Türkei  (Heeresorganisation,  Marine).  359

welche  auch  die  noch  vorhandenenältern  ersetzt
  werden  sollen.  Im  Frieden  soll  jedes
Bataillon  300  Mann,  jede  Eskadron  100
Pferde,  jede  Batterie  4  Geschütze  haben,
im  Krieg  auf  1000  Köpfe,  150  Pferde,
6  Geschütze  sich  ergänzen.

Die  Kriegsstärke  der  Armee  mit
Ausschluß  der  Lokal=  und  Depottruppen
wie  des  Landsturms  würde  daher  betragen:

Saneerie=  Bataillone  mit  468000  Mann

36  Schützen.
432  Eskadross.  64800
288  Feldbatterin  57600
18  Pionierbataillone  10800
18  Trainbatalllonweooaa  9000

Zusammen:  610  200  Mann
mit  1728  Feldgeschützen.  Die  Friedenspräsenzstärke
  würde  etwa  100,000  Mann
betragen.  Die  Durchführung  dieser  Reorganisation
  ist  ernste  Absicht,  ob  aber  die
schlechten  Finanzen  wie  die  übrigen  türkischen
  Verhältnisse  diese  den  europäischen
Kulturstaaten  entlehnten  Heereseinrichtungen
  werden  wirklich  ausführen  lassen,
erscheint  voch  sehr  zweifelhaft.  Die  geringsten
  Schwierigkeiten  bietet  die  Bewassnung,
  da  in  den  Arsenalen  etwa  350,000
Heury-Martini-,  400,000  Snider-,  20,000
Winchesier-Repetier=  und  20,000  Remington-Gewehre
  vorhanden  sind.

Der  Sultan  ist  Kriegsherr,  der  Kriegsminister
  (Seraskier)  der  eigentliche  Chef
der  Armec,  das  Kriegsministerium  die
oberste  Kommando=  und  Verwaltungsbehörde;
  Divisionen  und  Brigaden  bestehen
im  Frieden  nicht  und  wurden  im  letzten
Kriege  ganz  willkürlich  gebildet.  Für  die
Aushebung  bestehen  im  Korpsbezirk  so
viel  Bezirkskommandos,  wie  das  Armeekorps
  Bataillone  hat.  Das  jährliche  Rekrutenkontingent
  soll  37,500  Mann  betragen.
  —  Der  Ersatz  der  türkischen
Armee  ist  voricglic,  da  den  gemeinen
Muselmanen  Genügsamkeit,  Gehorsam
und  Tapferkeit  in  hohem  Grad  auszeichnen;
  dagegen  ist  das  Offizierkorps,  entsprechend
  den  verrotteten  gesellschaftlichen
Zuständen  in  den  höhern  Schichten,  höchs
mangelhaft.  Nach  ihrer  Vorbildung
stehen  in  demselben  zwei  scharf  getreunte
Teile:  Zöglinge  der  Militärschule  von
Konstantinopel  und  der  Artillerie=  und

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Ingenieurschule  daselbst  und  die  aus  den
Unleroffizieren  hervorgegangenen  Offiziere;
  diese  bilden  die  Masse,  erstere  eine
verschwindende  Minderheit.  Die  wissenschaftlichen
  Leistungen  jener  Lehranstalten
sind  gering,  für  die  geistige  Ausdildung
der  Unteroffiziere  und  Mannschaften  geschieht
  nichts,  daher  auch  eine  große  Anzahl
  der  Offiziere  des  Lesens  und  Schreibens
  nicht  kundig  ist.  Dem  entspricht
auch  ihre  sociale  Stellung.  Bezeichnend
hierfür  ist,  daß  alle  Offiziere  bis  zum
Oberst  derart  kaserniert  sind,  daß  nur
die  Stabsoffiziere  eine  eigne  Stube  haben,
  während  die  Hauptleute  und  Leutnants
  zu  3—4  Mann  ein  Zimmer  bewohnen.
  Die  Generale,  die  offiziell  den
Titel  Pascha.  führen,  bilden  eine  Gesellschaftsklasse
  für  sich.  Das  Sanitätswesen
liegt,  trotz  einiger  vorhandenen  großartigen
  Lazarette,  sehr  im  argen,  da  der  Etat
an  Urzten,  meist  Christen,  auch  nicht  annähernd
  vollzählig  ist.  —  Die  Bewassnung
  ist  vorzüglich:  die  Infanterie  führt
Henry-Martin-Gewehre,  die  Karallerie
und  Artillerie  Wiuchester-Karabiner  und
Revolver,  die  Feldartillerie  8  u.  9#em  bronzene
  Hinterlader  und  Kruppsche  Kanonen.
Die  Gebirgsbatterien  haben  5,5  cm  Whitwarch-Gchchithe,
  die  Mitrailleusen  sind
nach  dem  System  Montigun.  In  der  Festungsartillerie
  sind  viele  Kruppsche  Geschütze
  vorhanden.  Uniforme  blaue  Jacke
mit  gelbem  Vorstoß,  Weste  mit  rotem  Gurt
(Jäger  grün),  weite  Beinkleider,  blauer
Mantel,  Schuhe;  Artillerie  und  Kavallerie:
  Stiefel,  die  Jacke  verschnürt.  Allgemeine
  Kopfbedeckung  ist  das  Fes.  Die
Offiziere  tragen  den  langen  französischen
Waffenrock  mit  goldnen  und  loernen
Borten  am  Armel  als  Chargenabzeichen.
Die  Truppen  sind  fast  überall  kaserniert.

Die  türkische  Marine  zählte  1880
folgende  S  15  Panzerschiffe,  37
Kreuzer,  7  Fahrzeuge  der  ehemaligen  Donauflottille,
  darunter  4  gepanzerte.  Die
Panzerschisse,  sämtlich  aus  Eisen  gebaut,
bestehen  aus  1  Breitseit-,  2  Turm-,  kleinern
  und  5  größern  Kasemattschiffen.  Die
größfere  Zahl  dieser  Schisse  is  von  guter,
um  Teil  mustergültiger  Konstruktion;  sie

ben  eine  verhältnismäßig  starke  Armie-