Tauwerk  —  Technische  Institute.

richten  versehen,  dorthin  zurückkehrten.
In  dieser  Weise  hat  die  T.  den  kriegerischen
  Unternehmungen  nicht  unwesentliche
Dienste  geleistet,  die  um  so  höher  anzurechnen
  sind,  als  sie  ohne  Vorbereitungen
für  diesen  Zweck  aus  der  Hand  von  Privatpersonen
  in  Thätigkeit  traten.  Es
wurde  hierdurch  der  Beweis  geliefert,  daß
durch  die  T.  der  Verkehr  miit  einer  belagerten
  Festung  auch  daun  noch  vermittelt
  werden  kann,  wenn  durch  die  Belagerer
  jede  weitere  Verbindung  abgeschnitten
ward,  und  hierin  ist  ihr  Nutzen  zu  suchen.

Die  Verwendung  der  Brieftauben
beruht  auf  ihrem  Heimatsinn;  durch  Zuchtwahl
  von  Tauben,  die  sich  durch  besondre
Treue  des  Gedächtnisses  bei  entsprechendem
  Körperbau  auszeichnen,  ist  man  zu
Tanben  gelangt,  die  noch  bis  100  Meilen
den  Rückweg  #nden  und  in  einer  Stunde
9  Meilen  zurücklegen;  doch  ist  bei  solchen
Entfernungen  auf  die  Rückkehr  nicht  mehr
sicher  zu  zählen.  Auf  15—20  Meilen
kommen  bei  günstigen  Verhältnissen  fast
alle  Tauben  an,  mit  zunehmender  Weite
verringert  sich  deren  Zahl  in  steigendem
Verhältnis.  Von  Paris  sind  350  Taubensendungen
  mit  im  ganzen  534  Tauben
abgegangen,  von  denen  aber  nur  100  zurückkehrten.
  Man  hossft  indes  durch  sorgsältige
  Dressur  günstigere  Ergebnisse  zu
erzielen  und  hat  seitdem  in  allen  größern
Staaten  Taubenpoststationen  für
Kriegszwecke  eingerichtet.

In  Deutschland  ist  der  Hauptsitz  der
militärischen  T.  in  Köln:  Stationen
bestehen  außerdem  in  Straßburg,  Met,
Mainz  und  Würzburg:;  das  Budget
der  T.  beträgt  jährlich  10,500  Mark.  In
Frankreich  hat  man  der  T.  eine  weitere  Ausdehnung
  gegeben  und  will  einen  Bestand
von  100,000  Tauben  halten.  Hauptstation
  ist  auf  dem  Mont  Valérien  bei  Paris;
Stationen  sind  in  Lille,  Verdun,  Toul
und  Belfort.  Auch  Osterreich  und  Rußland
  haben  Tanbenposten  eingerichtet.  In
Paris  hat  man  1870  die  Depeschen  durch
Mikrophotographie  auf  Kollodiumhäutchen
  übertragen  und  so  den  Inhalt  von
zwölf  Journalen  auf  ein  Blättchen  von
40  omm  zusammengedrängt.  Die  etwa
14  gem  großen  Blättchen  wogen  0,5  g,

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wurden  zusammengerollt  in  eine  Federpose
gesteckt  und  diese  mittelst  seinen  Drahts
und  Seidenfadens  an  einer  Schwanzseder
  der  Taube  befestigt.  Um  für  das

berbringen  der  Nachrichten  Sicherheit  zu
haben,  müssen  immer  mehrere  Tauben
aaufgelassen:  werden  und  zwar  um  so
mehr,  je  Küöser  die  Entfernung  ist.  Um
sie  gegen  Raubvögel  zu  schützen,  gibt  man
ihnen  wohl  eine  Glocke  von  hellem  Klang
mit  auf  den  Weg,  doch  wird  der  Flug  dadurch
  beeinträchtigt.

Die  Dressur  der  Tauben  beginnt
schon  früh,  sechs  Wochen  nach  der  Geburt,
mit  der  Absonderung  und  sorgfältigen
Pflege.  Man  bringt  7  zuerst  in  Körben
4—5  ku  fort  undläßt  sie  aufsteigen.  Nach
und  nach  werden  die  Entfernungen  vergrößert.
  Erst  nach  drei  Jahren  sind  sie  als
ausgebildet  zu  betrachten,  aber  nur  für
eine  Route.  Werden  sie  nicht  zu  sehr  anestrengt,

  so  halten  sie  dann  wohl  mehrere
##re  aus.  —  Vgl.  Ruß,  Die  Brieftaube
(Hannor.  8  Lenzen,  Die  Brieftaube
  (Dresd.  1873);  Sabbagh,  Die
Brieftaube  (a.  d.  Arab.),  nebst  Anhang  von
Löper,  Beiträge  zur  Geschichte  der  T.
(Straßb.  1879).

TTauwerk  wird  entweder  aus  Hanfoder
Draht  gefertigt.  Taue  aus  russischem
(oder  europäischem)  Hanf  werden  der
Haltbarkeit  wegen  geteert,  solche  aus  Manilahanf
  nicht,  sie  schwimmen  auf  dem
Wasser.  Zur  Herstellung  von  Tauen  werden
  Kabelgarne  (s.  d.)  nach  rechts  gesponnen,
  durch  heißen  Teer  gezogen,  18—
50  derselben  nach  links  zu  einem  Kardeel,
3—5  Kardeele  nach  rechts  zu  einer  Trosse
zusammengedreht;je  nach  der  Zahl  der  Kardeele
  heißen  sie  sdrei-,  vier-,  fünfschäftig.
Das  laufende  Gut  (s.  Gutg)  ist  drei-,
das  stehende  vierschäftig.  Drei  Trossen,
nach  links  zusammengedreht,  geben  ein
Kabel.  Drahttaue  werden  aus  verzinktem
  Eisendraht  in  ähnlicher  Weise  gefertigt
  und  zum  stehenden  Gut  verwendet.  In
neuerer  Beit  meist  mit  Hanfseele  gefertigte
Stahldrahttaue  haben  sich  auch  zu  Verhol=
  und  Schlepptrossen  gut  bewährt  und
die  Eisendrahttaue  vielfach  verdrängt.

Technische  Institute  der  Artillerie
nsid:  die  Artilleriewerkstätten  zu  Span-