330  Fünfter  Abschnitt.  Die  Kredit-  und  Zahlungsgeschäfte.

Beispiele.  I.  Wenn  jemand  jahrelang  alle  seine  Bücher  bei  dem  nämlichen  Buchhändler
  kauft  und  seine  Rechnung  jedesmal  erst  am  Jahresschluß  bezahlt,  so  ist  dies  kein
echter  KK.  Denn  hier  entstehn  Geldansprüche  regelmäßig  nur  auf  seiten  des  Buchhändlers.
II.  Wenn  jemand  wiederholt  bares  Geld  bei  einem  Bankier  einzahlt  und  wieder  abhebt
und  außerdem  durch  den  Bankier  Ankäufe  und  Verkäufe  von  Wertpapieren  besorgen
läßt,  so  kann  dies  sehr  wohl  einen  echten  KK.  bilden:  denn  der  Kunde  ist  Geldgläubiger
des  Bankiers  wegen  des  eingezahlten  Geldes  und  der  verkauften  Papiere,  für  die  der  Bankier
den  Kaufpreis  einkassiert  hat;  er  ist  Geldschuldner  des  Bankiers  wegen  des  abgehobenen
Geldes  (siehe  unten  S.  332,  3)  und  der  gekauften  Papiere,  für  die  der  Bankier  den  Kaufpreis
  hat  zahlen  müssen.  Daß  laut  Vereinbarung  der  Bankier  dem  Kunden  keinen  Kredit
gewährt  und  demnach  die  Geldansprüche  des  Kunden  an  den  Bankier  stets  größer  sein
müssen  als  seine  Geldschulden  gegenüber  ihm,  ändert  nichts  hieran.

3.  Besonders  häufig  sind  die  Kontokorrente  zwischen  den  Bankiers

und  ihren  kaufmännischen  und  nicht  kaufmännischen  Kunden  („Korrespondenten“).


Muster  eines  Bankier-K.8.

Soll.  Karl  Böttcher  in  Vowinkel.  Haben.
1909.  1909.
Febr.  6  An  Kasse  .  M.  600.—-anuar  1  Per  Saldo  .  .  .  .  M.  1677.90
„  15„  "  600.—  Febr.  21  Verkaufte
„  27%  »  -·--300.-—  M.  2400  Berg-März
  44  "“  "„  2000.—  bankaktien  3587.60
April  2,  5  88  000.—März  25  „  Kasse.  4500.—
„  16„  Safe-Miete,  5.  27  Coupons,  1452.—
Juni  30%  Portiu.Spesen,  1.+  Kasse  38000.—
„  30%  Saldd..  2910—  pril  11  verkaufte  Ef.
—  fekten  .  .  443577.05
—  Nai  12  ,  Lasse.  .  998.00
„  111  500—
2  Juni  30  ,  Einslt.  Staftel,  32.75
M.  94426.—  M.  94426.—
–  —  .  ..  –  —  —...  Ê  f  —“
·  Juli  1.  Per  Saldo  Juni  30.  M.  2910.—
Elberfeld,  den  14.  Juli  1909.  F.  Sigismund.

6.  Zur  Erläuterung  dieses  Musters  diene  folgendes:  I.  Bankier  F.  Sigismund  in  Elberfeld
  steht  in  KK.  mit  seinem  Kunden  Karl  Böttcher  in  Vowinkel.  Am  Ende  einer  halbjährigen
  KK  periode  hat  er  für  Böttcher  obige  Rechnung  aufsgestellt:  rechts  stehn  die  Geldansprüche
  Böttchers  („Haben"  oder  „Kredit“)  links  seine  Geldschulden  („Soll“  oder  „Debet“);
die  Buchung  der  Ansprüche  beginnt  der  Sitte  gemäß  mit  dem  Wort  „per“,  die  Buchung
der  Schulden  mit  dem  Wort  „an“.  II.  1.  Der  erste  Anspruch  B.s  („Jan.  1  per  Saldo
M.  1677.90“)  ist  sein  Saldo  aus  der  letztvorhergehenden  KK  periode:  er  ist  einfach  auf  die
neue  Periode  „vorgetragen“  (siehe  unten  S.  332,  2).  2.  Die  übrigen  Ansprüche  B.s  beruhn
darauf,  daß  S.  zweimal  Wertpapiere  für  ihn  verkauft  und  den  Kaufpreis  dafür  eingezogen,
daß  S.  ferner  Zinscoupons  für  ihn  einkassiert,  daß  B.  viermal  bare  Einzahlungen  an  S.
geleistet  („per  Kasse"),  endlich  daß  er  laut  besondrer  Berechnung  („Staffel")  von  S.  Zinsen
zu  beanspruchen  hat.  III.  Die  Schulden  B.s  beruhn  darauf,  daß  er  fünfmal  bares  Geld
von  S.  abgehoben  („an  Kasse")  und  außerdem  für  Miete  eines  „Safe“  und  für  kleine  Auslagen
  16  Mark  an  ihn  zu  zahlen  hat.  IV.  Außerdem  steht  noch  hinter  den  Schulden  auf  der