Allerdings  kann  auch  jetzt  noch  nicht  von  einer  direkten
diplomatischen  Verbindung  zwischen  Berlin  und  Rom  gesprochen
werden,  doch  kennen  wir  ein  aus  dem  Jahre  1741  stammendes
Schreiben  des  päpstlichen  Staatssekretärs  Cardinals  Valenti  an
den  preußischen  Residenten  bei  der  venetianischen  Republik  °),
in  dem  die  Freude  über  die  Freilassung  des  Breslauer  Bischofs
Sinzendorf  ausgesprochen  wird.  Es  waren  also  Berührungspunkte
  aufgetaucht,  die  zum  mindesten  indirekte  Verbindungen
hervorrieien.

Besonders  interessant  ist  hier  die  Beschwerde  Friedrichs  II.
über  die  seitens  der  Kurie  geübte  Bezeichnung  „marchio  Brandenburgensis“
  für  den  preußischen  König,  welche  Beschwerde
durch  den  preußischen  Gesandten  in  Frankfurt  dem  dortigen
Nuntius  übermittelt  wurde.  Die  römische  Antwort  war  befriedigend:
  „Que  cela  n’  arrivät  plus  &amp;  l’  avenir.“  10)

2.)  Mit  dem  Jahre  1747  tritt  Preußen  in  dirckte  Beziehungen
  zur  Kurie.  Es  war  der  pfälzische  Agent  in  Rom,  Chevalier
Coltrolini,  der  sich  erbot,  die  preußischen  Interessen  am  päpstlichen
  Stuhle  zu  vertreten  und  Berichte  über  die  Beschwerden
der  schlesischen  Katholiken,  die  unaufliörlich  beim  Papste  einliefen,
  dem  preußischen  Könige  zu  übermitteln,  auch  Intrigen
anderer  Höfe  zuschanden  zu  machen.  Dieses  Anerbieten  wurde
dem  Könige  durch  den  Residenten  beim  niederrheinischen  Kreise,
von  Diest,  übermittelt.  1!)  Da  die  Charakterisierung  Coltrolinis
durch  ihn  gut  ausfiel,  auch  der  pfä'zische  Hof  die  Uebernahme
der  preußischen  Vertretung  durch  ihn  neben  der  eigenen  bereitwilligst
  genehmigte,  so  erfolgte  die  Beauftragung  Coltrolinis  mit
der  Vertretung  der  preußischen  Interessen  bei  der  Kurie,  wie
aus  dem  Dankschreiben  des  neuen  Agenten  von  3.  Juni  1747  12)
für  die  Uebertragung  der  Vertretung  hervorgeht.  1?)

9,  Lehmann,  II,  Urk.  39.

10)  Lehmaun,  I,  416  ft.

11)  Lehmann,  II.  810,  812,  816.

12)  Lehmann,  II.  819,  828/29.

18)  Es  ist  doch  eigenartig,  daß  nicht  Landeskinder  zu  Agenten  gemacht
wurden;  vgl.  heutige  Wahlkonsuln!

13