Pulver  (Kleinen,  Mengen,  Pressen,  Körnen).

In  100  Gewichtsteilen  P.  sind:
Salpeter  Schwefel  Kohle
Deutschland  J4  10  16

Oster-  Gewehrpulver  76,21  9,71  1408
uää  75  12  13
INeues  Pulver  74  10  16
Frank·  Kriegspulver  75  12,6  12,6
reich:  1Gewehrpulver  75  10  15
England,  Rußland  75  10  15
Belglen  74  12  14
Schweiz  77.5  9  13,5

Die  jetnzt  noch  in  Deutschland  gefertigten
Pulversorten:  Geschützpulve  r  (feinkörniges),
  grobkörniges  P.  von  4—10  mm
Körnergröße,  prismatisches  P.  C/68
und  C/75,  Gehrbulter  M/X/1  haben
alle  das  gleiche  Mischungsverhältnis.  Zur
Gewinnung  eines  guten  Pulvers  ist  ein
möglichst  vollkommenes  Kleinen  und
Mengen  der  Materialien  Grundbedingung.
  Salpeter  wird  meist  in  eisernen
Trommelnvon  1  m  Durchmesser,  Schwefel
und  Kohle  in  ähnlichen  Trommeln,  aber
aus  Holz,  innen  mit  Leder  bekleidet,  unter
Zusatz  von  Bronzekugeln  von  etwa  1,6  cm
Durchmesser  bei  bestimmter  Umdrehungsgeschwindigkeit
  gekleint.  Das  Mengen
gecchieht  in  hölzernen,  mit  Leder  ausgeleideten

  Trommeln  unter  Zusatz  von  Pockolzkugeln.
  Als  man  aber  in  neuerer
it  für  das  grobkörnige  und  prismatische
P.  eine  größere  Dichtigkeit  als  bisher
forderte,  erwies  sich  das  Kleinen  in  den
Trommeln  als  unzureichend,  da  eine  8
wisse  Elasticität  des  Satzes,  namentlich
der  Kohle,  die  größere  Verdichtung  hinderte.
Man  bringt  deshalb  den  gemengten  Satz
noch  auf  ein  Länferwerk  CEgen-  Kollermühleh).
  Die  Läufer  sind  aus  Hartgußeisen,
  1,5  m  hoch  und  wiegen  je  5250  kg.
Um  Erplosionen  des  Satzes  hier  vorzubeugen,
  die  durch  den  großen  Druck  und
die  Bewegung  der  Läufer  hervorgerufen
werden  können,  wird  der  Satz  mit  8  Proz.
Wasser  angefeuchtet.  Auch  die  Läuferbahnen
  sind  aus  Hartgußeisen,  obgleich
bronzene  zwar  weniger  gefahrvoll,  aber
auch  weniger  wirksam  für  das  Kleinen
sind.  In  Rußland  sind  Läufer  von  14,000,
in  England  von  50,000  kg  im  Gebrauch.
Die  vom  Läuferwerk  entnommenen  Pulverkuchen
  werden  dann  in  einem  Quetschwerk
  zwischen  gereifelten  Walzen  bearbeitet.

Militär-Lexiklon.

289

Um  das  P.  körnen  zu  können  (das  Körnen
  kommt  zuerst  gegen  Mitte  des  15.
Jahrh.  vorund  mit  Anfang  des  17.  Jahrh.
allgemein),  muß  es  zu  Scheiben  (Pulverkuchen)
  gepreßt  werden.  Ihm  voran
geht  das  Anfeuchten  mit  8—10  Proz.
Wasser.  Das  Pressen  geschieht  entweder
in  hydraulischen  oder  in  Walzenpressen.
  Letztere  bestehen  aus  einem  System
  von  Walzen,  die  durch  ein  Hebelwerk
mit  einem  Druck  von  30,000  kg  gegeneinander
  gepreßt  werden,  und  zwischen  welche
durch  ein  Tuch  ohne  Ende  der  Pulversatz
  geführt  wird.  In  den  hydraulischen
Pressen  wird  der  Pulversatz  zwischen  Segeltuch
  und  Kupferplatten  in  etwa  20  mm
dicken  Schichten,  40  Lagen  übereinander,
mit  einem  Druck  von  130—140  kg  auf  den
Ouadratcentimeter  gepreßt.  Zum  Köruen
  diente  bisher  eine  Siebkörnmaschine
(von  Lefebvre)  mit  einer  Anzahl  von  Sieben
  bestimmter  Maschenweiten,  worin  die
Pulverstücke  durch  Rüttelbewegung  zerrieben
  und  nach  Körnergrößen  abgeschieden
wurden.  In  neuerer  Fea-  ist  zum  Körnen
der  härtern  Pulverkuchen  für  grobkörniges
P.  eine  Walzenkörnmaschine  (von
Congreveheingeführt,  die  aus  mehrerensich
gegeneinander  drehenden  Walzenpaaren
aus  Bronze  mit  längs  und  quer  gereifelter
Mantelfläche  besteht.  Die  Ansichten  über
die  zweckmäßigste  Körnergröße  waren  bisher
  sehr  verschieden  und  sind  erst  durch  die
Anwendung  der  Gasdruckmesser  (s.  d.)  geklärt
  worden.  Man  erkannte,  daß  die
Größe  der  Körner  zu  der  der  Ladung  in
einem  bestimmten  Verhältnis  stehen  muß.
Theoretisch  müßte  man  hiernach  für  jedes
Geschütz  eine  besondre  Pulversorte  haben,
Fraktisch  ist  eine  Einschränkung  nicht  nur
geboten,  sondern  auch  erlaubt,  unbeschadet
der  Leistungsfähigkeit  des  Geschützes.  So
entstand  für  die  Feldgeschütze  C/73  das
grobkörnige,  für  die  Panzergeschütze  das
prismatische  P.C/68  in  Form  sechsseitiger
Prismen  von  24,0  mm  Höhe  und  40  mm
Durchmesser  über  Eck.  Durchdas  Prisma
gehen  sieben  Kanäle  von  4,  ömm  mittlerm
Durchmesser.  Für  die  28  und  30,5  cm
Kanone  ist  dagegen  das  prismatische  P.
C/75,  welches  nur  einen  Kanal  von
9  mm  Durchmesser  hat,  eingeführt.
19