment,  die  Eskadronshintereinander,
  Stabund  Fahrzeuge
im  Rücken,  Kochlöcher  auf  dem  linken  Flügeljeder
  Eskadron.  Die  Artillerielagert
in  Vatterien,  die  sechs  Geschütze,  ein  Munitions=
  und  zwei  Vorratswagen  in  der
ersten,  die  übrigen  Wagen  in  zweiter
Linie,  die  Mannschaften  und  Pferde  hinter
diesen,  die  Stallgassen  in  der  Nichtung
der  Zwischenräume  der  Fahrzenge,  die
Kochlöcher  im  Rücken  des  Biwaks.  Der  Biwakplatz
  eines  Infanteriebataillons  hat
200  Schritt  Front,  360  Schritt  Tiefe,  eines
Kavallerieregiments  200  Schritt  Front,
260—290  Schritt  Tiese,  einer  Batterie

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110  Schritt  Front,  220—240  Schritt
Tiese.  Die  Mannschaften  erbauen  sich
nötigenfalls  Windschirme,  indem  sie
schräg  in  die  Erde  geschlagene  Pfähle  oder
Stäbe  mit  Strauchwerk  oder  Stroh  durchflechten.
  Der  Sicherheitsdienst  zur  Absverrung
  des  Lagers  und  zum  Schutzgegen
überraschung  durch  seindlichen  Angriff
wird  durch  Lagerwachen  ausgeübt;  sie
heißen  auf  den  Flügeln  Flanken  wachen,
im  Rücken  Brandwachen.  Zur  Ausübung
  der  Lagerpolizei  dienen  innere
Wachen  und  zwar  bei  der  Infanterie  die
Fahnenwache,  bei  der  Kavallerie
die  Standartenwache  vor  der  Front
des  Lagers,  bei  den  Batterien  und  Munitionskolonnen
  die  Parkwache  in  der
Mitte  der  Fahrzenge  zwischen  erster  und
zweiter  Linie.  Diese  Wachen  sind  1  Unteroffizier,
  1  Gefreiter,  Mann  stark  und  besetzen
  einen  Posten  vor  dein  Gewehr.  Bezüglich
  der  Zelt-und  Hüttenlager  sagen
die  deutschen  Verordnungen  nur,  daß  die
für  die  innere  Einrichtung  der  Biwaks
egebenen  Formen,  soweit  angängig,  ebenalls
  in  Anwendung  zu  bringen  sind.
Die  Lagerhütten  sind  dachförmig  ans
Stangen  mit  Strohbelag  oder  Strauchgeflecht
  für  10—30  Mamn  hergestellt.  —
Barackenlager  sind  in  Dealschland  auf
den  meisten  Artillerieschießplätzen  als
übungslager  angelegt,  s.  Baracke.

Die  in  Frankreich  und  Rußlandbestehenden
  Uübungslager  bezwecken,  größere
Trupxpenabteilungen  in  Stärke  von  Divisionen,
  einem  oder  mehreren  Armeekorps
auf  längere  Zeit  zu  taktischen  übungen  und
zur  Gewöhnung  an  das  Feldleben  zu  vereinigen.
  In  Rußland  sinddicselben  bei  den
viclen  kleinen,  weit  voneinander  entsernten
  Garnisonen  notwendig.  In  Deutschland,
  wo  man  dem  Prinzip  der  fortschreitenden
  Manöver  treu  blieb,  fanden  diesc
L.  deshalb  nicht  Eingang.  —

Die  Griechen  hatten  keine  bestimmte
Lagerform,  und  nur  bei  den  Spartanern
galt  eine  strenge  Lagerordnung;  dagegen
war  bei  den  Römern  die  bagertunt  sehr
ausgebildet,  ihr  jeden  Tag  bezogenes  L.
wurde  befestigt.  Die  Gallier  und  Germanen
  lagerten  nach  Stämmen  mit  Weib
und  Kind  und  sicherten  sich  durch  eine  das