Kaiserlich  Deutscher  Botschafter  in  Washington  war.  Durch  Allerhöchste
  Kabinettsorder  vom  2,  4.  82  vertauschte  er  diesen  Posten
mit  dem  römischen.

Seine  Wahl  wurde  allenthalben  gutgeheißen.  Man  war  der
Ansicht,  daß  Fürst  Bismarck  sich  darüber  klar  geworden  war,
Schloezer  sei  für  die  erfolgreiche  Führung  der  Verhandlungen  mit
Rom  die  geeigneteste  Persönlickkeit.

Interessant  ist,  daß  Schloezer  wie  Humboldt,  Niebuhr  und
Bunsen  großen  wissenschaftlichen  Studien  obgelegen  hatte;  er  ist
kein  unbedeutender  Historiker  gewesen.  Trotzdem  hat  er  die  ihm
anvertrauten  preußischen  Interessen  ausgezeichnet  vertreten.

Seine  gründliche  Kenntnis  der  päpstlichen  Diplomatie  noch
aus  der  Zeit  der  weltlichen  Herrschaft  her  sowie  seine  Studien
betreffend  Ausbreitung  des  Katholizisınus  auf  dem  Kontinent  und
in  Amerika  sind  ihm  dabei  nicht  zu  verachtende  Stützen  gewesen.

Seine  Aufgabe  bestand  zunächst  darin,  die  feindlichen  Elemente,
  Staat  und  Kirche,  zu  versöhnen,  ein  Unternehmen,  dessen
Schwierigkeiten  nicht  zu  unterschätzen  waren.  „Es  gehört  großer
Mut,  Ruhe,  Tugend,  Kraft  dazu,  um  nur  einigermaßen  auszuhalten“,
schreibt-  dem  neuernannten  preußischen  Vertreter  sein  Gönner  in
Rom,  der  uns  schon  bekannte  Kardinal  Hohenlohe.  148)

Und  doch  hat  Schloezer!#°)  nicht  nur  verstanden,  es  in  Rom
auszuhalten;  er  hat  es  sogar  dahin  gebracht,  beim  Papste  Leo
XIII.  persona  gratissima  zu  werden,  wie  das  Abschiedsgeschenk
des  Papstes  an  Schloezer  —  ein  Bild  des  heiligen  Vaters  mit  dem
Motto:  „Vir  fidelis  et  prudens  multum  laudabitur"  —  es  beweist.

Aber  trotz  guten  Willens  auf  beiden  Seiten  woilten  zunächst
die  Friedensverhandlungen,  die  Schloezer  führte,  keinen  nennenswerten
  Fortschritt  machen,  obwohl  verschiedene  Ereignisse,  wie
der  Kronprinzenbesuch  beim  Papste  (1883)  eher  förderlich  als
hindernd  hätten  sein  müssen.

Schließlich  hatte  Schloezers  Geduld  die  bekannte  päpstliche
Vorsorglichkeit,  die  alles  lieber  morgen  besser,  als  heule  gut  getan
wissen  will,  überstanden;  er  hat  sich  durchgesetzt,  wenn  es  auch
nur  schrittweise  ging.

#3)  vergl.  Curtius,  Seite  122.
“9,  vergl.  seine  „römischen  Briefe“.

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