12

fie  sich  nicht  selbst  erringt,  nichts  nehmen,  wofür  sie  die  Existenz
des  Staates  einsetzt.  Man  darf  von  Napoleon  III.  nie  die
zweite  Auflage  eines  politischen  Actes,  nie  eine  Ungeschicktheit
erwarten.  Dessenungeachtet  diente  das  Gerücht,  besonders  indem
es  sich  an  Preußens  populäre  Bestrebungen,  Deutschland  zu
einigen  und  zusammenzufassen,  anlehnte,  dazu,  Preußen  und
Frankreich  noch  weiter  zu  verdächtigen.

III.

Eine  unmittelbare  Folge  dieser  Besorgnisse  war  für  Deutschland
  eine  erhöhte  politische  Aufregung  und  vermehrte  Störung
des  wirthschaftlichen  Lebens  in  der  Nation.  Hatte  schon  der
Krieg  zwischen  Frankreich  und  Oesterreich  und  die  Frage,  in  wie
weit  Deutschland  sich  dabei  zu  betheiligen  habe,  Deutschland  in
zwei  Lager  gespalten,  war  in  Folge  dessen  eine  kostspielige  Kriegsbereitschaft
  eingetreten,  welche  Anleihen  nothwendig  machte,  die
Kräfte  der  Einzelstaaten  zu  Militärzwecken  erheblich  in  Anspruch
nahm,  und  Friedensunternehmungen  aller  Art  unterbrach,  so
wirkte  die  Annahme  eines  von  Frankreich  drohenden  Angriffskrieges
  und  der  Möglichkeit  eines  Abkommens  zwischen  Frankreich
und  Preußen  rückfichtlich  der  Neugestaltung  Deutschlands  gegen
das  Opfer  der  Rheinprovinzen  noch  nachtheiliger.  Die  politische
Agitation  beschäftigte  sich  ruhelos  mit  dem  Verhältniß  Preußens
zu  Oesterreich,  mit  der  Versöhnung  und  Verständigung  beider
Staaten  zum  Schutze  des  Ganzen,  mit  Mitteln  zur  Begründung
einer  deutschen  Centralgewalt,  zur  Reform  der  deutschen  Kriegsverfassung,
  während  man  von  anderer  Seite  in  der  Annäherung
Preußens  an  Oesterreich  Gefahr  für  die  Unterbrechung  der  innern
deutschen  Verfassungsreformen  und  der  deutschen  Freiheitsbewegung
erblickte,  an  deren  Spitze  Preußen  stand.  Steht  es  doch  geschichtlich
  fest,  daß  äußere  Gefahr,  wenn  man  dabei  nicht  gleichzeitig