Offizier  (Allgemeines,  Geschichtliches;  Ergänzung).

liegt  die  Möglichkeit  eines  überraschenden
  Angriffs,  wenn  es  gelingt,  die  eignen
  Absichten  so  zu  verschleiern,  daß  es
dem  Gegner  nicht  möglich  wird,  sie  rechtzeitig
  zu  eikennen.  Der  Gegner  wird  dadurch
  gezwungen,  seine  Kräfte  auf  die
möglichen  Punkte  des  Angriffs  zu  zersplittern,
  wodurch  er  an  Widerstandsfähigkeit
gegen  einen  überlegenen  Angriff  einbüßen
wird.  Die  Bedingung  für  die  Durchführung
  der  eignen  Zwecke  ist  daher  die  O.,
und  man  wird  deshalb  stets  zu  ihr  übergehen,
  sobald  man  sich  stark  genug  fühlt,
den  Gegner  überwältigen  zu  können.
Osffizier,  Gesamtname  der  militärischen
Vorgesetzten  vom  Leutnant  anfwärts,  während
  die  Vorgesetzten  abwärts  die  Klasse  der
Unteroffiziere  bilden.  über  die  Einteilung
der  Offiziere  in  Rangklassen  s.  Charge.
Der  O.  soll  der  taktische  Führer  und  Leiter
seiner  Untergebenen,  ihr  Lehrer  und  Erzieher,
  ein  Vorbild  in  und  außer  Dienst  für
sie  sein.  Diese  Forderungen  setzen  Geistesund
  Charaktereigenschaften  voraus,  die
nur  durch  eine  in  jeder  Ozziehung  sorgfältige
  Jugenderziehung  herangebildet  werden
  können,  und  deren  Vorhandensein  der
Betreffende  in  vorher  abzulegenden  Prüsungen
  und  einer  der  Beförderung  voraufgehenden
  Dienstzeit  darzuthun  hat.
Während  der  Osffizier  stand  als  solcher
in  den  deutschen  Heeren  seine  Anfänge  im
Rittertum  hat,  tritt  die  Bezeichnung  dieser
militärischen  Führer  mitdem  NamenOffiiere
  erst  vereinzelt  im  Anfang  des  16.
Hohrh.  auf,  als  der  Stand  selbst  sich  bereits
gewissen  Formen  entwickelt  hatte.  Der
gründer  des  Offizierstands  im  heutigen
Sinn  in  der  brandenburgssch-breußischen
Armee  wurde  der  Große  Kurfürst.  Nach
Sitte  damaliger  Zeit  war  das  Kriegshandwerk
  eine  freie  Kunst,  an  keine  Nationalität
ebunden,  so  daß  jeder  Kriegsherr  sich  seine
ldherren  suchte,  wo  er  sie  sand.  Auch
der  Große  Kurfürst  mußte  fremdländische
Heerführer  in  seine  Dienste  nehmen,  bemühte
  sich  aber,  ein  eignes  Offizierkorps
aus  vaterländischem  Adel  heranzubilden.
Den  ihm  überkommenen  Nangstufen  des
Obersten  mit  seinem  Stellvertreter,  dem
Oberstleutnaut,  des  Hauptmanns  mit
dem  Leutnant  als  Stellvertreter  und  des

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Fähnrichs  setzte  er  die  Generalität  voran,
zuerst  den  Feldmarschall,  später  die  Generale,
  Generalleutnants  und  General-Oberstwachtmeister,
  später  -Majors.  Im
17.  Jahrh.  war  es  in  Deutschland  beim
Obersten  Gebrauch  geworden,  sich  einen
Oberstwachtmeister  für  die  Ordnung
des  innern  Dienstes  im  ganzen  Regiment
zu  bestellen,  welcher  gleichzeitig  das  Regiment
  in  Schlachtordnung  zu  formieren
hatte  und  deshalb  beritten  war,  während
der  Oberst  der  Insanterie  zu  Fuß  vor  der
Front  stand.  Als  man  nach  dem  Dreißigjährigen
  Krieg  das  Regiment  in  Bataillone
zu  teilen  begann,  deren  jedes  aus  mehreren
Kompanien  bestand,  wurde  dem  Odberstwachtmeister
  (dem  Regiments  verwalter,
Regimentsmaier),  jetzt  Major  genannt,
das  Kommando  des  Bataillons  übertragen.
Diese  Charge  wurde  auch  vom  Großen
Kurfürsten  eingeführt  und  hiermit  die
noch  beute  bestehende  Gliederung  des  Offizierkorps
  abgeschlossen.

Die  Ergänzung  des  Ossizierkorps
aus  dem  Adel  blieb  bis  zu  den  Befreiungskriegen
  die  Norm  und  hatte  ihre  sociale
  und  kulturgeschichtliche  Berechtigung.
Wenn  auch  Friedrich  d.  Gr.  in  besondern
Fällen  Bürgerliche,  die  sich  durch  hervorragende
  militärische  Befähigung  und  Leistungen
  auszeichneten,  zu  Offizieren  ernannte,
  war  doch  dann  die  Verleihung
des  Adels  in  der  Regel  damit  verbunden;
nur  in  den  Ossizierkorrs  der  Husaren,
Artillerie  und  Ingenieure  durften  Bürgerliche
  dienen.  Mit  der  durchgreifenden
Reorganisation  des  preußischen  Heemwesens
1807—1808  erfuhr  auch  der  Offizierstand
entsprechende  Veränderungen.  Bürgerliche
  durften,  wenn  sie  im  übrigen  den  an
Offiziere  zu  stellenden  Anforderungen,  namentlich
  in  wissenschaftlicher  Beziehung,
entsprachen,  O.  werden.  Bis  dabin  erbielten
  die  Osfiziere  ihre  Erziehung  vorzugsweise
  in  dem  von  Friedrich  Wilhelm  I.  gegründeten
  Kadettenkorps,  beidem  während
der  Freiheitskriege  eintretenden  großen  Bedarf
  an  Offizieren  mußte  aber  notwendigerweise
  auf  Bürgerliche  in  umfangreicher
  Weise  gerechnet  werden.  Durch  die
allgemeine  Wehrpflicht  erhielt  das  Heer
einen  gewissen  demokratischen  Zug,  der