Quellen  des  Handelsrechts  im  Mittelalter.  Code  de  commerce.  8  4.  11

persone  scribi  aliquam  pecuniae  quantitatem  in  libro  tabulae  alicujus  campsoris  tenentis
publice  tabulam  sive  mensam  presente  et  volente  creditore,  statim  liberatus  sit  ab  illo
cui  fecerit  scribi  .  .  Sive  talis  campsor  solverit  sive  non.

e)  Seerechtsbücher.  Tabula  de  Amalfl  und  Roles  des  jugementz  d’'Oléron
aus  dem  11.  oder  12.,  der  aus  Barcelona  stammende  Consolat  del  mar  aus  dem  14.,  ein
fälschlich  als  Seerecht  von  Wisby  bezeichnetes  hanseatisches  Rechtsbuch  aus  dem  15.,  der
Guidon  de  la  mer  aus  dem  16.  Jahrh.  Probe  aus  den  Roles  des  jugementz  d’Oléron
c.  4:  Si  ainsi  estoit  que  le  mestre  (Kapitän)  et  les  marchantz  promeissent  as  giens  qui  lor
aident  à  saufver  les  dicts  biens  et  la  neef  (Schiff),  la  tierce  partie  ou  la  moitié  de  la  neef
et  des  dictes  darrées  (Waren)  qui  pourroient  estre  saufvées,  pour  le  peril  où  ilz  estoient,
la  justice  (Gericht)  du  pays  doit  bien  garder  qduelle  peine  et  quel  labeur  ilz  auroient  mis
à  les  saufver  et  selon  cette  peine  non  contrestant  la  promesse  (selbst  im  Widerspruch  zu
dem  Versprechen)  que  le  mestre  et  les  marchantz  lor  auraient  faicte,  les  guerdonner  (belohnen).
  Probe  aus  dem  Cons.  del  mar  c.  194:  Si  abans  que  aquella  manleuta  28ia
pagada,  si  la  nau  se  perdra,  personer  algu  no  n's  tengut  de  res  a  retre  a  aquell  qui  prestat
hi  haura,  pus  due  la  nau  sera  rota  e  perduda  (wenn,  bevor  jenes  Darlehn  bezahlt  ist,  das
Schiff  verloren  geht,  niemand  von  den  Mitreedern  ist  gehalten,  Sachen  zurückzugeben
dem,  der  sie  geliehen  hat,  weil  das  Schiff  zerbrochen  und  verloren  ist).

II.  Seit  dem  17.  Jahrhundert  hat  sich  das  Verhältnis  von  Gesetzesund
  Gewohnheitsrecht  verändert:  die  Gesetzgebung  greift  mit  größerem
Nachdruck  in  das  Handelsrecht  ein  und  macht  sich  inhaltlich  vom  Handelsgewohnheitsrecht
  unabhängiger.  Es  werden  nunmehr  auch  größere  Gesetzbücher
  erlassen,  die  zwar  nicht  das  gesamte  Handelsrecht,  aber  doch  eine
größere  Reihe  handelsrechtlicher  Institute  umfassend  regeln,  die  sog.  Kodifikationen
  des  Handelsrechts.  Das  Handelsgewohnheitsrecht  besteht  freilich
noch  jetzt  für  viele  Einzelfragen  oder  auch  für  ganze  in  den  Kodifikationen
übergangene  Rechtsinstitute  fort,  wird  aber  durch  das  Gesetzesrecht  immer
mehr  in  den  Hintergrund  gedrängt.

1.  Den  Anfang  macht  auf  Anregung  Colberts  und  unter  dem  Einfluß
  des  Kaufmanns  Jacques  Savary  Frankreich  mit  der  Ordonnance  de
commerce  1673  und  der  Ordonnance  touchant  la  marine  1681.  Auf  der
Grundlage  dieser  Ordonnanzen  ergeht  1807  der  Code  de  commerce.
Diese  französischen  Gesetze  haben  trotz  ihrer  knappen  Fassung  den  größten
Einfluß  auf  das  Handelsrecht  ausgeübt,  und  zwar  weit  über  die  Grenzen
Frankreichs  hinaus.

Der  Inhalt  der  O.  de  commerce  ist  verhältnismäßig  dürftig:  kaufmännisches  Personenrecht,
  Makler,  H.  Ssbücher,  H.  Sgesellschaften,  Wechselrecht,  Konkurs,  H.sgerichtsbarkeit.
So  bestimmt  z.  B.  tit.  I.  6:  tous  négociants  et  marchands  en  gros  et  en  détail,  comme
aussi  les  banquiers,  seront  réputés  majeurs  pour  le  fait  de  leur  commerce  et  banque,
sans  du’ils  puissent  ẽtre  restitués  sous  prétexte  de  minorité  (also  „Handel  macht  mündig“).
—  Der  Code  de  commerce  ist  ein  Stück  der  großen  napoleonischen  Gesetzgebung,  von  Bégouen
  entworfen,  1807  verkündet,  1808  in  Kraft  getreten;  er  fügt  den  in  der  Ord.  de  commerce
  behandelten  Gegenständen  das  Seerecht  sowie  Regeln  über  den  Beweis  des  H.skaufs,
über  Kommissions=  und  Frachtgeschäft  hinzu,  gilt  aber  heute  nur  in  abgeänderter  Gestalt.

2  Sammlungen  seerechtlicher  Quellen  von  Pardessus,  Collection  de  lois  maritimes
  (28);  Twiss,  Monumenta  juridica,  the  black  bock  of  the  admiralty  (71).