Wir  sehen  dabei  ab  von  der  Mission  eines  gewissen  Commendone,
  den  der  Papst  nach  Deutschland  sandte  und  der  im
Jahre  1561  auch  Berlin  aufsuchte,  um  auftragsgemäß,  jedoch
vergeblich,  den  Kurfürsten  Joachim  zu  einem  Konzil  einzuladen,
auf  dem  über  die  Wiederherstellung  der  kirchlichen  Eintracht
verhandelt  werden  sollte.  *)

Man  mag  überhaupt  als  Unbefangener  nicht  ohne  eine  gewisse
  Verwunderung  von  dem  Bestehen  einer  preußischen  Gesandtschaft
  am  Hofe  des  Papstes  Kenntnis  nehmen,  etwa  gegenüber
  der  Begründung:  Andere  Staaten  mit  überwiegend  protestantischer
  Bevölkerung,  wie  England,  Schweden,  Holland,  unterhalten
  oder  unterhielten  doch  bis  vor  kurzer  Zeit  keine
diplomatische  Vertretung  am  päpstlichen  Stuhle;  warum  also
Preußen?  Und:  sonst  ist  doch  Preußen  als  solches  nicht  im
Auslande  diplomatisch  vertreten;  warum  gerade  an  dieser  Stelle?

Dieses  Argument  übersieht  einen  wichtigen  Punkt,  nämlich,
daß  Preußens  Bevölkerung  zum  guten  Teile  aus  Katholiken
bestand  und  noch  besteht,  und  zwar  zu  wesentlich  größeren
Teile  als  die  genannten  anderen  „protestantischen“  Staaten.

Preußen  ist  aus  diesem  Grunde  mit  historischer  Notwendigkeit
  auf  den  Weg,  diplomatische  Beziehungen  zur  Kurie  zu
pilegen,  gedrängt  worden,  wie  es  im  ersten  Teile  unserer  Ausführungen
  darzutun  versucht  werden  soll.

Die  ersten  (indirekten)  Beziehungen  zwischen  Preußen
und  dem  Vatikan  wurden  im  Jahre  1707  geknüpft.  5)  Der  damalige
  Papst  Clemens  XI.  bediente  sich  des  Pfalzgraien  von
Neuburg  und  des  Bischofs  von  Münster,  um  von  Friedrich  |.
die  Schonung  päpstlichen  Gebietes  zu  erbitten.  Preußische
Truppen  waren  während  des  spanischen  Erbfolgekrieges  an  der
Grenze  des  Kirchenstaates  erschienen;  Clemens,  der  jüngst  auf
dem  Reichstage  die  Kassierung  der  preußischen  Königswürde
beantragt  hatte,  fürchtete  den  Einfall  der  Preußen  in  sein  Gebiet.
Dieser  erfolgte  trotz  der  päpstlichen  Bitte.  ®)

#,  Prisac,  Die  päpstlichen  Legaten  Seite  102.

5,  vgl.  aber  auch  Hiltebrandt  Nr  18.  23.  30.  46.  47.  51.  68.  104.  108.
109.

$  Lehmann,  I.  436,  439,  450,  454,  458,  469  und  466  und  Hiltebrandt  133.

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