372  Waffenplatz

Dem  W.  ist  eine  besondre  Waffenmeisterswerkstatt
  eingerichtet.  Er  hat
also  eine  ganz  ähnliche  Stellung  bei  der
Feldartillerie  wie  die  Bataillonsbüchsenmacher
  bei  der  Infanterie.  W.  wurden
1877  eingeführt.

Waffenplatz,  s.  Festung  (S.  419).

Wasfenrock,  ein  vorn  ganz  geschlossener
Tuchrock  mit  vollen  Seben  und  einer
oder  zwei  Reihen  Knöpfen;  er  wurde  zuerst
Anfang  der  40er  Jahre  dieses  Jahrhunderts
  in  Preußen,  seitdem  in  fast  allen  Armeen
  eingeführt.  Er  hat  seinen  Namen
von  dem  Wappenrock,  der  in  reichster  Ausstattung
  Ende  des  Mittelalters  in  der
ritterlichen  Tracht  über  der  Rüstung  getragen
  wurde.

Waffeuruhe,  s.  Waffenstillstand.

Waffenstillstand,  die  Einstellung  der
Feindseligkeiten  zwischen  zwei  kriegführenden
  Parteien  auf  Grund  eines  Abkommens
oder  abgeschlossenen  Vertrags.  Die  Dauer
des  Waffenstillstands  wird  entweder  auf
bestimmte  Zeit  oder  auf  Kündigung  festesetzt

  und  hierbei  gleichzeitig  eine  Grenze
W#mortationglinh  vereinbart,  die
von  keiner  Partei  überschritten  werden
darf.  Ein  W.  wird  in  der  Regel  zum
Zweck  von  Friedensunterhandlungen  ab-8
  chlossen,  eine  Waffenruhe,  ein  W.  auf
urze  Dauer,  meist  zur  Fürsorge  für  Verwundete
  und  Tote  nach  großen  Schlachten
oder  zur  Einleitung  von  Kapitulationen  2c.
nt  (Wagarmbrust),  s.  Arkuballisten.


Wagen  als  Kriegsfahrzeuge  sind
vierräderige,  von  den  Truppen  und  Trains
mitgeführte  Fahrzeuge.  Sie  hanen  für
ihren  besondern  Zweck  eine  demselben  entsprechende
  Einrichtung  und  Benennung.
Ju  allgemeinen  bestehen  die  W.  auseinem

order=  und  Hiuterwagen,  die  jeder
eine  Achse  mit  zwei  Rädern  haben.  Am
erstern  befindet  sich  die  Deichsel  zum  Anspannen
  der  Pferde  u.  Lenken  des  Wagens.
Die  Art  der  Verbindung  von  Vorder=  und
Himterwagen  ist  verschieden,  aber  von  soler

  Bedeutung,  daß  sie  für  die  Bauart  des
Wagens,  nach  welcher  die  Systeme  zu  unterscheiden
  sind,  bestimmend  ist.  Die  Feldgeschütze
  und  sämtliche  W.,  mit  Ausnahme
der  Vorrats=  und  Packwagen  der  Feldar-—

  Wagen.

tillerie,  sind  nach  dem  Balanciersystem
(s.  Laffeten,  S.  227)  gebaut,  weil  sie  der
rößtmöglichen  Biegsamkeit  (Heben  und
nken  der  Deichsel)  wie  Lenkbarkeit  (Seitwärtsbiegung
  der  Deichsel)  bedürfen,  um
querfeldein  in  schneller  Gangart  fahren
u  können,  wie  es  die  Gefechtsverhältnisse
sordern.  Beim  Lenkscheitsystem  ist  der
Vorder=  mit  dem  Hinterwagen  durch  einen
von  diesem  ausgehenden  Langbaum  verbunden,
  durch  dessen  Ose  im  vordern  Ende
der  Langbaum=  oder  Spannnagel
geht  und  die  Verbindung  mit  dem  Vorderwagen
  bewirkt.  Die  Deichselarme,  zwischen
  denen  die  Deichsel  steckt,  sind  über  die
Achse  hinaus  verlängert,  ihre  hintern  Enden
  durch  das  Lenk=  oder  Reibscheit  verbunden,
  über  welches  der  Langbaum  hinweggeht,
  so  daß  hierdurch  die  Deichsel  getragen
  wird.  Das  Lenkscheit  hat  man  auch
kreisrund  gemacht  und  den  Spannnagel  in
den  Mittelpunkt  dieses  Kreises  gesetzt.  Die
Vorderräder  laufen  dann  unter  den  Hinterwagen,
  zu  welchem  Zweck  dieser  in  der
Regel  einen  Ausschnitt  hat,  in  welchen  die
Räder  eintreten  können;  der  Langbaum
ist  damit  fortgefallen.  Dadurch  wird  dann
ein  Lenkungswinkel  von  90°  und  mehr  ermöglicht,
  so  daß  diese  W.  des  geringsten
Raums  zum  Kehrtmachen  bedürfen.  ieses
  »Bocksystem  mit  unterlaufenden
Nädern«  ist  durch  Werder,  den  Erfinder
des  bekannten  Gewehrsystems,  dahin  verbessert
  worden,  daß  er  die  große  Reibung
bei  der  Anwendung  einer  zweiten,  am  Vorderwagen
  sitzenden  Kreisschiene,  die  auf
der  erstern  liegt,  durch  zwei  Gleitstücke  beseitigte,
  die  er  an  Stelle  der  obern  Kreisschiene
  setzte.  An  die  Stelle  des  Spannnagels
  ist  eine  Art  Pratznagel  getreten,
der  eine  nicht  unwesentliche  Biegsamkeit
der  ricsse  erlaubt.  Dieses  abgeänderte
Lenkscheitsystem  ist  bei  den  Vorrats=  und
Packwagen  und  noch  andern  Transportfahrzeugen
  der  Artillerie  und  des  Trains
kur  Anwendung  gekommen.  Bei  allen
iesen  Fahrzeugen  besteht  der  Vorderwagen
meist  nur  aus  der  Achse  mit  den  Rädern
undder  Deichsel,  währendder  Hinterwagen
den  Kasten  zur  Aufnahme  der  zu  transportierenden
  Gegenstände  trägt;  hierauf
bezieht  sich  auch  meist  ihre  Benennung,  wie