Zunächst  erreichte  es  der  Gesandte,  daß  der  Papst  dem
heftigen  Kulturkämpfer  Kardinal  Ledochowski,  der  gegen  den  angestrebten
  Friedensschluß  mit  seinem  ganzen  preußenfeindlichen
Einfluß  intrigierte,  die  Gastfreundschaft  kündigte;  dann  aber  fritt
er  nebst  den  ihm  befreundeten  Monsignores  Galimberti  und
Montel  1%)  mit  aller  ihm  zu  Gebote  stehenden  Gewandheit  für  eine
Verständigung  ein,  die  dann  ihren  Abschluß  findet  in  der  Aufhebung
  der  „Maigesetze*  (Friedensgesetze  vom  31.  5.  86  und  13.
3.  87)  im  April  1886,  bei  welcher  Gelegenheit  Schloezer  auf
Bismarcks  Geheiß  persönlich  in  Berlin  zu  erscheinen  hatte.

Gleichzeitig  wurde  damals  auf  Anregen  des  Reichskanzlers
von  der  Kurie  der  zwischen  Deutschland  und  Spanien  ausgesprochene
  Zwist  betreffend  die  Karolinen-Inseln  zur  Zufriedenheit
geschlichiet,  an  welchem  Erfolg  Schloezer  auch  beteiligt  war,
zumal  sein  Freund  Galimberti  das  Schiedsrichteramt  ganz  allein
führte,  51)

Kein  Wunder,  daß  des  römischen  Gesandten  Name  damals
in  seinem  Vaterlande  zu  den  meistgenannten  gehörte;  man  vergl.
das  Gedicht  „Die  Geschichte  des  Herrn  von  Schloezer“,  die  anfangs
  der  80er  Jahre  im  „Kladderadatsch“  erschien.  152)

Leider  liegen  die  politischen  Berichte  Schloezers  der  Öffentlichkeit
  nicht  vor,  doch  kann  man  aus  dem  Gesagten  wohl  schlie-Ben,
  daß  er  dem  Fürsten  Bismarck  ein  verständiger  und  wertvoller
  Mitarbeiter  gewesen  ist.  159)

So  gewandt,  sich  mit  allen  Menschen  auf  guten  Fuß  stellen
zu  können,  ist  wohl  niemand.  Auch  Schloezer  hatte  an  dem  vor
wenigen  Jahren  verstorbenen  Kardinal  Rampolla  einen  persönlichen
Gegner,  vielleicht  deshalb,  weil  sich  der  Gesandte  beim  Papste
so  hoher  Gunst  erfreute.

Als  Rampolla  1887  das  päpstliche  Staats-Sekretariat  übernahm,
  begannen  fortwährende  Intrigen  gegen  Schloezer  zu  spielen.

150)  Eine  Würdigung  dieser  Männer  findet  man  bei  Cortius,  Seite  129
und  137  fi.

151)  vergl.  Curtius,  S.  129,  Pohl,  im  „Hochland“  IV,  8.  Heft,  Seite  203.
(Die  offiz.  Aktenst.  finden  sich  im  Staatsarchiv,  Bd.  46.)

152)  Curtius,  Seite  124.

159,  Wie  Bismarck  die  in  2,  Teil  näher  behandelte  römische  Frage  ausnutzte,
  sieht  man  bei  Hilgenreiner,  Einleitung.

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