Obwohl  Ciofani  das  in  ihn  gesetzte  Vertrauen  völlig  rechtfertigte
  und  man  in  Berlin  mit  seiner  Vertretung  recht  zufrieden
war,  konnte  er  doch  von  Friedrich  Il.  nach  fünfzehnjähriger
Dienstzeit  nicht  einmal  ein  Fixum  von  wenigen  hundert  Dukaten
jährlich  erlangen  #2).  Dies  muß  umso  befremdlicher  erscheinen,
als  Preußen  bei  der  kürzlich  erfolgten  Teilung  Polens  wieder
zahlreiche  katholische  Untertanen’bekam,  der  römische  Posten
also  umso  wichtiger  geworden  war.

Auch  sonst  hatte  der  Agent  gerade  in  dieser  Zeit  sehr  viel
zu  tun:  über  schwerwiegende  Fragen,  wie  Erhaltung  der  Jesuiten
trotz  Aufhebung  ihrer  Gesellschaft  durch  den  Papst,  Behandlung
der  gemischten  Ehen,  Bestätigungen  von  Bischofs-  und  Koadjutorwahlen
  und  nicht  zuletzt  die  Anerkennung  der  preußischen
Königswürde  seitens  der  Kurie,  für  die  man’  sogar  Specialmissionen
  wie  Graf  Thomas  Antici  und  Graf  Massini  de  la  Massa
entsenden  mußte,  war  damals  zu  verhandeln.  2)

Am  16.  November  1782  geschah  es  zum  ersten  Male,  daß
die  Kurie  der  preußischen  Regierung  eine  Denkschrift  überreichte.
  25)

Erst  der  freigeberige  Friedrich  Wilhelm  II  gewährte  Ciofani,
seine  Verdienste  betreffend  den  Königstitel  anerkennend,  1000
Thaler  jährlich  und  erhob  ihn  in  die  Stellung  eines  preußischen
Residenten.  26)  Aber  schon  wenige  Jahre  später  (1790)  wurde
man  in  Berlin  mit  seiner  Tätigkeit  unzufrieden,  „da  er  eine  an
Widerspenstigkeit  grenzende  Saumseligkeit  beweise“  27);  sei  es,
daß  die  Beziehungen  zur  Kurie  sich  verschlechterten  oder  das
vorgerückte  Alter  des  Residenten  seiner  Tätigkeit  schadete.

39,  Lehmann,  V,  308,  691,  749.

%)  Lehmann,  V,  82,  231,  233,  235,  310.
2%)  Kissling,  Geschichte,  Bd.  I  S.  103.
26)  Lehmann,  VI,  52,  56,  57,

27)  Lehmann,  VII,  250,

16