Radschloß  —  Raketen.  293

sitzt  eine  Scheibe  senkrecht  zur  Nabenachse,
vom  Stoßende  wird  eine  zweite  Scheibe  mit
kurzer  Röhre  geschoben,  und  nachdem  zwichen
  beide  Scheiben  die  Speichen  gesteckt
sind,  werden  dieselben  mit  den  Speichen
durch  zwölf  Schraubenbolzen  zusammengepreßt.
  Diese  Konstruktion  gestattet  den
Ersatz  einer  Speiche  ohne  Abnahme  des
Radreifens.  Die  Bronzenaben  haben  zwei
Buchsringe,  alle  andern  Naben  sind  aus
den  und  haben  eine  durchgehende  Buchse.
Zum  Verhindern  des  Eindringens  von
Schmutz  in  die  Nabe  greift  der  napfförmig
umgebogne  Rand  des  Mitnehmerkopfs  am
Stoß  der  Achse  um  die  Nabenröhre;  in
ähnlicher  Weise  greift  auch  die  Röhrscheibe
über  das  Röhrende  der  Nabe.  Die  Näder
am  Vorderwagen  heißen  Vorder-,  die  des
Hinterwagens  Hin  terräder.  In  der  Feldartillerie
  ist  Protz=  und  Laffetenrad  gleich,
und  heißen  diese  Räder  deshalb  Einheitsräder.
  Blockräder  sind  niedrige,  in  der
Mitte  zur  Aufnahme  der  Achse  durchbohrte
  Scheiben  aus  Holz  oder  Eisen.  Die
Schwenkräder  der  Küstenlasseten  haben
  an  der  Stirn  eine  tiefe,  halbkreisförmige
  Ausdrehung,  mit  der  sie  auf  der
Schwenkbahn  laufen,  die  auf  dem  Geschützstand
  befestigt  ist.  Rollräder  sind
ganz  niedrig,  wie  die  Rahmenrollräder
der  Schiffslaffeten.

RKadschloß,  s.  Handfeuerwaffen

175)

RKahmenminen,  s.  Torpedo  (S.351).

Naketen  sind  Hülsen  aus  Papier  oder
Metall,  mit  verdichtetem  Treibsatz  gefüllt.
Die  an  dem  einen  Ende  ausströmenden
Gase  treiben  die  N.  in  der  entgegengesetzten
  Richtung  fort.  Da  die  treibende  Kraft
um  so  größer  ist,  jemehr  Gaseausströmen,
und  die  Menge  der  letztern  mit  der  Größe
der  breunenden  Satzfläche  wächst,  so  gibt
man  dem  Satz  eine  Höhlung  (Seele);
über  dieser  befindet  sich  eine  massive  Satschicht
  (Zehrung),  die  erst  nach  dem  Abbrennen
  der  Seelenwandung  aufgezehrt
sein  darf,  weil  erst  dann  die  Vorderbeschwerung
  entzündet  und  abgestoßen  werden
  soll.  Der  Raketensatz  ist  entweder
der  Pulversatz,  oder  es  ist  diesem  zur  Verlangsamung
  Kohle  zugesetzt.  Die  R.  sind
mit  einem  als  Steuer  dienenden  Naketenstab

  versehen,  dergleichzeitig  den  Zweck
hat,  dem  Schwerpunkt  eine  bestimmte  Lage
in  der  Längenachse  der  R.  zu  geben;  er  ist
entweder  rund  odervierkantig  aus  Holz  gelertigt.
  Diebewegende  Kraft  der  Gase  macht
die  R.  geeignet,  als  Träger  von  Leucht-,
Brand=  oder  Sprengkörpern  zu  dienen,
  die  auf  die  Hülle  vorn  aufgeschraubt
oder  mittelst  Tülle  aufgeschoben  und  durch
eine  Ausstoßladung  von  der  Hülse  abgestoßen
  werden.  Man  nennt  diese  R.  zum
Unterschied  von  den  in  der  Lustfeuerwerkei
  gebräuchlichen  Kriegsraketen.

Die  R.  sind  von  den  Chinesen  schon
im  10.  Jahrh.,  in  Europa,  namentlich
in  Deutschland  und  Italien,  vom  Ende
des  13.  Jahrh.  an  bis  in  das  18.  Jahrh.
in  mannigfacher  Weise  zu  Kriegszwecken
verwendet  worden.  In  großartigster  Weise
hatte  sich  das  Raketenwesen  in  Indien
entwickelt,  wo  die  Engländer  1799  diese
Waffe  keunen  lernten  und,  nachdem  sie
durch  Congreve  vervollkommnet,  bei  sich
als  Kriegswafsse  in  wölf  Kalibern  bis
zum  achtzölligen,  bei  den  Feldtrupten  b-,
12=  und  24pfündige  einführten.  Durch
den  Dänen  Schuhmacher  Anfang  dieses
Jahrhunderts  in  andrer  Richtung  ausgebildet,
  wurden  die  R.  auch  in  Osterreich
durch  Augustin  eingeführt,  wo  sie  erst  1867
ausschieden.  Die  Congreveschen  R.  hatten
  eine  cylindrische,  die  Angustinschen
eine  konische  Seele.  Man  hatte  Granat=Kartätsch-,
  Brand=  und  Leuchtraketen.
  Die  englischen  hatten  Schußweiten
bis  3000,  bie  österreichischen  bis  1200  m.
Zum  Abfeuern  werden  die  R.  auf  ein
dreibeiniges  Raketengestell  oder  Stativ
  gelegt.  In  Englaud  wurde  für  schwerere
  Kaliber  eine  Art  Raketengeschütz
verwendet,  bu  welchem  eine  kalibermäßige
Leitröhre  auf  einem  fahrbaren  Gestell  ruhte.
Bei  der  von  Hales  1846  erfundenen  Rakete
  strömten  die  Gase  hinten  durch  eine
Platte  mit  spiralförmig  gebohrten  Löchern,
wodurch  die  Rakete  eine  Drehung  um  ihre
Längenachse  erhielt  und  der  Raketenstab
entbehrlich  wurde.  Sie  gtlangte  in  England
  und  Osterreich  zur  Einführung.  In
Preußen  wurden  R.  von  5  und  8  cm
Durchmesser  der  Hülse  eingeführt,  von
denen  nur  noch  die  letztern,  in  deren  Achse