Zu  erwähnen  wäre  vielleicht  noch,  daß  während  Niebuhrs
Tätigkeit  in  Rom  dort  zuerst  protestantischer  Gottesdienst  abgehalten
  wurde,  und  daß  der  Gesandte  deutsche  Künstler  in  Rom
unterstützt  hat.  100)

5)  Der  Nachfolger  für  Niebuhr  auf  dem  römischen  Gesandtenposten
  war  ohne  weiteres  gegeben  in  Christian  Carl  Josias
Freiherrn  von  Bunsen,  der  schon  viele  Jahre  in  Rom  weilte,
bereits  1817  auf  Niebuhrs  Initiative  hin  191)  Gesandschaftssekretär
geworden  war  und  als  solcher  die  gesamten  Verhandlungen  miterlebt
  hatte.  Er  kannte  natürlich  auch  Consalvi  und  war  ein
überzeugter  Protestant,  sodaß  seine  Wahl  zum  Gesandten,  nachdem
  er  gelegentlich  eines  Besuches  Friedrich  Wilhelms  Ill.  in
Rom  (1822)  zum  Legationsrat  ernannt  worden  war,  fast  als
selbstverständlich  erscheint.

Zu  seiner  Charakteristik  sei  ein  Scherzwort,  daB  über  ihn
in  England  umging,  erwähnt:  „Die  Gelehrten  halten  ihn  für
einen  Diplomaten,  die  Diplomaten  für  einen  Gelehrten.“  192)

Bunsen  segelte  natürlich  als  Untergebener  Niebuhrs,  mit
dem  ihn  neben  der  gemeinsamen  christlichen  Weltanschauung
auch  geschichtliche  und  sprachliche  Studien  verbanden,  in  dem
Fahrwasser  des  Älteren  und  sicherlich  bis  dahin  Berühmteren;
sobald  er  aber  frei  war  von  diesem  Einfluß,  ist  er  unbeirrt  den
eigenen  Weg  gegangen.  108)

Auch  auf  seiten  der  Kurie  trat  eine  Veränderung  der  führenden
  Persönlichkeiten  ein:  Auf  Pius  VII.  folgte  das  Pontifikat
Leos  XII.  und  durch  den  fast  gleichzeitig  erfolgenden  Tod
Consalvis  wurde  die  Stelle  des  Kardinal-Staatssekretärs  für  Cappacini
  frei.  19%)

Und  bald  brach  nun  auch  der  Krieg  zwischen  Staat  und
Kirche  aus,  und  zwar  auf  dem  Gebiete,  das  man  s.  Zt.  zu  regeln

100)  vgl.  Eyssenhardt,  $.  242  und  Nielsen  S.  272.

101)  Nippold,  Bunsens  Leben,  Seite  132.

102),  Wagener,  Politik  Friedrich  Wilhelms  IV,  Seite  30.

109,  vergl.  Nippold,  a.  a.  O.,  Seite  341  ff.  I.

104)  U.  ist  auch  1828  in  besonderer  Mission  in  Berlin  gewesen;  vgl.  Prisac
und  Nippold,  Vertraute  Briefe,  S.  53.

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