Als  ersten.deutschen  Geschäftsträger,  der  den  Posten
bis  zur  Ernennung  eines  Botschaflers  vorübergehend  verwaltete,
sehen  wir  einen  Herrn  von  Derenihall.137)

Nachdem  am  8.7.  1871  die  sogenannte  katholische  Abteilung
im  Kultusıninisterium  aufgehoben  und  man  damit  in  Rom  wohl
nicht  angenehm  gewesen  war,  glaubte  man,  gut  daran  zu  tun,
eine  versöhnliche  Politik  einzuschlagen  und  zum  ersten  deutschen
Botschafter  beim  Vatikan  einen  Kardinal  zu  ernennen,  wobei  man
allerdings  jene  von  Raumer  aufgestellten  Gesichtspunkte  128)  völlig
über  den  Haufen  warf.

Wie  sehr  man  dem  Papste  mit  dieser  Wahl  zu  gefallen
hoffte,  geht  aus  einem  Erlasse  Bismarcks  an  Arnim  hervor.  Dort
heißt  es:  „Diese  Wahl“  wird.  .  .  „einen  neuen  Beweis  liefern,
daß  die  Regierung  Seiner  Majestät,  soviel  an  ihr  liegt,  den  Frieden
mit  der  römischen  Kirche  zu  pflegen  bemüht  ist,  da  jedem  Unbefangenen
  einleuchten  wird,  daß  ein  Kardinal  kein  brauchbares
Werkzeug  zur  Vertretung  feindlicher  Tedenzen  gegen  den  Papst
sein  würde.“  139)

Jener  Kardinal  war  der  Prinz  Gustav  Adolf  zu  Hohenlohe-Schillingsfürst,
  der  Bruder  des  damaligen  Ministerpräsidenten  in
Bayern,  aber  weit  gefehlt,  daß  diese  Ernennung  in  Rom  gutgeheißen
  wurde,  nein:  der  Kardinal  wurde  in  ciner  Aufsehen
erregenden  Form,  „mit  einer  in  den  Annaien  der  Diplomatie
unerhörten  Rücksichtslosigkeit“  1%)  vom  Papste  abgelehnt.

Allerdings  war  der  neue  Botschafter  einfach  ernannt  worden,
ohne  daß  man  der  Gepflogenheit  Rechnung  getragen  hatte,  anzufragen,
  ob  er  auch  genehm  sei;  #1)  zuden:  bezog  er  sein  Gehalt
vom  Papste,  hatte  zu  Rom  Residenzpflicht  und  durfte  diese  Stadt
ohne  päpstliche  Erlaubnis  nicht  verlassen,  !*)  kurz,  er  war  für
den  Posten  doch  nicht  recht  geeignet.

137)  Brück,  I.  Seite  58.  Majunke,  8.  74,

188)  siehe  oben,  Seite  22  unserer  Abhandlung.

19),  Schulte,  Kulturkampf,  Seite  137;  vergl.  aueh  Kissling  II,  9.  99  #.
140)  Nippuld,  Handbuch  II,  8.  143.

41)  Über  einige  vertrauliche  Äußerungen  vorher  vergl.  Hahn,  8.  71  fi.
149)  Majunke,  9,  75.

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