8

eines  der  beiden  deutschen  Großstaaten  in  Deutschland,  und  deßhalb
  in  den  Tagen  von  Olmütz  wiederum  auf  Seite  Oesterreichs,
glaubte  der  Zustimmung  Englands  gewiß  zu  sein,  als  es  im  Jahre
1854  den  Versuch  machte,  der  Herrschaft  des  Sultans  in  Europa
den  Todesstoß  zu  versetzen.  Es  wurde  aber,  noch  dazu  durch
Oesterreich  in  seinen  Bewegungen  gehemmt,  mit  Englands  und
Frankreichs  Hülfe  zurückgedrängt.  Seitdem  bemüht,  die  ihm
durch  diesen  Krieg  geschlagenen  schweren  Wunden  zu  heilen,  und
unter  der  Regierung  seines  jetzigen  Kaisers,  des  würdigen  Erbens
des  Namens  und  der  edlen  und  liberalen  Gefinnungen  Alexanders
  I.,  mit  Eifer  an  den  Umgestaltungen  seiner  innern  Verhältnisse
  arbeitend,  gleichzeitig  ermuthigt  durch  die  glücklichen  Erfolge
an  den  Ufern  des  Amurs  und  in  den  Bergen  des  Kaukasus,  scheint  es
sein  Auge  mehr  auf  den  Orient  als  auf  Europa  gerichtet  zu  haben.
Wenn  Rußland  jetzt,  angeblich  als  Beschützer  der  griechischen
Kirche,  wiederum  seine  kühnen  Pläne  auf  Konstantinopel  aufnimmt,
  wie  aus  mehrfachen  Anzeichen  und  namentlich  aus  den
bedeutenden  Truppenansammlungen  am  Pruth  zu  schließen,  so
dürfte  für  seine  Pläne  ein  um  so  sichrerer  Erfolg  zu  erwarten  sein,
als  viele  Thatsachen  dafür  sprechen,  daß  es  jetzt  im  völligen  Einverständniß
  mit  dem  auf  Englands  Einfluß  im  Orient  eifersüchtigen
  Frankreich  handelt,  als  es  zur  Zeit  nicht  befürchten  darf,
von  dem  so  geschwächten  und  anderweitig  beschäftigten  Oesterreich
  in  seiner  Action  gehindert  zu  werden,  und  jetzt  nach  endlicher
Befiegung  der  Bergvölker  der  größte  Theil  seiner  kankasischen
Armee  verwendbar  ist.

II.

In  dieser  soeben  angedeuteten  Weltlage,  worin  das  Uebergewicht
  Frankreichs  und  die  Zersplitterung  Deutschlands  am
meisten  hervortritt,  während  England  sich  meistens  indolent  ver-