noch  immer  bis  dahin  Gefangenschalt  schmachtend,  nun  von
den  verbündeten  Mächten  auf  der  Friedenskonferenz  zu  Chätilonsur-Seine
  (1814)  wieder  als  weltlicher  Fürst  eingesetzt,  55)  nach
Rom  zurückkehren  und  „nach  dem  Muster  der  größten  seiner
mittelalterlichen  Vorgänger  die  Welt  regieren“  kann,  56)  tauchen
auch  Gedanken  an  eine  Wiederanknüpfung  der  diplomatischen
Beziehungen  zwischen  beiden  Höfen  auf.  Für  Preußen  war  dabei
  mitsprechend  die  abermalige  Vermehrung  seiner  katholischen
Untertanen  durch  Erwerbung  der  Rheinlande  auf  dem  Wiener
Kongreß.

Nach  einem  Memoire  von  Raumer  (1814)  hat  der  Papst
an  den  preußischen  König  geschrieben,  57)  und  das  könne  der
Beweggrund  dazu  sein,  wieder  einen  Gesandten  in  Rom  zu  ernennen.
  Gleichzeitig  gibt  Raumer  die  von  Hardenburg  gebilligten
  58)  Bedingungen  für  die  Persönlichkeit  des  neuen  Gesandten
an.  Nach  diesen  soll  kein  Prälat,  überhaupt  kein  Katholik,  aber
auch  kein  zu  hoch  charakterisierter  Mann  an  die  Kurie  gesandt
werden,  wobei  letztere  Bedingung  damit  begründet  wird,  der  römische
  Hof  könne  versucht  sein,  atıch  seinerseits  eine  Sendung
vorzunehmen,  was  Raumer  als  ein  Übel  betrachtet,  59)  Ansichten
die  sich  noch  ganz  im  friderizianischen  Sinne  bewegen.

Wollte  man  diese  Bedingungen  erfüllen,  so  glaubte  man,
nachdem  man  zunächst  einen  Generalkonsul  in  Bartholdy  ernannt
  hatte,  60)  eine  gute  Wahl  getroffen  zu  haben  in  Barthold
Georg  Niebuhr,  der  die  fehlende  diplomatische  Qualifikation
durch  seinen  Weltruf  als  Gelehrter  zu  ersetzen  schien.  Diese
Wahl  erfolgte  dann  auch,  immerhin  erst  nach  zwei  Jahren,  an
welcher  Verspätung  wohl  Napoleons  Flucht  von  Elba  nebst  dem
sich  daranschließenden  Kriege  Mitursache  gewesen  sein  mag.

6)  Mirbt,  Gesandtschaft,  S.  7.

56)  Hilgenreiner  Seite  21.

57)  Mejer,  Bd.  U,  2  8.  21.

58)  Mirbt,  Gesandtschaft,  S,  18.

89)  Mejer,  a.  a.  O.,  S.  23.

%)  vgl.  Nippold,  Handbuch  II,  8.  585.