230

L.  umschließende  Wagenburg  (s.  d.).  Vom
10.  Jahrh.  ab  kamen  Zelte  und  Hütten  in
Gebrauch.  Die  Kreuzfahrer  bedienten  sich
auch  der  Zelte  und  Hütten  und  sicherten
das  L.  durch  eine  Wagenburg,  Verhaue,
Wall  und  Graben.  Beiden  Landsknechten
kam  die  römische  Lagerordnung  wieder
auf;  Reiter  und  Fußvolk  wurden  getrennt,
geräumige  Lagergassen  eingerichtet.  Dem
Feind  wnächst  lagerte  das  Fußvolk,  dahinter
  der  Kriegsherr,  Zeugmeister,  die
Artillerie  mit  Munition  auf  der  einen,
die  Reiterei  auf  der  andern  Seite.  Wagenburgen
  blieben  bis  ins  17.  Jahrh.  im  Gebrauch;
  außerdem  wurden  Schanzen  und
Gräben  zur  fortifikatorischen  Verstärkung
des  Lagers  an  eecgt.  —  Im  18.  Jahrh.
wurden  stets  Pelt  ager  augzeschlagen,  die
man  in  Linien=  und  Gassenlager
unterschied.  Die  Zelte  standen  in  so  viel
Reihen,  wie  die  Truppe  Glieder  hatte.
Beim  Gassenlager  wurden  die  Zelte  einer
Kompanie  in  zwei  Reihen  senkrecht  zur
Front  so  aufgeschlagen,  daß  eine  geräumige
  Kompaniegasse  (bei  der  Kavallerie
  und  Artillerie  „Stallgasse.)
blieb.  Nach  den  französischen  Revolutions-=kriegen
  verschwanden  die  Zelte.

Lagerhöhe,  der  senkrechte  Abstand  der
Schildzapfenachse  vom  Geschützstand;  sie
ist  gleichbedeutend  mit  Feuerhöhe,  wenn
Schildzapfenachse  und  Seelenachse  sich
schneiden.

Lagermütze,  von  1840  bis  1871  in  der
österreichischen  Armee  gebräuchliche  kleine
Kepfbedeckung,  ausdem  Tuchabgetragener
Montursstücke  mit  zwei  als  Sonnen=  und
Nackenschirm  herunterzuschlagenden  Klappen
  gefertigt.

Lagerpolizel,  s.  Lager.  ·

Lagerpunkt,  der  Punkt,  in  welchem  die
Schildzapfenachse  der  Geschützrohre  die
durch  die  Seelenachse  gedachte  lotrechte
Ebeneschneidet.  Liegt  er  unter  der  Seelenachse,
  so  heißt  er  versenkt.  Bei  glatten
Geschützen  wendete  man  diese  Lage  öfter
an,  weil  die  Lassete  dann  schmäler  und
leichter  werden  konnte.

Lagerwache,  s.  Lager.
Lamellenbremse,  s.  Bremse.
Lancaster--Kanone  ('pr.  längkäster.),  ein
nach  dem  Erfinder  benanntes  glattes  Ge-Lagerhöhe

  —  Landsknechte  (Entstehung).

schütz,  dessen  Seele  von  ovalem  Querschnitt
spiralförmig  gewunden  war,  so  daß  die
große  Achse  der  Ellipse  am  Boden  wagerecht
  lag,  an  der  Mündung  senkrecht  stand.
Hierdurch  sollte  dem  elliptischen  Geschoß
eine  Drehung  um  eine  in  der  Richtung
der  Flugbahn  liegende  Achse  gegeben
werden.  Derartige  Geschütze  wurden  im
Krimkrieg  mit  so  geringem  Erfolg  verwendet,
  daß  man  sie  augab.  Ein  ähnliches
  Schicksal  hatte  ein  nach  demselben
Prinzip  konstruiertes  Gewehr.

Lancieren  (Ipr.  lang'ss.  nennt  man  in
der  Torpedotechnik  das  Ausstoßen  der
Fischtorpedos  mittelst  komprimierter  Luft
von  2—3  Atmosphären  aus  Lancier-=rohren,
  die,  aus  Kupfer  gefertigt,  einer
groben  Kanone  ähnlich  sehen,  daher  auch
Torpedokanonen  heißen  sie  sind  entweder
  am  Land  oder  auf  dem  Deck  aufgestellt,
  oder  unter  Wasser  in  das  Schiff
eingebaut.  Erst  nach  dem  L.  tritt  die
selbstihätige  Bewegung  der  Torpedos  (vgl.
Torpedos)  ein.

Lanciers  (spr.  lang'ssiehs),  mit  Lanzen
WGiken)  bewaffnete  Reiter  des  16.  und

Jahrh.  Im  übrigen  gleichbedeutend
mit  Ulanen  (s.  b.).

Landesschützen  heißt  die  wie  die  Tiroler
  Jäger  ausgerüstete  Landwehr  von
Tirol  und  Vorarlberg,  welche  Länder
im  Frieden  10  Landes-,  im  Krieg  10
eget  und  Reservebataillone  formieren.

andmilizen

Landregimenter  s.  Landwehr.

Landsknechte.  Gegen  Ende  des  15.
Jahrh.  begiunt  insofern  eine  neue  Epoche
der  Kriegskunst,  als  um  diese  Zeit  die
Anerkennung  des  Fußvolks  als  einer  der
Reiterei  ebenbürtigen  Waffe  sich  vollzieht.
Namentlich  waren  es  die  Schweizer,  welche
diesen  Umschwung  veranlaßten,  deren
Kriegswesen  dann  von  allen  Heeren  nacheahmt

  wurde.  So  entstand  ein  deutsches
Lufvole,  das,  soweit  es  eben  deutsch  war,
den  Namen  »L.e«  erhielt,  weil  es  -  Volk
vom  Land-,  im  Gegensatz  zu  dem  vom
Gebirge,  den  Schweizern,  war.  Die  Entwickelung
  des  Landsknechttums  wurde
wesentlich  durch  Kaiser  Mar  I.  gefördert,
der,  in  seinen  Kriegen  von  der  Reichsritterschaft
  wenig  unterstützt,  den  Adel  seiner